Das ambitionierte "Reallabor Radbahn" in Berlin-Kreuzberg, das eine neun Kilometer lange Radstrecke unter dem Viadukt der U1 vorsah, ist nach Ablauf der Projektfinanzierung in der Warteschleife gelandet. Ein 200 Meter langer Testabschnitt, der einst als Vorreiter für eine moderne Radinfrastruktur gedacht war, wird kaum genutzt und wirft Fragen nach der Zukunft des Projekts auf.
Ein Kurzer Testlauf mit Langzeitfolgen
Das "Reallabor Radbahn" war ein fünfjähriges Förderprojekt, das mit 3,7 Millionen Euro von Bund und Land Berlin finanziert wurde. Ziel war es, eine innovative Radverkehrsführung unter dem U-Bahn-Viadukt zu erproben. Architekt Matthias Heskamp, ehemaliger Co-Geschäftsführer des Projekts, kümmert sich auch nach Ende der Finanzierung ehrenamtlich um den kurzen Testabschnitt, der nun dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg übergeben wurde.
- Kaum genutzt: Die 200 Meter lange Teststrecke wird von Radfahrern kaum angenommen. Viele bevorzugen die holprigen Wege auf den Gehwegen daneben.
- Hohe Kosten: Kritiker bemängeln die hohen Kosten des Projekts im Verhältnis zum geringen Nutzen.
- Vision gestoppt: Die ursprüngliche Vision einer neun Kilometer langen Radbahn vom Schlesischen Tor bis zum Ku’damm ist aufgrund der hohen Kosten und fehlender Finanzierung vorerst auf Eis gelegt.
Ernüchternde Realität und Zukunftsängste
Obwohl die Evaluation des Testfeldes positive Ergebnisse hinsichtlich der Sicherheit und des Fahrgefühls zeigte, sind die praktischen Hürden immens. Anwohner kritisierten den Verlust von Parkplätzen, und Fußgänger fühlten sich durch schnelle Radfahrer gestört. Matthias Heskamp betont jedoch, dass die Baukosten des Testabschnitts nur einen Bruchteil der Gesamtfördersumme ausmachten und die restlichen Mittel für Studien, Abstimmungen und Öffentlichkeitsarbeit verwendet wurden.
Politische und Finanzielle Hürden
Sowohl die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz als auch der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg haben die weitere Planung des Projekts vorerst zurückgestellt. Als Hauptgründe werden die hohen Kosten und die fehlenden finanziellen sowie personellen Kapazitäten genannt. Derzeit wird gespart, und wegweisende Projekte wie die Radbahn landen auf der "Wartespur".
Ein Blick in die Zukunft?
Obwohl vieles vom Testfeld bereits zurückgebaut wurde, gibt sich Matthias Heskamp kämpferisch. Er glaubt fest daran, dass die Vision der Radbahn zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgegriffen wird, wenn die Dringlichkeit durch den Klimawandel oder andere Faktoren offensichtlicher wird. Derzeit heißt es für das Projekt: Warten auf den richtigen Zeitpunkt und die nötigen finanziellen Mittel, um den ersten Schritt in eine potenziell fahrradfreundlichere Zukunft Berlins zu wagen.