In Brandenburg ist in der Zeitspanne von März bis Mai 2026 die besorgniserregende Zahl von 233 Rindern verschwunden. Die Täter agieren äußerst professionell und nutzen große Lkw, um die Tiere von verschiedenen Weiden zu transportieren. In insgesamt vier nächtlichen Aktionen entwendeten sie stets zwischen 30 und 70 Tiere. Der verursachte Schaden beträgt mehr als 337.000 Euro, wie Brandenburgs Innenminister Jan Redmann berichtet. Kriminalist Christoph Wenzlaff äußert die Vermutung, dass die gestohlenen Tiere möglicherweise ins Ausland gebracht werden, wo sie entweder verarbeitet oder weiter transportiert werden.
Die betroffenen Landwirte haben sich inzwischen von den Schockmomenten erholt und führen ihre Betriebe wieder auf gewohnte Weise weiter. Der Landesbauernverband Brandenburg (LBV) betont, dass die Tierhalter nun sensibler auf die Sicherheit ihrer Weiden und Stallungen achten und diese regelmäßig kontrollieren. Zudem erhält die Polizei Anerkennung für ihr schnelles und effektives Handeln.
In den Ermittlungen haben die Beamten ihre Kontrollen intensiviert und richten ihr Augenmerk besonders auf Viehtransporter. Aktuell läuft eine öffentliche Fahndung nach einem blauen Viehtransporter mit einem Gesamtgewicht von etwa 12,5 Tonnen, der in der Nacht vom 11. zum 12. Mai in Schenkendöbern 32 Rinder abtransportiert haben soll. Dieses Fahrzeug könnte auch für die anderen Diebstähle von Bedeutung sein.
Polizeiarbeit und Ermittlungen
Wenzlaff, der Vorsitzende der Kriminalisten-Gewerkschaft, hebt die Wichtigkeit hervor, Überstunden unter den Beamten zu vermeiden. Derzeit sind viele Polizisten in der Ermittlungsgruppe „Weide“ des Landeskriminalamts (LKA) aktiv. Trotz des großen Aufwands hält Wenzlaff diese Maßnahmen für unabdingbar, um den Druck auf die Täter aufrechtzuerhalten. Er bemerkt, dass seit der Einführung dieser Maßnahmen keine neuen Diebstähle mehr festgestellt wurden.
Die Vorfälle ereigneten sich an präzisen Daten: am 29. März in Zixdorf, am 21. April in Langennaundorf, zwischen Ende Januar und dem 6. Mai in Raddusch sowie am 12. Mai in Hammer. Diese Informationen unterstützen die Ermittler dabei, ein klareres Bild der Situation zu entwickeln.
Vergangenheit und mögliche Täter
Diese neue Serie von Diebstählen erinnert an vergleichbare Vorfälle zwischen 2014 und 2017, als in Brandenburg Hunderte Rinder und Kälber gestohlen wurden. Damals war eine Gruppe aus Polen verantwortlich. Wenzlaff sieht in den damaligen Ermittlungen eine wertvolle Grundlage für die gegenwärtigen Fälle und vermutet, dass die Täter von damals möglicherweise wieder aktiv sind.
Die Diebstähle lassen auf eine gut organisierte Vorgehensweise schließen. Wenzlaff geht davon aus, dass die Täter über umfangreiche Kenntnisse in der Rinderhaltung verfügen und die Höfe im Vorfeld genau beobachtet haben. Es wird sogar spekuliert, dass Drohnen zur Überwachung eingesetzt wurden, um die Standorte der Rinder zu ermitteln.
Motivation und Markt für gestohlene Tiere
Die Polizei arbeitet eng mit polnischen Ermittlern und anderen Bundesländern zusammen, um Informationen auszutauschen und präventive Maßnahmen zu etablieren. Wenzlaff hebt hervor, dass Brandenburg aufgrund seiner ländlichen Struktur und der weitläufigen Agrarflächen ein attraktives Ziel für Viehdiebe darstellt. Die gute Verkehrsanbindung, insbesondere in Richtung Osteuropa, trägt ebenfalls zur Anziehungskraft bei.
Um zukünftige Diebstähle zu verhindern, fordert Wenzlaff eine Spezialisierung in der Polizeiausbildung. Derzeit sind Polizeischüler als Generalisten ausgebildet, was seiner Meinung nach die Qualität der Ermittlungen beeinträchtigt. Eine gezielte Ausbildung könnte die Effizienz der Ermittlungen erhöhen und die Dauer der Aufklärung verkürzen.
Quellen: n-tv, 233 Rinder gestohlen: Was die Polizei über die Viehdiebe in Brandenburg weiß
Bildquelle: Hydro via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)