Wie kam es dazu, dass deutsche Komponenten in russischen Militärdrohnen verbaut werden? In der Nacht zum 25. November 2025 überflogen hunderte russische Kamikaze-Drohnen des Typs Geran-2 die ukrainische Hauptstadt Kyjiw, um die Luftabwehr zu überwältigen und den Weg für ballistische Raketen freizumachen. Bei diesen Angriffen wurden 13 Menschen schwer verletzt und sechs verloren ihr Leben.
Eine bislang weitgehend unbekannte Tatsache ist, dass in einigen dieser Geran-2-Drohnen, die eine russische Variante der iranischen Shahed-136 darstellen, deutsche technologie verbaut ist. Recherchen des rbb|24 legen offen, dass in mindestens drei der über dem ukrainischen Luftraum abgeschossenen Drohnen Kraftstoffpumpen der Rheinmetall-Tochter Pierburg gefunden wurden.
Recherchen und Beweise
Die Grundlage dieser Enthüllungen bilden Bilder und Seriennummern der Pumpen, die der ukrainische Militärgeheimdienst (HUR) zur Verfügung gestellt hat. Diese Informationen stammen außerdem aus öffentlichen Quellen, darunter das Online-Portal „War&Sanctions“ des HUR.
- Kraftstoffpumpen in Trümmern der Geran-2-Drohnen.
- Diese Pumpen stehen auf der Sanktionsliste der EU.
Trotz der Tatsache, dass diese Kraftstoffpumpen nach der EU-Dual-Use-Verordnung keiner exportkontrollrechtlichen Genehmigungspflicht unterliegen, wurden sie seit dem zehnten Sanktionspaket der EU, das im Februar 2023 gegen Russland erlassen wurde, sanktioniert. Dies bestätigte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) auf Anfrage des rbb.
Das Auswärtige Amt betonte, dass mögliche Verstöße deutscher Unternehmen gegen EU-Sanktionen von den zuständigen Behörden konsequent verfolgt werden. Die Bundesregierung pflegt engen Kontakt zur deutschen Industrie, um derartige Ausfuhren zu minimieren.
Position von Rheinmetall
Der Hersteller der Pumpen sieht keine Verantwortung bei sich. Laut einem Sprecher von Rheinmetall wurden Sanktionen der EU stets beachtet, und die betreffenden Produkte seien nicht nach Russland exportiert worden. „Inwiefern zivile Kunden in Drittstaaten die Pumpen möglicherweise nach Russland ausgeführt haben, entzieht sich unserer Kenntnis,“ so die Erklärung. Die Fragen des rbb zur Herkunft und zu Lieferwegen der Pumpen wurden hingegen unbeantwortet gelassen.
Experten wie Mauro Gilli von der Hertie School in Berlin stellen fest, dass Unternehmen anhand von Seriennummern normalerweise zurückverfolgen können, wo und an wen Produkte geliefert wurden.
Ukrainische Perspektive
Die Unkenntnis von Rheinmetall über die Exportwege sorgt bei ukrainischen Vertretern für Unverständnis. Der Policy-Experte Roman Steblivskyi äußerte, dass Länder im Krieg weitaus komplexere Herausforderungen bewältigen müssen, als die Herkunft einzelner Bauteile nachzuvollziehen. Russische Akteure nutzen meist Re-Exportstrukturen, um westliche Komponenten zu beschaffen.
Die technologischen Anforderungen sind immense: Allein im letzten Monat hat Russland 5.447 Geran-2- bzw. Shahed-Drohnen gestartet, wobei die durchschnittliche Startfrequenz bei etwa 182 Drohnen pro Tag liegt. Dies unterstreicht die hohe Nachfrage nach solchen Komponenten in Russlands Kriegsindustrie.
Zusammenfassung
Insgesamt zeigt sich, dass trotz bestehender Sanktionen die Verbindung zwischen deutscher Technologie und russischen Militäreinheiten nicht vollständig unterbunden werden kann. Die Notwendigkeit zur Überwachung von Exporten und deren Nachverfolgbarkeit wird in diesem Kontext immer deutlicher.
Bildquelle: Matthieu Rochette auf Unsplash