Marton Dardai, Fabian Reese und ihre Mitspieler feiern derzeit Erfolge. Foto: dpa
Vor drei Monaten schien der Aufstiegstraum von Hertha BSC als Vorletzter der 2. Liga nahezu unerreichbar. Jetzt ist sogar der Spitzenreiter Schalke 04 wieder in Reichweite.
Die Fans quittierten den enttäuschenden Auftritt von Hertha beim 0:2 gegen Elversberg Ende August mit Pfiffen. Trainer Stefan Leitl entschuldigte sich später bei den Anhängern und nahm die vereinzelt laut gewordenen Forderungen nach einem Trainerwechsel zur Kenntnis.
Nach zehn Spieltagen darf sich der Traditionsverein nun als Seriensieger bezeichnen. Mit dem 1:0-Sieg gegen Holstein Kiel und dem sechsten Pflichtspielsieg in Folge beträgt der Rückstand auf die Tabellenspitze nur noch fünf Punkte. „Für die Leidenschaft und das Miteinander muss ich meiner Mannschaft großen Respekt zollen“, lobte Leitl seine Spieler. Der einstige Big City Club hat wieder große Ambitionen.
Die Diskussion um einen Trainerwechsel ist mittlerweile weit entfernt, ebenso wie die Abstiegsränge. Stattdessen ist der Spitzenreiter Schalke, der im Topspiel 2:1 gegen Paderborn gewann, in Sichtweite. „Wir sind noch sehr weit weg vom Ende der Saison, haben Etappenziele bis Winter“, dämpfte Fabian Reese die aufkommende Euphorie im Berliner Westen. Als Kapitän treibt er die Aufstiegsmission entschlossen voran.
Wie bereits gegen Braunschweig und Kaiserslautern, gegen die man im DFB-Pokal-Achtelfinale am Dienstag erneut antreten muss, gewann Hertha in Kiel mit einem minimalen Ergebnis: Ein einziger Treffer war ausreichend. „Wir brauchen momentan nicht viel, um Tore zu erzielen“, stellte Leitl fest. Hertha spielt zwar unspektakulär, jedoch effizient.
In der Offensive agiert das Team abgeklärt und kaltschnäuzig, während die Defensive als ligaweit konkurrenzlos gilt. Sechsmal in Folge blieb Hertha ohne Gegentor. „Wir haben uns das in den vergangenen Wochen erarbeitet, auch durch die Lust am Verteidigen. Die Defensive ist entscheidend, um in der 2. Bundesliga erfolgreich zu sein“, erklärte Sportdirektor Benjamin Weber.
Die deutlich reduzierte Verletztenliste im Vergleich zum Saisonstart trägt ebenfalls zum Aufschwung bei. Zudem stellt Reese, der zwar nicht mehr die Torquote von vor zwei Jahren erreicht, sich jedoch verstärkt in den Dienst der Mannschaft, wie Leitl betonte.
Das „unfassbare Talent“ Kennet Eichhorn (16) hat ebenfalls einen wesentlichen Anteil an der beeindruckenden Serie. Innerhalb weniger Wochen entwickelte sich der jüngste Profi der Zweitliga-Geschichte vom Debütanten zum Stammspieler.
Nichts erinnert mehr an die unsichere Mannschaft zu Beginn der Saison. Auch Torschütze Dawid Kownacki spürt den Wandel, nachdem er in Kiel ein gelungenes Comeback feierte. „Es war nicht so einfach, in diese Mannschaft zurückzukehren, die in den letzten Wochen so gut gespielt hat, kompakter verteidigt und Selbstvertrauen aufgebaut hat“, sagte der Stürmer, der nach zweimonatiger Pause eine Flanke von Kiel-Rückkehrer und Geburtstagskind Reese verwertete.
Zeit zum Feiern bleibt kaum. Noch am Abend stand Regenerationstraining auf dem Programm, da es am Dienstag (18 Uhr) zu Hause gegen Kaiserslautern weitergeht. Das klare Ziel: Die Superserie ausbauen.
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