Das Bogensee-Areal in Wandlitz, einst ein exklusives Refugium für NS-Größen wie Joseph Goebbels, durchläuft eine bemerkenswerte Transformation. Ursprünglich als private Rückzugsorte für die NS-Elite konzipiert und mit Steuergeldern finanziert, diente es später der FDJ als Kaderschmiede und steht heute vor einer ungewissen Zukunft, während Teile davon bereits von Schulkindern genutzt werden.
Ein Erbe der NS-Zeit
Das Areal am Bogensee hat eine dunkle Vergangenheit. 1936 erhielt Joseph Goebbels, Gauleiter der NSDAP, ein Blockhaus als Geburtstagsgeschenk, das er als Wochenendhaus und Dienstsitz nutzte. Finanziert wurde der Bau und Unterhalt aus Berliner Steuermitteln. Da das Blockhaus Goebbels bald zu klein wurde, ließ er 1939 den "Waldhof" auf der gegenüberliegenden Seeseite errichten, während das Blockhaus zum Gästehaus degradiert wurde. Diese Gebäude sind bis heute erhalten und stehen unter Denkmalschutz. Goebbels zog sich während des Krieges mit seiner Familie ganz auf das Anwesen zurück.
Von der FDJ-Hochschule zur Kaderschmiede
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das verlassene Anwesen von den sowjetischen Truppen kurzzeitig als Lazarett genutzt. Anschließend übergab man es der Freien Deutschen Jugend (FDJ), die dort 1946 ihre Jugendhochschule eröffnete. In den 1950er Jahren wurde das Areal um ein großes Gebäudeensemble erweitert und nach Wilhelm Pieck benannt. Die Kaderschule war streng bewacht und abgeschottet, die Studenten verließen das Gelände kaum. Nach der Wiedervereinigung übernahm der Internationale Bund für Sozialarbeit das Areal, und verschiedene Institutionen, darunter eine Hotelfachschule und eine Polizeiausbildungsstätte, nutzten Teile davon.
Leerstand und neue Perspektiven
Seit 1998 stehen die meisten Gebäude leer. Ein Nebengebäude der ehemaligen Goebbels-Villa wird heute von der Waldschule Bogensee für Schulklassen und Jugendgruppen genutzt. Die Berliner Immobilienmanagementgesellschaft (BIM) erwägt einen Abriss und eine Renaturierung des Geländes, was jährlich rund 250.000 Euro an Bewirtschaftungskosten verursacht. Historikerin Irmgard Zündorf plädiert für den Erhalt und eine neue Nutzung, beispielsweise als Bildungsstätte oder Dokumentationszentrum zur NS-Zeit. Das Land Berlin hat das sanierungsbedürftige Gelände nun der Gemeinde Wandlitz übertragen, was neue Impulse für die Belebung des Areals geben könnte.
- Historische Bedeutung: Das Areal war einst ein privater Rückzugsort für NS-Propagandaminister Joseph Goebbels.
- FDJ-Nutzung: Nach dem Krieg diente es als Ausbildungsstätte für Funktionäre der Freien Deutschen Jugend.
- Aktueller Zustand: Viele Gebäude stehen leer, ein Teil wird von einer Waldschule genutzt.
- Zukunftsperspektiven: Abriss und Renaturierung stehen zur Debatte, aber auch eine Umnutzung als Bildungs- oder Gedenkstätte wird diskutiert.