Künstliche Intelligenz findet zunehmend Anwendung in verschiedenen Lebensbereichen, sei es bei beruflichen Tätigkeiten, im Studium oder sogar beim Verfassen von Geburtstagskarten. Ihre Nutzung erstreckt sich auch auf den Sportsektor, wobei sie nicht nur für Leistungssportler von Bedeutung ist.
Einfluss auf Hobby-Sportler
rbb|24: Frau Thun, inwiefern können auch Hobby-Sportler von künstlicher Intelligenz profitieren?
Sylvia Thun: Einerseits können sie jederzeit nachfragen, welche Übung nützlich ist oder wie diese korrekt ausgeführt wird. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, einen personalisierten Trainingsplan erstellen zu lassen.
Über die Expertin
Sylvia Thun ist Universitätsprofessorin sowie approbierte Ärztin und Ingenieurin für biomedizinische Technik. Sie leitet den Bereich E-Health und Interoperabilität am Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIH) der Stiftung Charité und beschäftigt sich mit Themen wie der elektronischen Gesundheitsakte und dem elektronischen Rezept. Thun gilt als Fachfrau für nationale und internationale IT-Standards im Gesundheitssektor.
Wert der KI im Training
rbb|24: Wenn man ChatGPT darum bittet, einen Trainingsplan zu erstellen und angibt, in sechs Monaten einen Halbmarathon laufen zu wollen, erhält man eine wöchentliche Übersicht zur Laufdauer und Intensität. Ist der Einsatz menschlicher Trainer in diesem Fall noch nötig?
Thun: Es ist sicherlich vorteilhaft, einen solchen Trainingsplan zu erhalten. Dieser kann jedoch sowohl korrekt als auch fehlerhaft sein, was bei jedem Personal Trainer oder Coach der Fall ist. Es ist entscheidend, umfangreichere Daten als nur Alter und Geschlecht bereitzustellen. Man sollte intelligente Anfragen stellen und Informationen über persönliche Ziele, den Trainingsort und die körperliche Verfassung angeben. Die KI wird viele Bereiche unseres Lebens beeinflussen, inklusive der Erstellung von Trainingsplänen. Dennoch empfehle ich, dass ein Fachmann, der das Thema studiert hat, die Ergebnisse überprüft und Empfehlungen abgibt.
Nutzung der KI in der Rehabilitation
rbb|24: Wird KI bereits in der Rehabilitation und Physiotherapie eingesetzt?
Thun: Ich hoffe, dass dies der Fall ist. Sowohl die Fachkräfte als auch die Maschinen sollten in der Lage sein, uns aufgrund unserer Daten durch Algorithmen bessere Trainingserfolge zu ermöglichen.
Grenzen der KI im Sport
rbb|24: Was kann die KI im Zusammenhang mit Sport und Trainingsplänen aktuell noch nicht leisten?
Thun: Aktuell kann man der KI noch nicht vollständig vertrauen. Die Effektivität hängt davon ab, wie sie trainiert wird und welche Algorithmen verwendet werden. Zudem besteht das Risiko, dass man nicht rechtzeitig erkennt, wenn die KI in die falsche Richtung lenkt, da sie nicht über die gleiche persönliche Kenntnis verfügt wie jemand, der direkt mit einem spricht und die individuelle gesundheitliche Lage besser einschätzen kann.
Die Bedeutung des menschlichen Kontakts
rbb|24: Ist menschlicher Kontakt in Zukunft obsolet oder kann die Technik langfristig persönliche Trainingsanleitungen ersetzen?
Thun: Beides ist denkbar. Es hängt vom Individuum ab. Manche Menschen benötigen den menschlichen Kontakt und Feedback, während andere, sowohl junge als auch ältere, vielleicht mit der KI besser zurechtkommen. Sie könnten regelmäßig ihre Vital- und Laborwerte überprüfen lassen und, wenn sie gesund sind und die Ergebnisse des Trainingsplans positiv sind, die Übungen effektiv mit der KI selbst durchführen.
Vielen Dank für das Gespräch!
*Das Interview führte Lukas Witte.*
*Sendung: rbb|24, 16.12.2025, 11:45 Uhr, Sylvia Thun im Interview mit Lukas Witte*
Bildquelle: Google DeepMind auf Pexels