Der US-amerikanische Kunstsammler Thomas Kaplan plant, Anteile an seiner umfangreichen Sammlung niederländischer Kunst des 17. Jahrhunderts zu verkaufen. Dieses Konzept, bekannt als "Fractional Ownership", verspricht eine Demokratisierung des Kunstmarktes, indem es auch kleineren Investoren den Zugang zu wertvollen Kunstwerken ermöglicht. Experten sind jedoch geteilter Meinung, ob dies eine echte Teilhabe an Kunst fördert oder lediglich eine neue Form der riskanten Geldanlage darstellt.
Demokratisierung des Kunstmarktes?
Thomas Kaplan bewirbt "Fractional Ownership" als Mittel, um den Kunstmarkt zu öffnen. Bisherige Investitionen in Kunst, insbesondere in Werke von Meistern wie Rembrandt, waren oft nur Millionären vorbehalten, da diese als besonders sichere Geldanlagen gelten. Das neue Modell soll es auch Menschen mit geringerem Kapital ermöglichen, an solchen Investitionen teilzuhaben.
- Konzept des geteilten Besitzes wird auf den Kunstmarkt übertragen.
- Ermöglicht Investitionen in Kunstwerke, die bisher nur für wenige zugänglich waren.
- Diskussion über die tatsächliche Zugänglichkeit und den Nutzen für Kunstinteressierte.
Risiken und Skepsis von Finanzexperten
Finanzexperten äußern jedoch erhebliche Zweifel an der Eignung von Kunstanteilen als Investment. Michael H. Grote von der Frankfurt School of Finance und Management betont, dass Kunstwerke im Gegensatz zu Unternehmensanteilen keine laufenden Erträge erwirtschaften. Gewinne lassen sich nur durch einen späteren Verkauf erzielen, der stark von Trends und Spekulationen abhängt. Er bezeichnet solche Investments als "ziemlich risikoreich und ungeeignet, um größere Summen zu investieren".
Mangelnde Transparenz und höhere Kosten
Kunstmarktexperte Dirk Boll von Christie’s London hebt die im Vergleich zum Aktienmarkt geringere Transparenz des Kunstmarktes hervor. Aktienmärkte sind stärker reguliert und bieten eine einfachere Nachverfolgung von Investments. Beim Kunstbesitz fallen zudem Kosten für Versicherungen an, die bei Aktien nicht entstehen. Boll bezweifelt, dass "Fractional Ownership" den Kunstmarkt generell transparenter macht, sieht aber Potenzial in Bereichen wie Informationsrechten über Eigentümerwechsel oder Leihgaben.
Berliner Kunstszene Reagiert Verhaltend
Vertreter der Berliner Kunstszene stehen dem Konzept eher skeptisch gegenüber. Sammler Christian Boros schließt einen Verkauf von Anteilen aus. David Bassenge vom Auktionshaus Bassenge sieht darin eher einen "Nebenaspekt", der für das Tagesgeschäft irrelevant sei. Er argumentiert, dass für die meisten Menschen der Kunstgenuss und die kuratorische Teilhabe im Vordergrund stehen, nicht das reine Investment. Bassenge weist zudem darauf hin, dass der Kunstmarkt bereits heute für viele Menschen zugänglich sei, da 90 Prozent des Marktes unter 100.000 Euro stattfinden.
Alternative Modelle der Kunstteilhabe
Als Alternative zur reinen Investition werden Modelle wie die Artothek des Neuen Berliner Kunstvereins genannt. Dort können Berliner für eine geringe Gebühr Kunstwerke für ihre Wohnungen ausleihen. Dieser Ansatz betont die Freude an der Kunst und das Teilen, anstatt des Besitzes, und fördert die Zirkulation von Kunstwerken.