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NS-Deportationen: Ein Fotoprojekt enthüllt die Rolle der „Zuschauenden“

Ein neues Fotoprojekt des Selma Stern Zentrums für Jüdische Studien der Freien Universität Berlin wirft ein Schlaglicht auf die Deportationen während der NS-Zeit. Unter dem…

NS-Deportationen: Ein Fotoprojekt enthüllt die Rolle der „Zuschauenden“

Ein neues Fotoprojekt des Selma Stern Zentrums für Jüdische Studien der Freien Universität Berlin wirft ein Schlaglicht auf die Deportationen während der NS-Zeit. Unter dem Titel "Last Seen – Bilder der NS-Deportationen" wurden Hunderte von Fotos gesammelt und wissenschaftlich eingeordnet, die die Verschleppung von Hunderttausenden Menschen dokumentieren. Das Projekt betont die Notwendigkeit, nicht nur die Opfer, sondern auch die "Zuschauenden" in den Fokus zu rücken.

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Die "Last Seen"-Initiative

Das Projekt "Last Seen – Bilder der NS-Deportationen" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die visuellen Zeugnisse der NS-Deportationen zu sammeln, zu analysieren und zugänglich zu machen. Hunderte von Fotos, die zwischen 1938 und 1945 entstanden sind, wurden zusammengetragen. Diese Bilder zeigen die Deportationen von jüdischen Menschen, Sinti, Romni:ja und Kranken in Ghettos, Konzentrations- und Vernichtungslager im besetzten Osteuropa. Ein zentrales Anliegen des Projekts ist es, die oft übersehenen "Zuschauenden" dieser Verbrechen in den Blick zu nehmen.

Einblicke in die Deportationsfotografie

Die Historikerin Alina Bothe, Leiterin des Projekts, erläutert, dass viele der gefundenen Fotos von Tätern oder in deren Auftrag angefertigt wurden. Sie dienten als "Leistungsnachweis" für Polizeibeamte oder wurden für die nationalsozialistische Geschichtspolitik von Stadtarchiven beauftragt. Bothe beschreibt, wie scheinbar harmlose Bilder, wie eine Szene am Bahnhof in Brandenburg an der Havel vom 13. April 1942, im Kontext der Deportation ihre wahre Bedeutung erhalten. Diese Fotos zeigen oft den letzten Schritt der Verschleppung, das Besteigen von Personenzügen.

Neue Erkenntnisse durch Fotobestände

Das Projekt hat auch dazu beigetragen, falsch zugeordnete Fotografien zu identifizieren. So wurden Bilder aus Hamburg, die zuvor als Evakuierungen nach Luftangriffen galten, als Deportationsfotos entlarvt. Bothe nennt mehrere Indizien: das sorgfältig gepackte Gepäck, die Rolle der Polizei als Bewacher statt als Helfer und das Datum der Aufnahmen, das nicht mit Luftangriffen übereinstimmte. Diese Neukatalogisierung unterstreicht die Bedeutung der akribischen wissenschaftlichen Arbeit bei der Aufarbeitung historischer Ereignisse.

Die ethische Dimension der Bilder

Die Veröffentlichung dieser Bilder wirft ethische Fragen auf. Bothe betont, dass die Gewalt nicht verschwindet, nur weil man die Bilder nicht zeigt. Entscheidend sei jedoch die Vermittlung der Perspektive, aus der die Fotos aufgenommen wurden – meist die der Täter. Gleichzeitig lenkt das Projekt den Fokus auf die Opfer und die große Gruppe der Zuschauenden. Bothe hebt hervor, dass es eine "dringende" Notwendigkeit gibt, über diese Zuschauenden zu sprechen und ihre Rolle bei der Sichtbarkeit und Akzeptanz der Deportationen zu beleuchten.

Sorge vor KI-Manipulation

Eine wachsende Sorge für Bothe und ihr Team ist die zunehmende Möglichkeit der digitalen Manipulation und Fälschung von Bildern durch Künstliche Intelligenz. Da viele historische digitale Quellen nicht ausreichend mit Metadaten gesichert sind, besteht die Gefahr, dass die Wahrheitsgehalte historischer Aufnahmen angezweifelt werden. Bothe wünscht sich daher ein schnelles Übereinkommen aller Akteure, um Quellen zu sichern und das Wissen über die Vergangenheit langfristig zu schützen.

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