Die Konzertreihe von Ice Nine Kills präsentiert sich nicht als herkömmlicher Auftritt einer Gitarrenband, sondern vielmehr als eine Aufführung, die Kunstblut und schaurige Kostüme vereint. Auf der „A Work of Art“ Tour begleiten Schauspieler die Band und treten in wechselnden morbiden Outfits auf der Bühne der Berliner Uber Eats Music Hall auf.
Bereits beim ersten Song „Meat and Greet“ wird eine Figur, die an Hannibal Lecter erinnert, auf einer Sackkarre auf die Bühne gerollt und vom Sänger Spencer Charnas umgehend „getötet“. Im Verlauf des Konzerts wechselt der Musiker zwischen verschiedenen Werkzeugen wie einem Spaten, einer Axt und sogar einer Kettensäge. Dies deutet darauf hin, dass er für einen Metalsänger erstaunlich viele Utensilien mit sich führt.
Kreative Inszenierung und thematische Elemente
Der Song „Wurst Vacation“, dessen Titel durchaus provokant ist, bringt zwei blutverschmierte Metzger auf die Bühne, die in Lederschürzen einen weiteren Darsteller von seinen Innereien befreien. An einer anderen Stelle des Konzerts wird eine Puppe enthauptet und ein Bösewicht im Hinterhalt erschossen. In den ersten 30 Minuten wird bei fast jedem Stück eine brutale Thematik auf die Schippe genommen. Die übertriebene Inszenierung vermittelt dabei eine humorvolle Note, trotz der dröhnenden Musik, was an die Darbietungen von Rammstein erinnert, jedoch mit einer Portion Selbstironie.
Bislang hatte Ice Nine Kills lediglich einen kleinen Skandal, der um ein KI-generiertes Bild drehte, das zur Promotion von Merchandise verwendet wurde.
Publikum und Banddynamik
Das Publikum, das vornehmlich in Schwarz gekleidet ist, wirkt, als würde es zu einer Beerdigung gehen. Im Gegensatz dazu tritt die Band in formeller Kleidung auf, gekleidet in Anzügen und Krawatten, was einen unerwarteten Kontrast zur extremen Musik bietet. Spencer wechselt mühelos von tiefen Gesangspassagen zu nervösem Geschrei, unterstützt von einem fauchenden Bassisten und einem brüllenden Gitarristen, um schließlich in den hymnischen Refrain überzugehen.
Eine Konzertbesucherin äußert sich kritisch über die Performance und bemerkt: „Ist viel Playback, trotzdem geil“. Dies deutet darauf hin, dass die Live-Performance möglicherweise nicht ausschließlich live ist, jedoch die Inszenierung im Metalcore-Genre eine entscheidende Rolle spielt.
Konzertablauf und Atmosphäre
Zwischen den Songs werden thematisch passende Videoclips gezeigt, um den nächsten Track anzukündigen. Diese Pausen scheinen notwendig zu sein, um Band und Statisten die Gelegenheit zu geben, sich umzuziehen, können jedoch den Fluss des Konzerts beeinträchtigen. Die Band spricht kaum mit dem Publikum und beschränkt sich auf einfache Aufforderungen, was möglicherweise der Vielzahl an Auftritten geschuldet ist. Das Publikum in der gut gefüllten Uber Eats Music Hall scheint jedoch begeistert und interagiert mit der Musik, auch wenn die konzertante Darbietung wie ein „Schwerlastzug“ wirkt.
Das Konzert von Ice Nine Kills bietet somit eine einzigartige Mischung aus brutalem Metal und kreativer Inszenierung, die das Publikum in ihren Bann zieht.
Bildquelle: DS stories auf Pexels