Der Berliner AK (BAK) hat sich nach einer fast existenziellen Krise im Jahr 2023 zu einer bemerkenswerten Talentschmiede entwickelt. Mit einem innovativen Nachwuchskonzept, das auf die Förderung eigener Spieler setzt, hat der Oberligist nicht nur seine Finanzen saniert, sondern auch bundesweite Aufmerksamkeit erregt. Der jüngste Transfer eines U19-Spielers zu Borussia Mönchengladbach unterstreicht die neue Ausrichtung des Vereins.
Schlüsselbotschaften
- Der Berliner AK stand 2023 kurz vor der Insolvenz, konnte diese aber abwenden.
- Ein neues Nachwuchskonzept, das "Local Player Project", setzt zu 75 Prozent auf eigene Talente.
- Der Transfer von U19-Stürmer Iaia Manco Danfa zu Borussia Mönchengladbach brachte eine sechsstellige Ablösesumme ein.
- Der Verein plant, weiterhin auf junge Spieler zu setzen und das damit verbundene Risiko einzugehen.
Vom Abgrund zur Talentschmiede
Vor etwas mehr als zwei Jahren, im Juni 2023, stand der Berliner AK am Rande des finanziellen Ruins. Der damalige Präsident und Mäzen Mehmet Ali Han zog sich zurück, und sein Stellvertreter Burak Isikdaglioglu riet sogar zur Schließung des Vereins. Über 400 junge Fußballer hätten sich damals einen neuen Verein suchen müssen. Isikdaglioglu übernahm als Notvorstand und schaffte es, die Insolvenz trotz eines sechsstelligen Schuldenbergs abzuwenden. Heute ist der Verein nahezu schuldenfrei.
Das "Local Player Project"
Seit Juni 2024 treibt der neue Präsident Halil Kopal das "Local Player Project" voran. Dieses Konzept sieht vor, dass 75 Prozent des Kaders der Oberliga-Mannschaft aus Spielern des eigenen Nachwuchses bestehen. Ziel ist es, jungen Talenten eine Perspektive zu bieten, die in den Nachwuchsleistungszentren (NLZ) von Profivereinen keine Chance erhalten. Gleichzeitig soll die Identifikation mit dem Verein gestärkt werden. Dieses Vorhaben wird durch ein etabliertes Netzwerk von Beratern und gezieltes Scouting auf Berliner Fußballplätzen unterstützt.
Der Transfercoup Iaia Manco Danfa
Der erste große Erfolg dieses Konzepts war der Wechsel des U19-Stürmers Iaia Manco Danfa zu Borussia Mönchengladbach im vergangenen Sommer. Danfa, der aus Guinea-Bissau stammt, erzielte in seiner ersten A-Jugend-Saison 31 Tore und weckte das Interesse zahlreicher europäischer Vereine. Nach gescheiterten Verhandlungen im Winter einigte sich der BAK schließlich mit Gladbach. Die erzielte sechsstellige Ablösesumme, ergänzt durch Boni, war entscheidend für die Schuldentilgung des Vereins. Zusätzlich profitiert der BAK von DFB-Prämien für die Ausbildung von Spielern, wie im Fall von Winners Osawe, der für den 1. FC Nürnberg debütierte und dem BAK 28.500 Euro einbrachte.
Blick in die Zukunft: Risiko und Belohnung
Der BAK sieht sich durch diese Erfolge bestätigt und plant, diesen Weg konsequent fortzusetzen. "Wir werden weiter das volle Risiko eingehen. Denn wir sehen gerade, wie viel Geld reinkommt durch die Ausbildung junger Talente", erklärt Isikdaglioglu. Neben Danfa gibt es weitere vielversprechende Talente wie Yasin Abdul-Hamid, Andriy Prokazyuk und Bright Ukwuoma, die das Potenzial für eine Profikarriere haben. Der Verein investiert auch in seine Infrastruktur und strebt eine Lizenzierung als NLZ an, auch wenn die finanziellen Hürden dafür hoch sind. Eine besondere Herausforderung bleibt der Klassenerhalt der Oberliga-Mannschaft, da ein Abstieg die Talente abschrecken könnte. Dennoch hält der BAK an seinem Nachwuchskonzept fest, da es sich wirtschaftlich auszahlt und den Verein auf gesunde Füße stellt.