Eine neue Art von Stechmücken breitet sich zunehmend in Europa aus, was das Risiko für eine Infektionskrankheit erhöht, die bislang vor allem in südlichen Ländern bekannt war. Besonders die Robustheit dieser Insekten lässt eine Ausbreitung auch in Deutschland wahrscheinlich erscheinen.
Im Kontext des Klimawandels könnte Mitteleuropa schon bald als Übertragungsgebiet für das Chikungunya-Virus fungieren. Laut einer Studie ist dies vor allem auf die Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke zurückzuführen, die durch Globalisierung und Erderwärmung begünstigt wird. Neben Europa könnten auch der Osten Nordamerikas, China und Japan von der Verbreitung dieser Infektionskrankheit betroffen sein, berichten chinesische Wissenschaftler um Ye Xu von der Zhejiang Chinese Medical University in Hangzhou im Fachjournal „Frontiers in Cellular and Infection Microbiology“.
Die Hauptüberträger des Chikungunya-Virus sind die Gelbfiebermücke (Aedes aegypti) und die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus). Letztere breitet sich seit Jahren in Europa aus und wird zunehmend auch in Deutschland gesichtet. Die Tigermücke, die auch das Dengue- und Zika-Virus übertragen kann, legt Eier ab, die Temperaturen bis zu minus 10 Grad Celsius überstehen können. „In unserer Studie spielte die Asiatische Tigermücke eine besonders wichtige Rolle und erklärte über 70 Prozent der prognostizierten Virusverbreitung“, wird Co-Autor Yang Wu vom Customs Technology Center in Guangzhou zitiert.
Prognosen und Risikobewertung
Die Studie basiert auf Klimasimulationen bis zum Jahr 2100. Derzeit gelten 139 Länder und Regionen als Risikogebiete für das Chikungunya-Virus, was etwa 21 Prozent der weltweiten Landfläche entspricht. „Unsere Klimamodelle zeigen jedoch, dass sich das Virus weiter nach Norden in gemäßigte Regionen ausbreiten wird, insbesondere nach Nordost-Nordamerika, Mitteleuropa und Ostasien“, erklärt Xu.
Vorbereitung der Gesundheitssysteme
Die Simulationen zeigen für alle Klimaszenarien ein steigendes Risiko für die Übertragung des Chikungunya-Virus in Teilen Mitteleuropas bereits bis 2040. In den folgenden Jahrzehnten könnten immer mehr Regionen, auch höher gelegene, betroffen sein. Neben Deutschland werden auch Großbritannien und Irland von dieser Ausbreitung betroffen sein.
„Die Bevölkerung muss nicht in Panik geraten, aber die Gesundheitssysteme sollten sich frühzeitig vorbereiten“, betont Xu. Er empfiehlt, das Monitoring von Aedes-Mücken zu intensivieren und Ärzte zu schulen, damit sie Chikungunya-Fieber schnell erkennen können. Zudem sollten Maßnahmen zur Mückenbekämpfung verstärkt und Notfallpläne entwickelt werden. „Die Begrenzung der weiteren globalen Erwärmung und Investitionen in grundlegende Vorsorgemaßnahmen könnten die Wahrscheinlichkeit verringern, dass sich eine zukünftige Ausbreitung zu großen Ausbrüchen entwickelt“, erklärt Xu.
Symptome und Gefahren
Chikungunya verursacht Fieber und starke Gelenkschmerzen. Zu den weiteren häufigen Symptomen zählen Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Müdigkeit und Hautausschlag. In der Regel heilen diese Symptome innerhalb weniger Tage aus, jedoch können die Gelenkschmerzen in einigen Fällen Wochen, Monate oder sogar Jahre anhalten. Tödliche Verläufe sind selten, das Virus stellt jedoch eine besondere Gefahr für chronisch Kranke, Schwangere und Säuglinge dar. Nach einer überstandenen Chikungunya-Infektion ist man nach aktuellem Kenntnisstand lebenslang immun.
In den letzten Jahren gab es bereits größere Ausbrüche in Italien, Frankreich und Spanien. Im Sommer des vergangenen Jahres wurden Fälle nur wenige Kilometer von der deutschen Grenze entfernt registriert. Eine Ansteckung durch Mücken in Deutschland wurde bislang jedoch nicht bekannt.
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Quellen: n-tv
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