„Diese eine Frage stellt sich jeder irgendwann: Wie hoch wird wohl meine Rente ausfallen?“ Die Antwort darauf hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter die Dauer der Erwerbstätigkeit, das erzielte Einkommen sowie persönliche Lebensumstände wie Elternzeit oder Eheschließung. Zudem spielt es eine Rolle, ob man seine berufliche Laufbahn in Ost- oder Westdeutschland verbracht hat.
In den letzten Jahrzehnten sind die durchschnittlichen gesetzlichen Altersrenten in der Region signifikant angestiegen. Dies belegen Daten der Deutschen Rentenversicherung (DRV). rbb|24 hat die Entwicklung der Altersrenten in Brandenburg sowie im West- und Ost-Berlin seit dem Jahr 1992, dem Jahr der Zusammenführung der Rentensysteme, untersucht.
Die Angleichung der Rentenwerte
Von der Wiedervereinigung an wurden wiederholt Erhöhungen der Ost-Renten beschlossen, um das deutlich niedrigere Lohnniveau der ehemaligen DDR schrittweise auszugleichen. Laut DRV wurde dieser Prozess in diesem Jahr abgeschlossen.
Die Länge der Arbeitszeit und das erzielte Einkommen bestimmen, wie viele Entgeltpunkte, die umgangssprachlich häufig als „Rentenpunkte“ bezeichnet werden, zum Zeitpunkt des Renteneintritts angesammelt wurden. Der derzeitige Wert eines Entgeltpunktes beträgt 40,79 Euro, unabhängig von der Region, in der er erworben wurde.
Regionale Unterschiede bei der Rentenentwicklung
Im ehemaligen West-Berlin beziehen Rentner im Jahr 2024 im Durchschnitt 1.130 Euro aus der gesetzlichen Altersrente. Dieser Betrag ist 84 Prozent höher als noch 1992. Es ist zu beachten, dass dabei die Altersrente der gesetzlichen Rentenversicherung berücksichtigt wird, nicht jedoch die Erwerbsminderungsrente oder die Witwenrente, die in der Regel niedrigere Auszahlungen bieten. Bundesweit lag dieser Betrag im vergangenen Jahr bei 1.202 Euro, was einem Anstieg von 107 Prozent seit 1992 entspricht.
In Ost-Berlin und Brandenburg sind die durchschnittlichen Rentenbeträge im gleichen Zeitraum nicht nur stärker gewachsen, sondern es werden auch insgesamt höhere Beträge gezahlt. In Ost-Berlin ist der Durchschnittswert der Altersrente seit 1992 um 179 Prozent gestiegen und lag zuletzt bei 1.433 Euro. In Brandenburg betrug die durchschnittliche gesetzliche Altersrente zuletzt 1.367 Euro, was einem Anstieg von 176 Prozent entspricht.
Besonders betroffene Gruppen
Nach der Wiedervereinigung stiegen insbesondere die Rentenansprüche von ostdeutschen Frauen stark an, beispielsweise in Brandenburg um 195 Prozent. Dies ist vor allem auf ihre Erwerbsbiografien in der DDR zurückzuführen, wie Camille Logeay, Professorin für Volkswirtschaftslehre an der HTW Berlin, erklärt. „Diese Frauen waren im Grunde Vollzeit beschäftigt und hatten eine Erwerbsbiografie ohne Lücken“, so Logeay.
Im Westen hingegen ist der Anteil der Frauen, die länger als 35 Jahre erwerbstätig waren, erheblich niedriger. In den letzten Jahren hat sich jedoch das Erwerbsverhalten von Frauen im Westen den ostdeutschen Frauen angeglichen, so Logeay.
Logeay rechnet nicht damit, dass der starke Anstieg der Altersrenten für Männer und Frauen im Osten weiterhin anhält. In den kommenden Jahren werden sich die wirtschaftlichen Veränderungen seit der Wiedervereinigung auch in den Renten widerspiegeln. „Wir hatten im Osten von den neunziger Jahren bis zu den Nuller Jahren eine hohe Arbeitslosigkeit. Diese Lücken in den Erwerbsbiografien werden sich bemerkbar machen“, meint sie.
Besonders gut schneiden Rentner in Potsdam und Cottbus sowie in den umliegenden Gemeinden des Berliner Speckgürtels wie Eichwalde, Hoppegarten, Panketal oder Zeuthen ab. Im Gegensatz dazu erhalten Senioren in vielen Regionen des Havellands, der Prignitz und der Uckermark tendenziell die niedrigsten Rentenzahlungen.
Obwohl sich die Rentenwerte in Ost- und Westdeutschland mittlerweile angeglichen haben, bleibt ein wichtiger Unterschied bestehen: Die Gehälter in Ostdeutschland sind weiterhin etwa 15 Prozent niedriger als im Westen, wie die Bundesregierung berichtet. Dieser Unterschied wird sich bei zukünftigen Rentnergenerationen bemerkbar machen. Die Frage nach der Höhe der Rente wird künftig vor allem durch das erzielte Gehalt bestimmt.
*Sendung: rbb|24, 22.12.2025, 06:10 Uhr*
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