„Tatsächlich noch gar nicht“, erklärt Joyce Hübner auf die Frage, ob sie ihr Vorhaben, 495 Marathons an 495 aufeinanderfolgenden Tagen zu absolvieren, bereits infrage gestellt habe. Die 37-jährige Ultra-Läuferin aus Berlin äußert sich im Gespräch mit Anton Fahl zu den physischen und mentalen Belastungen ihrer außergewöhnlichen Initiative. Ihr Ziel ist es, alle 2.059 deutschen Städte im Laufschritt zu passieren.
Dauerbelastung und mentale Anforderungen
Die Sportlerin, die bereits 2023 mit 120 Marathons entlang der deutschen Grenze beeindruckte, befindet sich aktuell in einer Phase hoher körperlicher Beanspruchung. Zum Zeitpunkt des Interviews hatte sie den 184. Marathon ihrer aktuellen Serie beendet. Beschwerden wie „wackelpuddingartige Beine“ am Abend und das Auftreten kleinerer Schmerzpunkte kennzeichnen ihren Alltag. Darüber hinaus stellt die konstante Interaktion mit ihrer Unterstützergemeinschaft eine besondere Herausforderung dar. Obwohl die tägliche Begleitung durch „wildfremde Menschen“ als positiv wahrgenommen wird, erfordert der wiederholte Prozess des Kennenlernens erhebliche mentale Energie. Aus diesem Grund hat sich Hübner dazu entschlossen, zukünftig einen „teilnehmerfreien Tag“ einzuführen, um Gelegenheiten für unbegleitete Läufe zu schaffen.
Widerstandsfähigkeit bei extremen Bedingungen
Die äußeren Bedingungen, wie beispielsweise niedrige Temperaturen nahe minus sechs Grad, beeinflussen die Leistungsfähigkeit, jedoch nicht die grundlegende Motivation der Läuferin. Hübner betont, dass das klare Ziel ihr Antrieb bleibt. Die Kälte erfordert jedoch eine erhöhte Energiebereitstellung des Körpers zur Aufrechterhaltung der Kerntemperatur, was zu einer temporären Unterdrückung von Hunger- und Durstgefühlen führen kann. Trotzdem ist eine disziplinierte Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme während der Läufe unerlässlich. Bislang kommt die Athletin nach eigenen Angaben gut mit den winterlichen Verhältnissen zurecht.
Wachsendes Interesse am Laufsport und persönliche Reflexion
Hübner beobachtet eine zunehmende Popularität des Laufsports, insbesondere bei jüngeren Generationen, und sieht sich selbst als Vorbild. Sie möchte aufzeigen, dass die eigenen Grenzen oft weiter entfernt liegen, als angenommen. Gleichzeitig mahnt sie zur Vorsicht und betont die Notwendigkeit, eine gesundheitliche Schädigung zu vermeiden. Sie hebt hervor, dass ihre langjährige Erfahrung ihr eine realistische Einschätzung ihrer eigenen Belastbarkeit ermöglicht. Die Berlinerin betont die Wertschätzung für jede Form der sportlichen Aktivität, selbst für das Laufen von Fünf-Kilometer-Strecken, da Laufen generell nur einen kleinen Teil der Weltbevölkerung betreffe. Mit Blick auf den bevorstehenden Jahreswechsel formuliert Joyce Hübner ihre Vorsätze: gesund zu bleiben, die Freude am Laufen zu bewahren und sich selbst im Rahmen des Projekts nicht zu verlieren. Ihr übergeordnetes Ziel ist es, die Challenge erfolgreich zu beenden und im Oktober in Berlin den Abschluss zu feiern.
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