Wie steht es um die Schneelage für die Rodler in Berlin? Mit gemischten Gefühlen blicken viele auf den ersten „Corona-Winter“ 2020/2021 zurück, als die Hauptstadt im Lockdown war. Während Geschäfte und Gastronomie meist geschlossen blieben, brachte kräftiger Schneefall im Februar eine tagelange Schneedecke. Diese Situation bot den Berliner Rodlerinnen und Rodlern einen willkommenden Lichtblick in tristen Zeiten.
Mont Klamotts: Beliebte Rodelspots in der Hauptstadt
Die Vielzahl der Rodelmöglichkeiten in der Hauptstadt ist vor allem das Ergebnis umfangreicher Aufräumarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg. In den verschiedenen Bezirken wurden „Trümmerberge“ aufgeschüttet, aus denen sich Erhebungen wie der Insulaner in Schöneberg, die Oderbruchkippe in Prenzlauer Berg oder der Teufelsberg im Grunewald entwickelten. Diese Hügel, umgangssprachlich als „Mont Klamott“ bezeichnet – eine Mischung aus dem französischen Begriff für „Berg“ und dem berlinerischen Wort für „Schutt“ – erfreuen sich bei den Berliner Rodlern großer Beliebtheit.
Rückgang der Schneetage
In den letzten Jahren vermissen die Rodler jedoch ein wesentliches Element: Schnee. Bis etwa 1950 zählte Berlin im Durchschnitt 40 Schneetage pro Jahr. Laut dem Meteorologen Henning Rust von der Freien Universität Berlin sei diese Zahl jedoch deutlich gesunken. „Aktuell liegt der Mittelwert bei nur noch 15 Schneetagen, wobei es weiterhin erhebliche jährliche Schwankungen gibt“, erklärte Rust. Zudem könne es Winter geben, in denen keinerlei Schneefall verzeichnet wird.
Herausforderungen für den Wintertourismus
Die meteorologischen Gegebenheiten Berlins tragen nicht zu einer stabilen Schneelage bei. Der kontinentale Klimaeinfluss sorgt zwar für kalte Temperaturen, jedoch ist der Niederschlag in den Wintermonaten begrenzt. Der Ostwind bringt Kälte, jedoch kaum Feuchtigkeit, die für Schneefall notwendig ist. „Eine Wetterlage, in der kalte Luft über der Ostsee Feuchtigkeit aufnehmen kann, wäre ideal für Schneefall“, meinte Rust.
Teufelsberg: Ein Ort mit Geschichte
Der Teufelsberg, einst Berlins bekanntester Wintersportort mit eigenem Skilift und Schneekanonen, wird in den letzten Jahren weniger frequentiert. „Wir haben in den letzten Wintern vielleicht zwei bis dreimal Schnee gehabt“, berichtete Nico Brodersen von der Teufelsberg GmbH. Die Verantwortlichen planen, neue Veranstaltungen zu initiieren, um den Berg auch im Winter zu beleben, jedoch ist eine Rückkehr zu Beschneiungsanlagen aus Kostengründen nicht vorgesehen.
Wirtschaftliche Ausblicke für Gastronomie und Tourismus
Die Gastronomie in der Umgebung hat sich ebenfalls auf die veränderten Bedingungen eingestellt. Viele Eigentümer haben die Hoffnung auf Schnee aufgegeben, was die Planung von Winter-Events betrifft. Sebastian, ein Küchenchef im beliebten Rodelort Volkspark Prenzlauer Berg, bemerkte, dass es nur selten zu Rodelbetriebstagen kommt, dennoch bleibt sein Lokal aufgrund anderer Attraktionen gut besucht.
Prognosen für die Zukunft der Schneesportarten
Die Vorhersagen für die kommenden Winter sind wenig vielversprechend. Rust prognostizierte, dass sich die Temperaturen in den nächsten 30 Jahren weiter erhöhen werden. Es ist somit mit seltenerem Schneefall zu rechnen, was die Bedingungen für Rodler in Berlin erheblich erschwert. „Ich würde gegenwärtig nicht mehr in den Wintersport investieren“, antwortete Rust auf die Frage nach der zukünftigen Entwicklung.
Zusammengefasst bleibt festzuhalten, dass die Berliner Rodler in den nächsten Jahren wohl zunehmend mit weniger Schneetagen rechnen müssen und jeder einzelne Schneetag von Bedeutung ist.
Bildquelle: Bildquelle: Mikhail Nilov auf Pexels