Die Saison 2024/25 im deutschen Profifußball zeigt gemischte Sicherheitsbilanzen. Während die Zahl der Verletzten, insbesondere bei Polizisten und Ordnern, deutlich zurückging, verzeichnet die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) einen Anstieg bei gewaltbereiten Personen in den Fangemeinschaften. Die Zuschauerzahlen stiegen erfreulicherweise weiter an, was jedoch auch die Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden erhöht.
Wichtige Erkenntnisse
- Rückgang der Verletztenzahlen um 17,2% im Vergleich zur Vorsaison.
- Deutliche Reduzierung bei verletzten Polizisten (-48%) und Ordnern (-44%).
- Anstieg der gewaltbereiten Personen in Fangemeinschaften um 280 auf rund 18.000.
- Starker Anstieg des Missbrauchs von Pyrotechnik um 73%.
- Trotz sinkender Kennzahlen bleibt die Arbeitsbelastung der Polizei hoch.
Positive Entwicklungen bei Verletztenzahlen
Die Saison 2024/2025 brachte erfreuliche Nachrichten hinsichtlich der Verletztenzahlen im Ligaspielbetrieb der ersten drei Ligen. Insgesamt wurden 1.107 Personen verletzt, was einem Rückgang von 17,2% gegenüber der Vorsaison (1.338) entspricht. Besonders hervorzuheben ist die deutliche Abnahme bei verletzten Einsatzkräften: Die Zahl der verletzten Polizistinnen und Polizisten sank um 48% auf 160, und bei Ordnerinnen und Ordnern gab es einen Rückgang von 44% auf 89. Diese Entwicklung steht im Kontrast zur fast Verdopplung der Verletztenzahlen in der Saison 2023/2024.
Anhaltende Herausforderungen durch Unbeteiligte und Pyrotechnik
Trotz der positiven Entwicklung bei den verletzten Einsatzkräften bleibt die Anzahl der verletzten Unbeteiligten mit 624 (Vorjahr: 617) auf einem weiterhin hohen Niveau. Dies unterstreicht die Notwendigkeit intensiver Maßnahmen aller beteiligten Netzwerkpartner. Ein besorgniserregender Trend ist der massive Anstieg des Missbrauchs von Pyrotechnik. Obwohl die registrierten Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz (SprengG) von 721 auf 468 sanken, was zunächst nach einer Entspannung aussah, ist der tatsächliche Missbrauch von Pyrotechnik im und um die Stadien um 73% auf 4.783 Fälle gestiegen. Dies liegt daran, dass solche Vorfälle oft als Ordnungswidrigkeiten statt als Straftaten geahndet werden. Polizeidirektor Michael Madre, Leiter der ZIS, betonte, dass die Gefahr durch Pyrotechnik nicht geringer geworden sei und die Veranstalter konsequenter dagegen vorgehen müssten. 95 Personen wurden durch den missbräuchlichen Einsatz von Pyrotechnik verletzt, wobei von einem Dunkelfeld auszugehen ist.
Steigende Gewaltbereitschaft und Arbeitsbelastung der Polizei
Die Anzahl der Personen in den Anhängerschaften, die zu Gewalt neigen oder diese suchen, ist um 280 auf rund 18.000 gestiegen. Dies, zusammen mit der weiterhin hohen Anzahl verletzter Unbeteiligter, zeigt, dass die Gewaltproblematik in Teilen der Fanszenen fortbesteht. Die polizeilichen Einsatzkräfte mussten trotz eines Rückgangs der eingeleiteten Strafverfahren um 22% auf 5.197 mehr freiheitsentziehende und -beschränkende Maßnahmen vornehmen (Anstieg von 5.892 auf 6.028). Die Arbeitsbelastung der Polizei, gemessen in Stunden, reduzierte sich zwar um 8,8% auf 2.622.691 Stunden, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Die Zuschauerzahlen sind im Vergleich zur Vorsaison um etwa 15% auf rund 32,95 Millionen gestiegen, was die Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden weiter erhöht.
Drittortauseinandersetzungen und Stadionverbote
Die ZIS registrierte auch im aktuellen Berichtszeitraum wieder verschiedene Drittortauseinandersetzungen, wie den Angriff von rund 100 mutmaßlichen Gewalttätern auf einen Sonderzug zwischen Berlin und Rostock im Oktober 2024. Der Leiter der ZIS unterstrich die Notwendigkeit, solche Gewaltausbrüche frühzeitig zu unterbinden und die Präventionsarbeit, insbesondere durch Vereine mittels Stadionverboten, weiter zu stärken. Aktuell sind fast 600 bundesweit wirksame Stadionverbote in Kraft.
Die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) beim Landesamt für Zentrale Polizeiliche Dienste NRW veröffentlicht jährlich diesen Bericht, um eine objektive Grundlage für die Analyse von Trends und Entwicklungen im Bereich Fußball und Gewalt zu bieten.