Immer mehr Berliner Gastronomen überdenken die Übertragung von Fußballspielen in ihren Lokalen. Gestiegene Kosten für Pay-TV-Abos von Anbietern wie Sky und DAZN sowie der hohe organisatorische Aufwand machen die Übertragungen für viele Kneipen unwirtschaftlich. Einige haben bereits reagiert und ihre Abos gekündigt, während andere versuchen, die Kosten durch zusätzliche Gebühren auf die Gäste umzulegen.
Hohe Kosten und komplizierte Rechtepakete
- DAZN-Abo für Gastronomie: 399 Euro pro Monat plus eine einmalige Gebühr von 60 Euro pro Fernseher für die notwendige TV-Box.
- Sky-Preise: Individuell pro Kneipe berechnet, abhängig von Größe und Lage.
- Gestiegene Kosten: Sky hat seine Preise aufgrund allgemein gestiegener Kosten erhöht.
Kneipen ziehen die Reißleine
Das Berliner Lokal Soulcat hat sein DAZN-Abo gekündigt, da sich das Paket mit den neuen Übertragungsrechten für sie nicht mehr lohnte. "Da DAZN den monatlichen Betrag ab dieser Saison trotz der wegfallenden Freitagsspiele nicht reduzieren wollte, haben wir uns entschlossen, DAZN zu kündigen", erklärt Inhaber Jan Sawallisch.
Die Spener Stuben in Moabit sind noch einen Schritt weiter gegangen und bieten gar keine Pay-TV-Übertragungen mehr an. Geschäftsführer Bernd Stumpf hat seine Sky-Lizenz nicht verlängert. Er beklagt den immensen bürokratischen und organisatorischen Aufwand durch die häufigen Anbieterwechsel und unterschiedlichen Rechtepakete in den letzten Jahren.
Neue Modelle und Herausforderungen
Die Magnet Bar in Berlin-Mitte zahlt für Sky und DAZN zusammen über 1.200 Euro im Monat. Geschäftsführer Andreas Sürken sieht hierin eine Herausforderung, aber auch eine Notwendigkeit, da die Kneipe stark mit Fußball und Sportübertragungen verbunden ist. Um die Kosten zu decken, verlangt er von jedem Gast zwei Euro "Eintritt" an Spieltagen. Dieses Modell nutzen auch andere Berliner Kneipen wie Tante Käthe oder die Intertank.
Sürken betont jedoch, dass Fußballübertragungen nur noch für eine bestimmte Gruppe von Kneipen lukrativ sind: solche mit zentraler Lage, Bekanntheit als Sportsbar und einem umfassenden Angebot aller nationalen und internationalen Spiele. Ansonsten, so seine Einschätzung, funktioniere es nicht mehr.