Stellt sich die Frage, wie das Tragen von Pelzen in der heutigen Gesellschaft wahrgenommen wird. Eine junge Frau in den Flohmarkthallen untersucht einen Kleiderständer mit alten Pelzmänteln. Besonders ein schwarzer Mantel aus den 60er Jahren hat es ihr angetan. Sie hält ihn kritisch vor sich und betrachtet das Fell.
Die Ansichten über Pelz sind stark polarisiert. Tierrechtsorganisationen wie Peta setzen sich mit drastischen Aktionen gegen die Pelzindustrie ein und fordern ein Verbot jeglicher Pelzverwertung. Seit dem Beginn dieser Proteste in den 1980er Jahren hat sich das Bild der Pelzindustrie in Deutschland deutlich gewandelt. So existiert heute keine Pelztierzucht mehr, und in den ehemaligen Geschäften am Kurfürstendamm werden meist Kunstfell-Mäntel angeboten.
Die Rolle des Kürschner-Handwerks
Wie Wolfgang Lastner, Vizepräsident des Zentralverbands des Kürschner-Handwerks, erklärt, sei der schlechte Ruf von Pelzen vor allem den Kaufhausketten zuzuschreiben. Diese hätten in der Vergangenheit massenhaft Pelze aus Asien verkauft, deren Herkunft oft fragwürdig war. Daher wurde das Label „We Prefur“ ins Leben gerufen, das Transparenz verspricht und für die Verwendung von Fellen aus nachhaltiger, waidgerechter Jagd wirbt. Lastner betont, dass die Felle, die verwendet werden, ohnehin anfallen, da bestimmte Tierarten wegen Überpopulation bejagt werden müssen.
Aktuelle Zahlen belegen, dass von den nahezu 442.000 Füchsen, die in Deutschland im Jagdjahr 2023/2024 erlegt wurden, nur ein geringer Teil genutzt wurde. Der Anteil an verwerteten Fellen hat sich jedoch auf rund 50 Prozent erhöht.
Kontroverse um die Pelzproduktion
Auf die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Pelztragens äußert sich der Deutsche Tierschutzbund klar ablehnend. Pressesprecherin Hester Pommerening argumentiert, dass Pelze unnötige Luxusprodukte seien und Millionen Tiere leiden müssen. Ihre Meinung ist, dass die Jagd nicht zu einem ökologischen Gleichgewicht führt, sondern oft im Gegenteil die Population von Raubtieren wie Fuchs oder Dachs erhöht.
Auf den Straßen Berlins, insbesondere in Schöneberg, gehen die Meinungen über Pelze auseinander. Einige Menschen lehnen das Tragen von Pelzen ab, während andere argumentieren, dass es in Ordnung sei, bereits vorhandene Pelze zu tragen, solange sie nicht extra dafür angefertigt wurden. Eine junge Frau entscheidet sich schließlich, den Pelzmantel zu kaufen und geht zur Kasse.
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