Ab Montag herrscht Hochspannung auf der neu gebauten Dresdner Bahn im Berliner Süden. Obwohl die Strecke erst im Dezember für den regulären Zugverkehr freigegeben wird, sind die Oberleitungen bereits unter Strom gesetzt. Dies dient umfassenden Tests, die vor der Inbetriebnahme unerlässlich sind, wie die Deutsche Bahn erklärt.
Wichtige Punkte
- Die Oberleitungen der Dresdner Bahn zwischen Südkreuz und Blankenfelde sind ab sofort unter 15.000 Volt Spannung.
- Die Inbetriebnahme der Strecke ist für Dezember geplant.
- Die Bahn warnt eindringlich vor Lebensgefahr bei Annäherung an die Anlagen.
Testphase unter Strom
Die Gleise der Dresdner Bahn, die sich von Berlin Südkreuz bis nach Blankenfelde (Teltow-Fläming) erstrecken, werden ab Montag unter einer Spannung von 15.000 Volt stehen. Diese Maßnahme ist Teil der umfangreichen Testphase, die vor der offiziellen Eröffnung im Dezember stattfindet. "In den nächsten Wochen müssen jede Menge Tests durchgeführt werden. Loks werden die Strecke testweise entlangfahren, die Oberleitung und zwei neue elektronische Stellwerke müssen in das bestehende System integriert werden – das sind alles komplizierte Vorgänge und das dauert. Deshalb wird die Oberleitung jetzt schon scharfgeschaltet", erläuterte ein Bahnsprecher. Während dieser Phase werden Lokomotiven die Strecke befahren und die Funktionalität der Oberleitung sowie der neuen elektronischen Stellwerke überprüft und in das bestehende Netz integriert.
Lebensgefahr durch Hochspannung
Die Deutsche Bahn warnt eindringlich vor den Gefahren, die von der Hochspannung ausgehen. Die vorhandene Spannung ist 65-mal höher als die einer handelsüblichen Steckdose. Hinzu kommt eine Stromstärke von bis zu 1.000 Ampere, während eine Haushalts-Sicherung bereits bei 16 Ampere auslöst. Eine Annäherung von weniger als drei Metern an die abgesperrten Oberleitungsanlagen kann tödlich sein. Dies gilt auch für den Umgang mit Gegenständen wie Drachen oder Wasserschläuchen in der Nähe der Bahnanlagen. Selbst 50 Volt aus einer Steckdose können bei direktem Kontakt lebensgefährlich sein. Ein Kontakt mit der Oberleitung kann zu Verbrennungen mit Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius führen, was Herz- und Atemstillstand sowie schwere Knochenbrüche zur Folge haben kann. Die Bundespolizei betont, dass Stromschläge mit solch hohen Spannungen in der Regel tödlich enden.
Lichtbögen und Sicherheitsabstand
Die elektrische Spannung von 15.000 Volt ist so hoch, dass der Strom durch die Luft auf den menschlichen Körper überspringen kann – ein sogenannter Lichtbogen. Aus diesem Grund fordern die Bundespolizei und die Deutsche Bahn einen Sicherheitsabstand von mindestens 1,5 Metern zur Oberleitung. Die Statistiken der Bundespolizei zeigen, dass Unfälle mit Oberleitungen häufig durch das Klettern auf Waggons, Züge oder Strommasten zur Aufnahme von Fotos oder Videos verursacht werden, oft durch Kinder und Jugendliche. Diese Unfälle enden nicht selten tödlich oder mit schwersten, lebenslangen Verletzungen.
Die Dresdner Bahn: Ein Ausblick
Die neue Dresdner Bahn verspricht eine deutliche Verbesserung des öffentlichen Nah- und Fernverkehrs. Sie soll Geschwindigkeiten von bis zu 200 km/h ermöglichen, die Fahrzeit zum Flughafen BER auf 20 Minuten verkürzen und eine Anbindung nach Dresden in weniger als zwei Stunden bieten. Trotz der langen Planungs- und Bauzeit steht die Strecke nun kurz vor der Inbetriebnahme.