Der beliebte Kulturzug zwischen Berlin und der polnischen Stadt Wrocław (Breslau) steht vor dem Aus. Nach Angaben der Berliner Verkehrsverwaltung und des Brandenburger Verkehrsministeriums soll die Verbindung zum 28. Dezember eingestellt werden. Als Hauptgründe werden die gestiegenen Kosten und die sinkenden Fahrgastzahlen genannt, die den Zug wirtschaftlich unrentabel machen.
Key Takeaways
- Der Kulturzug Berlin-Wrocław wird voraussichtlich zum 28. Dezember eingestellt.
- Hohe Unterhaltskosten und gesunkene Fahrgastzahlen sind die Hauptgründe.
- Die Kostenaufteilung zwischen Berlin und Brandenburg wird als problematisch angesehen.
- Es gibt Überlegungen für ein Nachfolgeprojekt mit regulären Direktverbindungen.
Wirtschaftliche Hürden und Kostenstruktur
Die Einstellung des Kulturzugs wird maßgeblich auf seine wirtschaftliche Unrentabilität zurückgeführt. Anders als bei regulären Verkehrsleistungen teilen sich die Bundesländer Berlin und Brandenburg die Kosten nicht nach gefahrenen Kilometern, sondern zu gleichen Teilen. Dies bedeutet, dass Berlin auch einen Teil der Kosten für die im Land Brandenburg zurückgelegten Streckenabschnitte trägt. Seit 2022 führt die Route über Weißwasser in Sachsen, wodurch sich der Freistaat über den Zweckverband ZVON an den Kosten beteiligt.
Die Berliner Verkehrsverwaltung begründet die hohen Kosten auch mit der Auslastung der Fahrzeuge. Da der Kulturzug hauptsächlich von Freitag bis Sonntag verkehrt und unter der Woche Wartungsarbeiten anfallen, können die Züge nicht optimal für den Berufsverkehr genutzt werden. Diese geringe Auslastung während der Woche macht den Betrieb des punktuellen Event- und Gelegenheitsverkehrs wirtschaftlich unattraktiv.
Sinkende Fahrgastzahlen und Auslastung
Nach der Corona-Pandemie haben sich die Fahrgastzahlen des Kulturzugs nicht mehr erholt. Während 2019 noch durchschnittlich rund 420 Fahrgäste pro Wochenende gezählt wurden, liegt die Zahl seit 2024 bei etwa 330 Fahrgästen pro Wochenende, was einer durchschnittlichen Auslastung von unter 50 Prozent entspricht. Ein Großteil der Fahrgäste, etwa 90 Prozent, startet die Reise in Berlin und Brandenburg, obwohl die Künstlerinnen und Künstler im Zug vielfältiger Herkunft sind.
Ein Blick auf die Geschichte und mögliche Zukunft
Der Kulturzug wurde 2016 anlässlich der Kulturhauptstadt Europas in Wrocław ins Leben gerufen und bot während der Fahrt Musik, Kunst und kulturellen Austausch. Er wurde als "europäisches Kulturfestival auf Rädern" beschrieben und mehrfach ausgezeichnet. Zwar erhält der Zug keine finanzielle Unterstützung aus Polen, jedoch werden seine Tickets in Wrocław im Nahverkehr anerkannt. Es gibt Überlegungen, ein Nachfolgeprojekt zu etablieren, das auf den mittlerweile drei bis vier täglichen Direktverbindungen zwischen Berlin und Wrocław basiert. Auch die Deutsche Bahn und die polnische PKP planen ab dem 14. Dezember zusätzliche Direktverbindungen von Leipzig über Wrocław nach Krakau.
Reaktionen und Alternativen
Die Nachricht von der möglichen Einstellung stößt auf Bedauern. Kritiker bemängeln die mangelnde Werbung und den kundenunfreundlichen Fahrplan, der die Nutzung des Kulturzugs erschwerte. Einige Kommentatoren erinnern an frühere, schnellere Verbindungen und schlagen vor, Kulturangebote in reguläre Züge zu integrieren, wie es bereits mit einem "Kulturwaggon" im Berlin-Warschau-Express versucht wurde.