In Nordrhein-Westfalen nehmen die Begegnungen mit den Brennhaaren des Eichenprozessionsspinners zu. Diese Entwicklung ist auf den Klimawandel zurückzuführen, der die Ausbreitung dieser Art in Deutschland begünstigt.
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner gehört zur Familie der Nachtfalter. Nach dem Hochzeitsflug im August legen die Weibchen etwa 150 Eier in Reihen im oberen Bereich der Eichenkrone ab. Je nach Witterung schlüpfen die Raupen zwischen Anfang April und Anfang Mai und durchlaufen fünf bis sechs Larvenstadien, die jeweils etwa zehn Tage andauern.
Bevor die Raupen sich verpuppen und zu Faltern werden, wandern sie von Ende Mai bis Juni in einer charakteristischen Prozession den Baumstamm hinunter, was dem Tier seinen Namen verleiht.
Wann besteht die größte Gefahr?
Die Raupen sind von Mitte April bis Ende Juni sichtbar. Ab dem dritten Larvenstadium entwickeln sie die gefährlichen Brennhaare, die mit bloßem Auge nicht erkennbar sind. Laut dem NABU wird die Gefahr durch die Raupen ab Anfang Mai besonders groß.
Wo ist der Eichenprozessionsspinner anzutreffen?
Der Eichenprozessionsspinner ist vor allem auf Eichen anzutreffen und bevorzugt warme, leicht feuchte Wälder. Er kann jedoch auch in urbanen Gebieten vorkommen, etwa an Alleen, in Gärten, Parks oder auf Friedhöfen.
Welche Gefahren gehen von den Raupen aus?
Ein einmaliger starker Raupenfraß schädigt Eichenbestände nicht nachhaltig. Wiederholte starke Befälle können jedoch die Bäume anfälliger für andere Schädlinge wie den Eichenprachtkäfer, Eichenmehltau oder Schwammspinner machen, so der NABU.
Für den Menschen können die Brennhaare der Raupen gefährlich sein. Symptome eines Kontakts können laut dem Umweltbundesamt Raupendermatitis, Hautausschläge oder Bindehautentzündungen umfassen. Auch Atemwegsreizungen, Schwindel und Fieber sind möglich. Schwere allergische Reaktionen sind jedoch selten.
Wie erkennt man ein Nest des Eichenprozessionsspinners?
Die Gespinstnester der Eichenprozessionsspinner sind oft nur an wenigen Stellen eines Baumes zu finden. Wenn jedoch im Frühjahr und Frühsommer ganze Büsche und Bäume eingesponnen sind, handelt es sich wahrscheinlich um die harmlosen Gespinstmotten, erklärt der NABU.
Welche vorbeugenden Maßnahmen werden ergriffen?
Die Straßen.NRW überwacht die Situation engmaschig. Besonders gefährdete Bereiche wie stark frequentierte Straßen, Rastplätze und Radwege werden präventiv mit einem zugelassenen Biozid behandelt, das die Raupen tötet, bevor sie Brennhaare entwickeln können.
Die Städte Kaarst und Gütersloh haben ebenfalls Maßnahmen ergriffen. In Kaarst wird die Ausbreitung der Raupen an 563 Eichen im Stadtgebiet eingedämmt, während Gütersloh die Bevölkerung um Mithilfe bei der Bekämpfung bittet. Nester sollen über ein Online-Portal gemeldet werden.
Welche natürlichen Maßnahmen sind möglich?
Der NABU empfiehlt, Nistkästen für Meisen aufzustellen, da diese in den frühen Entwicklungsphasen die Raupen fressen. Schüler der Josefschule in Gütersloh haben Nistkästen gebaut und auf dem Schulgelände aufgehängt.
Marie Hoffmann demonstriert auf Instagram, wie man den Entwicklungszyklus des Eichenprozessionsspinners auf natürliche Weise unterbrechen kann. Hierfür wird unbehandelte, idealerweise fettige Wolle um den Baumstamm gewickelt, um den Raupen den Zugang zum Boden zu verwehren. Ohne diesen Zugang können sie sich nicht verpuppen oder auf andere Bäume ausbreiten.
Wie kann man sich selbst schützen?
Der NABU empfiehlt, einen Abstand von zehn bis 15 Metern zu befallenen Bäumen einzuhalten. Parks, Wälder und Straßen mit vielen Eichen sollten ab Mai besser gemieden werden.
Wer mit den Raupenhaaren in Kontakt kommt, sollte vermeiden, sich mit den Händen ins Gesicht zu fassen, und sich schnell duschen sowie die Haare waschen. Auch die Kleidung, die während des Kontakts getragen wurde, sollte bei mindestens 60 Grad Celsius gewaschen werden.
Was sollten Hundebesitzer beachten?
Die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners sind nicht nur für Menschen gefährlich, sondern können auch bei Hunden schwere allergische Reaktionen hervorrufen. Obwohl die Hundehaut durch das Fell geschützt ist, sind die Tiere durch Schnüffeln und Lecken oft an Nase und Mund betroffen.
Der Kontakt mit den Raupenhaaren kann zu schweren Verätzungen und Schwellungen im Mundraum und an der Zunge führen, so das Gesundheitszentrum für Kleintiere Lüdinghausen. Bei Symptomen wie Juckreiz, Schwellungen oder Augenreizungen sollte umgehend ein Tierarzt aufgesucht werden.
Was sollten Gartenbesitzer beachten?
Wer im eigenen Garten ein Nest des Eichenprozessionsspinners entdeckt, sollte dieses nicht selbst entfernen, sondern einen Fachmann hinzuziehen. Üblicherweise werden die Nester abgesaugt oder abgeflammt. Der NABU empfiehlt jedoch das Absaugen, da das Abflammen Bäume schädigen und Brennhaare verteilen kann. Obst oder Gemüse, das in der Nähe des befallenen Baumes wächst, sollte nicht verzehrt werden.
Zur Vorbeugung sollten im Garten natürliche Feinde der Raupen gefördert werden, wie Kuckucke, Schlupfwespen und Raubfliegen. Der NABU rät von Insektiziden ab, da diese alle Insekten töten. Zudem sollten befallene Bäume nicht gefällt werden, da alte Eichen selten und wertvoll sind.
Quellen: WDR, regionalheute
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