Bei einer Großübung in Thüringen, die als lebensrettende Maßnahme konzipiert war, traten gravierende Mängel zutage. Die Simulation eines Brandes in einem ICE, der in einem Tunnel feststeckte, offenbarte erhebliche Schwächen in der Reaktionszeit der Rettungskräfte. Ein Feuerwehr-Experte äußerte sich besorgt:
„Wäre das hier echt, wären längst alle tot.“
Übung im Sandbergtunnel
Im 1320 Meter langen Sandbergtunnel zwischen Nürnberg und Erfurt wurde ein Szenario geprobt, bei dem ein brennender ICE mit 100 Fahrgästen, von denen einige schwer verletzt waren, evakuiert werden sollte. Die Übung sollte die Einsatzkräfte auf einen Ernstfall vorbereiten, doch die Realität sah anders aus. Die ersten Rettungskräfte erschienen erst zwei Stunden nach dem Notruf.
Verspätete Alarmierung
Der Lokführer hatte um 10:15 Uhr den Notruf an die Bahnleitstelle abgesetzt. Nach ersten Erkenntnissen wurde die Alarmierung jedoch viel zu spät weitergegeben. Berichten zufolge informierte die Bahn die Rettungsleitstelle Mittelthüringen erst 30 Minuten später über den Notfall. Es dauerte dann weitere 30 Minuten, bis die Feuerwehren alarmiert wurden. Ein Feuerwehr-Experte zog eine vernichtende Bilanz:
„Wäre das hier echt, wären längst alle tot.“
Beobachtungen des Innenministers
Die Übung, die mehr als zwei Jahre in der Planung war, fand unter den Augen von Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) statt. Daniel Baumbach, Sprecher des Thüringer Innenministeriums, bestätigte, dass es ein deutlich verspätetes Eintreffen mehrerer Tunnelbasiseinheiten gegeben habe.
„Bei der Alarmierung ist etwas schiefgegangen“,
sagte Baumbach. Die genauen Ursachen sollen von Fachleuten in den kommenden Wochen ausgewertet werden.
Weitere Pannen bei der Übung
Zusätzlich gab es Pannen bei der Information der Bevölkerung. Warnmeldungen über die Apps Nina und Katwarn sollten ausgespielt werden, erreichten jedoch nicht alle Nutzer. Die Übung, die dazu dienen sollte, Fehlerquellen aufzudecken, hat somit nicht nur die Reaktionszeiten der Rettungskräfte in Frage gestellt, sondern auch die Kommunikationswege zwischen den beteiligten Stellen.
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