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In Berlin: 70 Jahre Anwerbeabkommen mit Italien und seine Folgen

Im September 1960 erlebte das kleine kalabresische Dorf Rosalì, umgeben von Orangen- und Zitronengärten, eine besondere Geschichte. Eine Ärztin aus West-Berlin machte dort Urlaub bei…

In Berlin: 70 Jahre Anwerbeabkommen mit Italien und seine Folgen

Im September 1960 erlebte das kleine kalabresische Dorf Rosalì, umgeben von Orangen- und Zitronengärten, eine besondere Geschichte. Eine Ärztin aus West-Berlin machte dort Urlaub bei der Familie eines italienischen Kollegen und verband sich bald mit Domenico Foti, der fünf Jahre älter und einen Kopf größer ist. Gaetano Foti, der Sohn von Domenico, erinnert sich, wie sein Vater bei einem Oldtimer, einem Pininfarina Millecento, seine Mutter umwarb. „Hat es geklappt?“ Foti lächelt und antwortet: „Offensichtlich.“

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Die Anwerbeabkommen zwischen Deutschland und Italien, die vor 70 Jahren initiiert wurden, ebneten den Weg für etwa vier Millionen italienische Einwanderer in die Bundesrepublik. Der 20. Dezember 1955 gilt als Meilenstein für die Entwicklung Deutschlands zu einem Einwanderungsland. Arbeiter aus dem wirtschaftlich schwächeren Italien, insbesondere aus dem Süden, siedelten in die Bundesrepublik, um dort auf Baustellen, in der Industrie und Gastronomie Fuß zu fassen. Aus den ursprünglichen ‚Gastarbeitern‘ entstanden über die Jahre hinweg Nachbarn, Freunde und Partner, deren Einfluss in Deutschland unbestreitbar ist.

Ein neuer Lebensweg in West-Berlin

Domenico Foti kam nicht als einfacher Arbeiter nach West-Berlin, sondern aus Liebe. Trotz anfänglicher Skepsis seines Schwiegervaters baute er sich ein Leben in der Stadt auf, zunächst als Tankwart und später als erfolgreicher Autohausbesitzer. Sein Sohn Gaetano berichtet, dass sein Vater immer den Drang hatte, für die Familie zu arbeiten. Diese Inspiration zieht sich durch die Familiengeschichte, die sowohl Herausforderungen als auch Erfolge umfasst.

Die italienischen Einwanderer hatten oft mit Vorurteilen zu kämpfen. Gaetano Foti, der als Kind aufgrund seiner Herkunft verspottet wurde, erinnert sich an die Anekdoten seines Vaters, der mit Humor auf die Beleidigungen reagierte und seine Kinder lehrte, sich nicht von der Meinung anderer herunterziehen zu lassen. „Die Beleidigung gehört dem, der sie gemacht hat“, sagt Gaetano und verdeutlicht damit seine Einstellung zu den damaligen Herausforderungen.

Die Veränderungen über die Jahrzehnte

Mit der Ankunft türkischer Gastarbeiter in den 1960er-Jahren begannen sich jedoch die gesellschaftlichen Wahrnehmungen zu verschieben, und die Italiener wurden in den gesellschaftlichen Hierarchien höher eingestuft. In Berlin leben heute rund 35.000 Italiener, die oft als Gastronomen, Künstler oder Akademiker kommen. Dennoch kämpfen viele von ihnen mit Prekarität, da sie häufig in einem benachteiligten Arbeitsmarkt landeten, der von Unsicherheiten geprägt ist.

Maria Lucrezia Schiavarelli, eine Nachfahrin italienischer Einwanderer, erzählt von den Schwierigkeiten ihrer Großeltern, die als Gastarbeiter in Deutschland lebten. „Die damaligen Gastarbeiter sind zwar diskriminiert worden, aber es gab eine geregelte Arbeitswelt mit klaren Rechten und Tarifverträgen“, stellt der Abgeordnete Damiano Valgolio fest und hebt den grundlegenden Wandel des Arbeitsmarktes seitdem hervor.

Die Rückkehr zu den Wurzeln prägt die nachfolgenden Generationen. Vieles von dem, was einst als Herausforderung galt, wird heute mit einem Gefühl des Stolzes betrachtet. Gaetano Foti und seine Familie leben weiterhin in Berlin, pflegen jedoch auch den Kontakt zu ihren Wurzeln in Italien, was zeigt, wie die Migrationserfahrungen der Vergangenheit die gegenwärtige Identität formen.

Bildquelle: Bildquelle: Lera Ginzburg auf Unsplash

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