Fans von köstlichen und oft schwer erhältlichen Produkten aus der DDR strömen ab heute wieder zur Trabrennbahn Karlshorst. Die Ostpro öffnete am Freitag, den 27. März, um 10 Uhr ihre Pforten. An diesem Wochenende können Besucher schlemmen und einkaufen. Vor 35 Jahren fand die erste Ausgabe dieser Kultmesse statt. Messeleiterin Ramona Oteiza berichtet von den Anfängen.
Sehnsucht nach DDR-Produkten
Am 26. Juli 1991 erwartete Ramona Oteiza in der Werner-Seelenbinder-Halle in Berlin zunächst nur einige Handelsvertreter. Zwei Jahre nach der Wende hatte die damals 33-jährige, frisch gebackene Mutter die erste Messe für Ostprodukte, die Ostpro, organisiert. Doch an diesem Sommertag strömten tausende Berliner in die Halle, um die lange vermissten Waren aus der DDR zu erwerben. Dies markierte den Beginn eines Dauerbrenners.
35 Jahre später erfreut sich die Ostpro nach wie vor großer Beliebtheit. Die Sehnsucht nach vertrauten Produkten und Erinnerungen an die Wendezeit bleibt ungebrochen. Ein kollektives Gefühl der Bestätigung entsteht: Wir sind noch hier und auch in Zukunft von Bedeutung.
Wenn die Ostpro an diesem Wochenende auf der Trabrennbahn Karlshorst ihren Geburtstag feiert, kommen nicht nur die „alten Hasen“, sondern auch junge Besucher, die mit einer DDR-Ketwurst für ihre TikTok-Videos posieren.
Generationenübergreifende Erinnerungen
Beim Bummeln über die Messe erzählen Großeltern ihren Enkeln von ihrem Leben in der DDR. Väter zeigen ihren Kindern die Süßigkeiten, mit denen sie aufgewachsen sind. Ein Besuch der Ostpro ist mehr als nur ein Marktbummel; es ist eine Mischung aus Museumsbesuch, Klassentreffen und lebendigem Markttag. Wäre die Messe nicht existent, man müsste diesen Ort für Ostdeutsche geradezu erfinden.
Ramona Oteiza blättert auf der Empore der Trabrennbahn in alten Ordnern. Sie hat alle Berichte und Fotos aus den Anfangsjahren der Ostpro gesammelt.
„Zu Beginn dachten wir, das wird vielleicht drei, vier Jahre dauern“,
sagt die Messeleiterin.
„Dann hätte sich doch alles angeglichen, so dachten wir.“
Doch die Umwälzungen der Wende sind bis heute nicht vollständig verarbeitet.
Der Aufbruch nach der Wende
Wie viele andere wagte auch Ramona Oteiza 1991, kurz nach der Wende, den Sprung ins kalte Wasser. Bis 1989 war sie im EAW, dem VEB Elektro-Apparate-Werke in Berlin-Treptow, tätig.
„Wir gehörten zu den ersten, die nach der Wende abgewickelt wurden“,
erinnert sich Oteiza.
Ab 1990 war die junge Mutter auf null Stunden gesetzt und saß nach dem Mütterjahr mit vollem Gehalt zu Hause. Doch das Nichtstun war nicht ihr Stil.
Ramona Oteiza fand eine Anstellung bei einer Messefirma im Westen und organisierte Baumessen. Als immer mehr Menschen auf sie zukamen und nach bestimmten Ostprodukten fragten, erkannte sie eine Marktlücke. Die Menschen waren bereit, sich wieder auf Altbewährtes zu besinnen.
Die erste Messe und ihr Erfolg
„Damals herrschte eine richtige Aufbruchstimmung“, erinnert sich Oteiza. Vor der ersten Messe durchforstete sie Telefonbücher und kontaktierte zahlreiche Firmen, um Aussteller zu gewinnen.
„Wir wollten eine Ordermesse organisieren, bei der sich Ostfirmen den großen West-Handelsketten präsentieren konnten“, sagt sie. Doch am Morgen des ersten von drei geplanten Messetagen standen die Menschen bereits Schlange vor der Werner-Seelenbinder-Halle.
„Die Leute rüttelten am Zaun und wollten auf das Gelände“,
berichtet Oteiza.
Die Menschen kauften die Produkte, die sie aus der DDR kannten, in einem regelrechten Kaufrausch. Händler mussten über Nacht mehr Ware heranholen, um der Nachfrage gerecht zu werden.
Ein fester Bestandteil der Messekultur
Nach dem großen Erfolg der ersten Ostpro veranstaltete Ramona Oteiza jährlich zwei Messen. Zunächst in der Werner-Seelenbinder-Halle, nach deren Abriss im Internationalen Handelszentrum an der Friedrichstraße. Die Ostpro zeigte sich flexibel in der Wahl ihrer Veranstaltungsorte.
Ob unter dem Fernsehturm, in der Kongresshalle, im Forum Landsberger Allee oder im Velodrom – die Besucher fanden stets ihre geliebten Stände. Seit einigen Jahren findet die Messe auf der Trabrennbahn Karlshorst statt. Ableger gab es in Dresden und Potsdam, und auch in Erfurt zieht die Ostpro ein buntes Publikum an.
Die Zukunft der Ostprodukte
Im Laufe der Jahre hat die Messeleiterin viele Firmen aufblühen und andere verschwinden sehen. Die Erinnerungen an die DDR bleiben lebendig. Jedes Jahr finden sich zahlreiche Händler ein, um ihre Stände auf der Ostpro aufzubauen. Einige, wie Peter Hentze mit seinem Haushaltswarenstand, sind zu Urgesteinen der Messe geworden.
Ebenso beständig ist der DDR-Stand, an dem sich Pittiplatsch, Komet und Kathi präsentieren, sowie Strickwaren aus Apolda, Badusan Schaumbäder, Gurken aus dem Spreewald und Riesaer Nudeln. Ostpro-Kenner wissen genau, welche Stände sie aufsuchen wollen.
Die Ostpro öffnet anlässlich ihres 35. Geburtstags vom 27. bis 29. März täglich von 10 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet 3 Euro, Kinder haben freien Zugang. Die Trabrennbahn Karlshorst (Treskowallee 159) ist zu Fuß vom S-Bahnhof Karlshorst oder mit der Tram 21, 27, 37 bis zur Haltestelle Traberweg erreichbar. Zudem stehen kostenpflichtige Parkplätze zur Verfügung.
Wie erklären Sie sich die Anziehungskraft der Ostprodukte-Messe Ostpro? Waren Sie auch schon einmal dort? Schreiben Sie uns gerne per E-Mail.
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Bildquelle: Echo Media Group / Ricardo Bohn