Die Gemeinde Wandlitz im Barnim hat für die kommenden zwei Jahre die Verantwortung für das historische Bogensee-Areal übernommen, einschließlich der ehemaligen Villa von NS-Propagandaminister Joseph Goebbels. Dieser Beschluss wurde mit knapper Mehrheit von der Gemeindevertretung gefasst und von der landeseigenen Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) bestätigt. Berlin trägt weiterhin die jährlichen Bewirtschaftungskosten von 200.000 Euro, während Wandlitz die Verwaltung und Neuverträge übernimmt.
Wichtige Punkte
- Die Gemeinde Wandlitz übernimmt das 16 Hektar große Bogensee-Areal für zwei Jahre, bis Ende 2027.
- Berlin bleibt Eigentümer und trägt die laufenden Bewirtschaftungskosten von 200.000 Euro pro Jahr.
- Wandlitz verpflichtet sich zur Verwaltung des Areals und zur Anbahnung neuer Verträge.
- Es sollen Konzepte zur Rettung des Areals vor einem Abriss entwickelt werden, mit Fokus auf Denkmalschutz und historisch sensible Nutzung.
- Die Gemeinde sucht nach Investoren für die Sanierung und zukünftige Nutzung des Geländes.
Zukunftsperspektiven und Nutzungsideen
Die Gemeinde Wandlitz plant, das Areal für Führungen, Besichtigungen und Veranstaltungen zugänglich zu machen. Ein beauftragtes Planungsbüro soll Konzepte erarbeiten, um das Ensemble zu erhalten und einer neuen Nutzung zuzuführen. Bürgermeister Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft Wandlitz) äußerte sich optimistisch bezüglich möglicher Nutzungen, die von Behörden über Gesundheits- und Ausbildungsstandorte bis hin zu touristischen Angeboten reichen könnten. Entscheidend sei die Gewinnung von Investoren, die die notwendigen Mittel für die Sanierung aufbringen können.
Historischer Hintergrund und finanzielle Aspekte
Das Bogensee-Areal, einst von Joseph Goebbels als Wochenendhaus und Dienstsitz genutzt, steht unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Jugendhochschule der Freien Deutschen Jugend (FDJ) und später als Kaderschmiede. Seit 1998 stehen die meisten Gebäude leer. Die Projektkosten für die Erhaltung und Entwicklung belaufen sich auf 870.000 Euro, wovon 600.000 Euro aus dem Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" stammen und 100.000 Euro vom Landkreis Barnim. Den Rest trägt die Gemeinde Wandlitz.
Berliner Bemühungen und die Überlassung
Das Land Berlin, als Eigentümer, sah sich mit hohen Unterhaltskosten für die verfallende Anlage konfrontiert und prüfte verschiedene Optionen, darunter auch einen Abriss. Berlins Finanzsenator Stefan Evers hatte im Mai 2024 sogar die Bereitschaft geäußert, das Gelände notfalls zu verschenken. Die nun erfolgte Überlassung an die Gemeinde Wandlitz stellt eine praktische Umsetzung dieser Überlegung dar, um das historische Erbe zu bewahren und eine neue Zukunft für das Areal zu ermöglichen.