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Folgen der Kunstsammlung: Ein Einblick in Berlins kulturelle Landschaft

Wie beeinflussen private Kunstsammler:innen das Gesicht von Galerien und Museen? Der Kunstmarkt und das Schicksal vieler Künstler:innen sowie kultureller Institutionen sind stark von einer oft…

Folgen der Kunstsammlung: Ein Einblick in Berlins kulturelle Landschaft

Wie beeinflussen private Kunstsammler:innen das Gesicht von Galerien und Museen?

Der Kunstmarkt und das Schicksal vieler Künstler:innen sowie kultureller Institutionen sind stark von einer oft wenig beachteten Gruppe abhängig: den privaten Sammler:innen. Diese müssen einige Voraussetzungen erfüllen, darunter ausreichendes Eigenkapital, ein Interesse an Kunst sowie den Wunsch, Kunst zu besitzen. Es genügt jedoch nicht, über die finanziellen Mittel zu verfügen, um ernsthaft in das Sammeln einzusteigen. Auch der Aufbau von Netzwerken, das Aneignen von Wissen sowie die Verwaltung und Präsentation der Kunstwerke sind essenzielle Aspekte des Sammelns.

Darüber hinaus spiegelt jede Sammlung das individuelle Profil sowie die Vorlieben der sammelnden Person wider. Durch ihre Kaufentscheidungen setzen sie eigene Akzente und legen den Fokus auf bestimmte Epochen oder Materialien. Ohne die Schenkungen und Unterstützung privater Sammler:innen wäre die kulturelle Landschaft Berlins erheblich ärmer; einige Institutionen, wie die Sammlung Scharf-Gerstenberg, könnten ohne sie nicht existieren.

Einblicke in „Möglichkeiten einer Insel“

In Anlehnung an dies wird im Museum die Ausstellung „Möglichkeiten einer Insel“ veranstaltet, um der Gründerfamilie Scharf zu gedenken: Dirk und Hilde Scharf hätten im Jahr 2026 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Während heutzutage zahlreiche sammelbare Kunstwerke in (steuerfreien) Lagerräumen verschwinden, zielt diese Ausstellung darauf ab, das private Zuhause der Scharfs als Inspirationsquelle zu nutzen.

Bereits beim Betreten der Ausstellung sind Fotografien des einstigen Interieurs sowie des Gartens der noch lebenden Erbin, Julietta Scharf, zu sehen. Vor diesen Stellwänden wurden Werke der Schweizer Künstlerin Kavata Mbiti (*1976) ausgestellt. Ihre Arbeit „Möglichkeiten einer Insel“ aus weißem Acrystal inspirierte Kuratorin Kyllikki Zacharias bei einem Besuch im Zuhause der Scharfs zur Wahl des Ausstellungstitels.

Die unkonkrete und verdrehte Form verweist auf die Bewegungen der sammelnden Personen, die mit ihrem Kunstbesitz neue Denkräume erschließen möchten. Mbitis flossenförmige Plastiken mit dem Titel „Kiel I-III“ aus schwarz lackiertem Holz erinnern an Haie, die um diese imaginären Inseln kreisen.

Düstere Parallelwelten

Obgleich der Raum wie ein geschützter, bürgerlicher Ort wirkt, ziehen die vielen surrealistischen Werke mit ihren düsteren Motiven schnell in abgründige Parallelwelten. Die beeindruckenden Radierungen „Versteck Dich, Krieg!“ (1944) der tschechischen Avantgarde-Künstlerin Toyen (Marie Čermínová) zeigen klar umrissene Landschaften, in denen Skelette neben Tieren und Holzobjekten agieren und sich auflösen. Auch die Grafiken von James Ensor aus der Serie „Die sieben Todsünden“ (1888-1904) veranschaulichen mit rohen Szenerien und ausdrucksstarker Mimik die brutalen Seiten menschlichen Daseins.

Die Diversität der Sammlung wird auch in der zeitgenössischen Kunst deutlich, wie die Installation der Künstlerin Alexandra Hendrikoff (*1965) zeigt. Ihre als „noetische Handarbeiten“ bezeichneten Objekte aus Transparentpapier und Pflanzensamen erinnern an Blütenkelche aus einer fantastischen Welt. Im Unterschied dazu steht das dreiseitige Tafelbild des polnischen Künstlers Marcin Dudek (*1979), das aus bearbeiteten Stahlplatten besteht und auf Fußballstadien anspielt.

Die gezeigte Kunst vermag es, sich von ihren Besitzern zu lösen und einen authentischen Zufluchtsort zu schaffen. Kunst, sei es von renommierten Namen wie Picasso, Dürer und Goya oder von weniger bekannten Outsiderkünstler:innen, repräsentiert mehr als nur die Summe des verwendeten Materials. Sie bietet Sammler:innen Zugang zu einer künstlerischen Perspektive und Auseinandersetzung, die die Möglichkeit eröffnet, in andere Gedankenwelten einzutauchen. Der in Berlin ansässige Sammler Christian Boros formulierte 2020 auf der Webseite des Kulturrats: „Es ist im wahrsten Sinne eine Verinnerlichung.“

Die Ausstellung „Möglichkeiten einer Insel. Denken in Bildern von Gerstenberg bis Scharf“ ist vom 19. Dezember 2025 bis 3. Mai 2026 in der Sammlung Scharf-Gerstenberg, Schloßstraße 70, 14059 Berlin zu sehen.

Bildquelle: Matthieu Rochette auf Unsplash

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