Bauministerkonferenz in Berlin: Barrierefreies Bauen im Fokus
„Barrierefreiheit ist keine Frage der Kosten, sondern eine essentielle Investition in die Teilhabe“, erklärte Christine Braunert-Rümenapf, die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen in Berlin, während der Bauministerkonferenz, die am 10. und 11. September in der Hauptstadt stattfand. Die Konferenz brachte Vertreter der Konferenz der Beauftragten aus Bund und Ländern für die Belange von Menschen mit Behinderungen (KBB) zusammen, um konkrete Maßnahmen für barrierefreies Bauen und Wohnen zu erörtern.
Wichtige Impulse für die Baupolitik
Christine Braunert-Rümenapf wies darauf hin, dass Barrierefreiheit häufig fälschlicherweise als Kostentreiber wahrgenommen wird. „Wenn Barrierefreiheit von Beginn an in die Planung einfließt, sind die zusätzlichen Baukosten minimal“, so Braunert-Rümenapf. Sie betonte die Potenziale des seriellen und modularen Bauens sowie des Gebäudetyp E, um die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. „Die Folgekosten, die durch fehlende Barrierefreiheit entstehen, werden auf die Pflege- und Sozialkassen abgewälzt, was letztlich die Allgemeinheit belastet“, fügte sie hinzu. Sie sieht in der Schaffung barrierefreier Wohnungen eine Möglichkeit, teure nachträgliche Umbauten und vorzeitige Heimunterbringungen zu vermeiden.
Senator Gaebler: Barrierefreiheit als Teil der Stadtentwicklung
Christian Gaebler, Berlins Senator für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie Vorsitzender der Bauministerkonferenz, unterstrich die Notwendigkeit, bezahlbaren Wohnraum zu sichern und gleichzeitig die Bauprozesse zu vereinfachen. „Barrierefreies Bauen muss von Anfang an in unsere Planungen einfließen. Der Austausch mit der KBB ist dabei von großer Bedeutung“, sagte Gaebler.
Aktuelle Situation und zukünftige Herausforderungen
Derzeit sind weniger als zwei Prozent der rund 37 Millionen Wohnungen in Deutschland barrierefrei. Laut einer Berechnung des Instituts der Deutschen Wirtschaft besteht im Jahr 2023 eine Versorgungslücke von mindestens 2,1 Millionen barrierefreien Wohnungen. Angesichts der demografischen Entwicklung wird der Bedarf bis 2040 auf mindestens 3,2 Millionen ansteigen, da die Zahl der über 67-Jährigen rapide zunimmt. Eine Studie aus dem Jahr 2017 zeigte, dass die Mehrkosten für Barrierefreiheit im Neubau lediglich bei etwa einem Prozent liegen, wenn diese von Anfang an eingeplant wird. Die Hauptkostentreiber sind hingegen Grundstückspreise, allgemeine Bau- und Materialkosten sowie langwierige Genehmigungsverfahren.
Die finanziellen Folgen unzureichender Barrierefreiheit sind erheblich. Wenn Menschen aufgrund ungeeigneter Wohnverhältnisse in Pflegeeinrichtungen umziehen müssen, entstehen im ersten Jahr Kosten von etwa 3.245 Euro pro Monat, die häufig vom Sozialamt getragen werden. Zudem steigen die Gesundheitskosten, da ungeeigneter Wohnraum das Risiko von Stürzen und Verletzungen erhöht. Eine Anpassung des Wohnraums kann hingegen zu einem signifikanten Rückgang dieser Risiken führen.
Weiterführende Informationen
Das Themenblatt der KBB steht auf der Website der Landesbeauftragten für Menschen mit Behinderungen zum Download bereit. Bildmaterial kann auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden.
Für weitere Informationen steht Ihnen Frau Miriam Grünz von der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung zur Verfügung. Sie erreichen sie per E-Mail unter lfb@senasgiva.berlin.de oder telefonisch unter (030) 9028 2838.
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Quellen: berlin.de, Süddeutsche Zeitung, tagesschau
Bildquelle: Hedieh Rouhi auf Pexels
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