Auf einem großzügigen Banner im Berliner Friedrichstadtpalast wird eine junge Suzi Quatro abgebildet. Dies wirft die Frage auf: Handelt es sich hierbei um eine schlichte nostalgische Veranstaltung, die in den 70er Jahren festhängt? Nostalgie spielt zwar eine wichtige Rolle an diesem Abend, doch vor allem stellt sich die Frage: Wie gelingt es dieser Frau, seit nunmehr 61 Jahren auf der Bühne zu stehen und stets so kraftvoll zu performen?
Ungebrochene Energie und Präsenz
Suzi Quatro verkörpert eine bemerkenswerte Energie, roh und kraftvoll, und wirkt, als wäre sie weiterhin ein aufstrebender Rockstar, der alles zu gewinnen und nichts zu verlieren hat. Mit 75 Jahren begeistert sie das Publikum mit ihrer charakteristisch rauen Stimme und bewegt sich dynamisch über die Bühne. Insgesamt stehen acht Künstler mit ihr auf der Bühne, darunter zwei Backgroundsängerinnen, die entweder den Gesang unterstützen oder harmonische Klänge hinzufügen. Der Gitarrist hat seinen Verstärker auf elf gedreht, während die Bläsersektion eine epische Note in die fast punkigen Melodien einbringt. Der Drummer hingegen ist so engagiert, dass er vor der Pause eines seiner Mikrofone beschädigt.
Nostalgische Rückblicke und neue Klänge
Auch als jüngerer Zuschauer kann man sich gut vorstellen, wie in den vergangen Jahrzehnten zu dieser lebhaften Rockmusik in verschiedenen Clubs getanzt wurde. Dennoch bleibt der Friedrichstadt-Palast durchgehend bestuhlt, was die Stimmung bei diesem Sitzkonzert etwas einschränkt. Die Aufforderung von Suzi, am Ende aufzustehen, bleibt daher nicht ohne Nachdenklichkeit.
Dennoch lässt sich der nostalgische Teil des Abends gut erleben, während Suzi auf ihre Karriere zurückblickt. Sie erzählt von ihren Anfängen, dem Aufstieg zur Popularität und ihren zahlreichen Erfolgen in verschiedenen Ländern. Darüber hinaus berichtet sie über ihre BBC-Radiosendung, ihre Doku und die acht Bücher, die sie bereits verfasst hat. In diesen Momenten strahlen die Lichter an ihrer Lederjacke im Schein der Erinnerungen.
Beständig und lebendig
Quatro verbindet geschickt die Erinnerungen an vergangene Zeiten mit einem lebhaften Rockkonzert. Sie veröffentlicht weiterhin neue Musik, die sie zwischen ihren Klassikern performt – diese ist manchmal überraschend düster, vermittelt jedoch den Eindruck, dass sie sich nicht nur als Hüterin der Nostalgie sieht.
„Ein bodenständiger, kraftvoller Rocker, das ist, was ich war, was ich bin und was ich immer sein werde“, erklärt Suzi am Ende der Veranstaltung. Danach verlässt sie, den Bass in der Hand, die Bühne, als wolle sie ihn nie zurücklassen. Ihr nächster Auftritt in Berlin ist für März 2027 geplant, wenn sie dann fast 77 Jahre alt sein wird. Dies zeigt, dass Rockmusik wahrhaftig jung hält.
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