Der Falling Walls Science Summit in Berlin rückte dieses Jahr die Schnittstelle zwischen Forschung und Verteidigung in den Fokus. Angesichts der aktuellen geopolitischen Lage stieß die Diskussion über sicherheitsrelevante Forschung auf großes Interesse. Die Veranstaltung beleuchtete die wachsende Bedeutung von Rüstungs-Startups und die Notwendigkeit, militärische Forschung nicht als Tabu zu betrachten.
Key Takeaways
- Die Nachfrage nach sicherheitsrelevanter Forschung und Entwicklung, insbesondere im Bereich Drohnen und künstliche Intelligenz, ist stark gestiegen.
- Es gibt eine Debatte darüber, ob wissenschaftliche Freiheit den Ausschluss militärischer Forschung rechtfertigen sollte.
- Startups im Rüstungsbereich fordern mehr Investitionen und schnellere Kooperationsmöglichkeiten mit der Bundeswehr.
- Berliner Hochschulen stehen vor der Herausforderung, ihre Zivilklauseln im Lichte neuer sicherheitspolitischer Realitäten zu überdenken.
Die neue Relevanz der Verteidigungsforschung
Die diesjährige Konferenz "Falling Walls Science Summit" in Berlin verzeichnete ein außergewöhnlich hohes Interesse an Podiumsdiskussionen zur "Innovation for Defence". Während Themen wie Alzheimer-Forschung ebenfalls gut besucht waren, zog die "Innovation for Defence"-Bühne besonders viele Besucher an, was die gestiegene Relevanz des Themas unterstreicht. Andreas Kosmider, CEO der Falling Walls Foundation, bestätigte diese Dynamik und hob hervor, wie wichtig es geworden ist, über Dual-Use-Forschung offen zu sprechen.
"Krieg der billigen Systeme"
Die sicherheitspolitische Lage in Europa, insbesondere der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, hat die moderne Kriegsführung verändert. Johannes Boie von Helsing, einem führenden Startup im Bereich Drohnen und KI, beschrieb dies als "Krieg der billigen, massenproduzierbaren Systeme gegen alte, teure Plattformen". Er betonte, dass Drohnensysteme, die "die Artillerie der Zukunft" darstellen, in der Beschaffung von militärischer Hardware eine größere Rolle spielen müssen.
Hightech oder Hype?
Trotz des Hypes um Rüstungs-Startups stehen Unternehmen wie Helsing und Quantum Systems auch in der Kritik. Berichte über überhöhte Preise für Drohnen und Unklarheiten bezüglich der "Drohnenwand" an Europas Ostflanke werfen Fragen nach dem tatsächlichen Nutzen und den Kosten auf. Susanne Wiegand von Quantum Systems fordert daher mehr Handlungsspielräume für die Bundeswehr, um direkter und schneller mit Startups zusammenarbeiten zu können, um "auszuprobieren, zu lernen und zu verbessern".
Wissenschaftsfreiheit vs. Militärische Forschung
Die Diskussion um die Einbindung militärischer Forschung an Hochschulen ist besonders in Berlin brisant. Während in Bayern eine gesetzliche Verankerung der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und dem Militär existiert, hat die Technische Universität Berlin seit den 1990er Jahren eine Zivilklausel, die rüstungsrelevante Forschung ausschließt. CDU-Politiker Roderich Kiesewetter plädiert dafür, dass militärische Forschung kein Tabu mehr sein dürfe und "Wissenschaftsfreiheit nicht zum Ausschluss des Militärischen führen" dürfe. Er argumentiert, dass Technologien aus der Verteidigungsforschung, wie Drohnenabwehr oder Satellitenkommunikation, auch zivile Schutzfunktionen haben und Berlin als Hauptstadt eine besondere Verantwortung für den Schutz vor äußeren Bedrohungen trage.