Der Berliner Senat hat einen detaillierten Zeitrahmen für den Neubau der stark beschädigten Mühlendammbrücke über die Spree bekanntgegeben. Laut den Informationen beginnen die Bauarbeiten im Juni 2026. Die Ausschreibung für die Baufirmen läuft bis zum 29. Mai, und die Ausführung soll spätestens zwölf Tage danach starten, wie die aktuellen Ausschreibungsunterlagen zeigen.
Details zum Bauprojekt
Die Bauarbeiten werden voraussichtlich etwas mehr als drei Jahre in Anspruch nehmen. Bei optimalem Verlauf sind drei Jahre und drei Monate für Abriss und Neubau eingeplant. Der Senat hat aufgrund der Verwendung von Hennigsdorfer Spannstahl, der als korrosionsanfällig gilt, ein beschleunigtes Verfahren gewählt. Die Mühlendammbrücke zählt zu den am stärksten schadensbetroffenen Bauwerken unter den rund 70 Brücken in Berlin, die diesen Stahl verwenden.
Verkehrsauswirkungen und Alternativen
Die Mühlendammstraße ist eine bedeutende Verkehrsader – die Bundesstraße 1 (B1), die täglich von etwa 73.000 Fahrzeugen befahren wird. Diese Strecke stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Alexanderplatz und dem Potsdamer Platz dar. Daher ist mit erheblichen Verkehrsbehinderungen während der Bauzeit zu rechnen.
Um den Verkehr aufrechtzuerhalten, wird der Verkehr während der gesamten Bauphase einspurig über die verbleibende Brückenhälfte geleitet. Dies könnte zu vermehrten Staus, insbesondere am Molkenmarkt und der Grunerstraße, führen. Die Verkehrsbehörde empfiehlt bereits jetzt Umleitungen über die Karl-Liebknecht-Straße oder die Jannowitzbrücke.
Konstruktion und Herausforderungen
Ein Teilbereich der Brücke wurde bereits bis auf das Fundament abgerissen, und der verbleibende Verkehr läuft nun über die westliche Seite. Der Abriss erfolgt nicht durch konventionelle Methoden, sondern die alte Brücke wird in große Stücke zersägt und mithilfe von Kränen auf Pontons abtransportiert.
Da das Gebiet um die Brücke als Kampfmittelverdachtsfläche gilt, ist eine detaillierte Untersuchung des Untergrunds erforderlich, bevor der Bau beginnen kann. Der Neubau selbst wird nicht vor Ort gegossen oder als Ganzes eingesetzt, sondern die Stahlträger werden direkt über dem Wasser montiert.
Regelungen zur Bauausführung
Um die Fristen einzuhalten, hat der Senat eine Bonus-Malus-Regelung eingeführt. Bei Verzögerungen müssen die Baufirmen mit Vertragsstrafen in Höhe von 0,2 Prozent der Gesamtsumme pro Tag rechnen. Die Arbeit soll Montags bis Samstags von 6 bis 22 Uhr stattfinden, wobei in der Nacht strenge Lärmschutzvorschriften gelten.
Die neue Brücke wird zudem eine direkte Anbindung zum Nikolaiviertel erhalten, was die Fußgängerzufahrt verbessern soll. Straßenbahngleise sind jedoch nicht vorgesehen. Aufgrund des starken Schiffsverkehrs in diesem Bereich müssen während der Bauphase entsprechende Durchfahrtsbreiten freigehalten werden. Es wird erwartet, dass der Rückbau der westlichen Brückenhälfte die Spreedurchfahrt für bis zu sechs Wochen komplett sperren könnte, frühestens jedoch im Winter 2026/27.
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