Bodenuntersuchungen für drei neue "Stromautobahnen" unter Berlin beginnen im Februar 2026. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz plant, die Transportkapazitäten für erneuerbare Energien durch den Bau von drei unterirdischen Höchstspannungsleitungen zu erhöhen. Diese umfangreichen Maßnahmen sollen schrittweise ab 2030 umgesetzt werden und die Stromversorgungssicherheit der Hauptstadt langfristig sichern.
Key Takeaways
- Ground investigations for three major underground power lines in Berlin are set to commence in February 2026.
- The project, led by transmission system operator 50Hertz, aims to significantly increase the capacity for renewable energy transport.
- Construction of the "power highways" is planned to begin gradually from 2030 onwards.
- The investigations will cover hundreds of plots across seven districts, with a focus on soil composition, groundwater, and historical unexploded ordnance.
- Property owners must permit these investigations but are entitled to compensation for any damages.
Extensive Ground Investigations Across Berlin
Die geplanten Bodenuntersuchungen sind ein entscheidender erster Schritt für den Bau von drei neuen "Stromautobahnen" mitten durch Berlin. Der ostdeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat angekündigt, dass diese Vorarbeiten im Februar 2026 starten werden. Ziel ist es, die Transportkapazitäten für Strom, insbesondere aus erneuerbaren Energiequellen, deutlich zu erhöhen. Die eigentlichen Bauarbeiten für die neuen Leitungen sollen dann schrittweise ab dem Jahr 2030 beginnen.
Die Untersuchungen betreffen Hunderte von Grundstücken in sieben Berliner Bezirken, darunter Lichterfelde, Steglitz, Mitte, Pankow, Reinickendorf und Malchow, mit einer besonderen Konzentration in Spandau. Die Ingenieure von 50Hertz müssen detaillierte Informationen über die Bodenbeschaffenheit, Grundwasserstände und die Tragfähigkeit des Untergrunds gewinnen. Zu den Methoden gehören Drucksondierungen und Erkundungsbohrungen bis zu einer Tiefe von 50 Metern. Vor jeder Bohrung wird zudem nach Bomben und Munition aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht.
Legal Framework and Property Rights
Die rechtliche Grundlage für diese Voruntersuchungen bildet das Energiewirtschaftsgesetz. Dieses Gesetz ermächtigt Netzbetreiber wie 50Hertz, Grundstücke zu betreten, um notwendige Vorarbeiten durchzuführen. Voraussetzung ist die rechtzeitige Veröffentlichung im Amtsblatt für Berlin. Grundstückseigentümer müssen diese Untersuchungen dulden, haben jedoch Anspruch auf Entschädigung, falls durch die Arbeiten Schäden entstehen.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Ergebnisse dieser Bohrungen und Untersuchungen noch nicht die endgültige Trassenführung festlegen. Sie fließen in die weitere Planung ein, und die endgültige Entscheidung über den Verlauf der Leitungen wird erst durch einen Planfeststellungsbeschluss getroffen.
The Three "Power Highway" Projects
Das Vorhaben umfasst drei Hauptprojekte:
- Erweiterung der Kabeldiagonale Berlin: Dieses Projekt erstreckt sich vom Nordwesten der Stadt bis nach Marzahn. Ein neues Teilstück zwischen den Umspannwerken Reuter und Teufelsbruch in Berlin-Hakenfelde soll rund sechs Kilometer lang sein und in bis zu 40 Metern Tiefe verlegt werden. Ein Tunnel mit einem Durchmesser von etwa vier Metern wird dafür gebohrt. Diese neue Trasse ersetzt eine bestehende und soll die Kapazität um rund 40 Prozent erhöhen.
- Kabelvertikale Berlin Süd: Diese geplante Leitung soll als 14 Kilometer langer Tunnel realisiert werden. Der Startschacht wird sich in Brandenburg, nahe der Berliner Stadtgrenze in Großbeeren, befinden.
- Kabelvertikale Berlin Nord: Diese neue Leitung wird rund 20 Kilometer lang sein, wovon 17 Kilometer unterirdisch verlaufen sollen. Sie beginnt am Umspannwerk Reuter, verbindet ein neues Umspannwerk im Suchraum Tegel und endet am Umspannwerk in Malchow.
Die neuen Leitungen sollen ab 2036 in Betrieb genommen werden, und der Abschluss aller Bauarbeiten ist für Ende der 2030er Jahre geplant. Über die genauen Baukosten liegen noch keine Informationen vor.
Growing Demand and Network Expansion
Der Strombedarf in Berlin steigt stetig, angetrieben durch die wachsende Einwohnerzahl, die zunehmende Elektromobilität, den Einsatz von Wärmepumpen und die fortschreitende Digitalisierung. Ohne einen Ausbau der Stromnetze droht laut Bundesnetzagentur ab 2030 eine Versorgungslücke, insbesondere aufgrund fehlender Netzkapazitäten und einer geringeren Anzahl grundlastfähiger Kraftwerke. Dies würde Berlin anfälliger für längere und großflächige Stromausfälle machen.
Kritiker, wie der Bund Naturschutz, äußern jedoch Bedenken hinsichtlich des Ausmaßes des geplanten Netzausbaus und fordern stattdessen dezentralere Lösungen mit mehr lokalem Ökostromausbau, wie beispielsweise Solardächer. Es gibt auch die Sorge, dass die Planungen eher auf die Erträge der Netzbetreiber als auf den tatsächlichen Bedarf ausgerichtet sein könnten.