Der Flughafenverband ADV hat Bedenken hinsichtlich der zukünftigen Entwicklung des Hauptstadtflughafens BER geäußert. Hintergrund ist der geplante Bau eines neuen großen Flughafens in der Nähe von Warschau, der bis 2032 in Betrieb gehen soll und jährlich bis zu 40 Millionen Passagiere abfertigen kann.
Die Entfernung von etwa 500 Kilometern zwischen Warschau und dem BER könnte dazu führen, dass viele Reisende künftig direkt von dem neuen polnischen Flughafen abfliegen, anstatt den Berliner Flughafen zu nutzen. Dies könnte die Nachfrage nach Verbindungen zum BER erheblich reduzieren. Zudem plant die polnische Fluggesellschaft LOT, ihr Angebot auszubauen, was die Konkurrenz für den BER weiter verstärken würde.
Wettbewerbsdruck für den BER
Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des ADV, hat die möglichen negativen Auswirkungen auf die Region Berlin-Brandenburg hervorgehoben. Er betont, dass der neue Flughafen in Polen den Wettbewerbsdruck auf den BER erhöhen wird. Beisel äußerte, dass ohne wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen der Flughafen mit einem Rückgang der Verbindungen, einem geringeren Wachstum und langfristigen Nachteilen für die Wirtschaft, den Tourismus und die internationale Anbindung rechnen müsse.
Ein zentrales Problem sind die hohen Standortkosten in Deutschland, die im Vergleich zu Warschau deutlich höher sind. Diese Kosten umfassen staatliche Abgaben, Gebühren wie die Luftverkehrsteuer sowie Sicherheits- und Flugsicherungskosten. Laut Beisel machen die Flughafenentgelte selbst nur einen kleinen Teil der Gesamtkosten für Fluggesellschaften aus.
Aktuelle Herausforderungen für deutsche Flughäfen
Der ADV-Hauptgeschäftsführer weist darauf hin, dass derzeit kein deutscher Flughafen in der Lage ist, kostendeckende Entgelte am Markt durchzusetzen. Dies führt dazu, dass Fluggesellschaften ihre Kapazitäten in günstigere Märkte verlagern. Ein Beispiel dafür ist die irische Fluggesellschaft Ryanair, die kürzlich ihre Flüge von Berlin aus erheblich reduziert hat.
Beisel fordert eine grundlegende Änderung der staatlich bedingten Standortkosten, um die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands im internationalen Luftverkehr zu sichern. Er betont, dass der Wettbewerb nicht nur am Flughafen, sondern auch in der Standortpolitik entschieden wird.
Quellen: t-online, Airliners, Klamm, Radiobochum
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Bildquelle: Hedieh Rouhi auf Pexels