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Was die Ärzte über Böllerverletzungen in Silvesternacht berichten

Interview Böllerverletzungen im Unfallkrankenhaus „Bei vielen dieser Kinder konnten wir die Finger nicht retten“ Im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte besonders…

Was die Ärzte über Böllerverletzungen in Silvesternacht berichten

Interview

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Böllerverletzungen im Unfallkrankenhaus

„Bei vielen dieser Kinder konnten wir die Finger nicht retten“

Im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) sind die behandelnden Ärztinnen und Ärzte besonders erfahren in der Behandlung komplizierter Unfallverletzungen, die insbesondere während der Silvesternächte häufig auftreten. In diesem Jahr wurden 30 schwerverletzte Patienten in die Notaufnahme gebracht. Die Handchirurgin Leila Harhaus-Wähner erläutert, dass viele Betroffene aufgrund der Explosionen von Böllern langfristige Folgen davontragen werden.

Interview mit Frau Harhaus-Wähner, welche Erfahrungen haben Sie aus der Silvesternacht gewonnen?

Leila Harhaus-Wähner: Wir arbeiteten in drei handchirurgischen Sälen parallel und sahen durchgehend ähnliche Verletzungsmuster. Insbesondere viele Jugendliche erlitten schwere Verletzungen, nachdem sie Böller in der Hand zündeten. Dies führte zu amputierten Fingern, zerstörten Nerven und Weichteilen sowie Knochenbrüchen.

Des Weiteren gab es ebenfalls Gesichtsverletzungen mit Augenbeteiligung, da viele sich über die Böller beugten, um deren Zündung zu beobachten. Insgesamt handelt es sich um über 30 schwerverletzte Personen, darunter acht Kinder.

Wie schätzen Sie die Situation in diesem Jahr ein?

Harhaus-Wähner: Dieses Jahr beobachten wir eine alarmierende Zunahme von Verletzungen bei Kindern. Es sind insbesondere Teenager betroffen, die sich der Risiken nicht bewusst sind und die Böller in der Hand zünden. Hierbei kam es zu schwersten Amputationsverletzungen. In vielen Fällen war es uns nicht möglich, die Finger der Kinder zu retten, was die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen wird, da oft mehrere Finger an der dominanten Hand fehlen.

Wie lange waren Sie und Ihr Team im Einsatz?

Harhaus-Wähner: Ab Mitternacht begann die Triage, und wir waren darauf vorbereitet, zeitgleich in drei Sälen zu operieren. Dies war während der gesamten Nacht erforderlich.

Erwarten Sie weitere Patienten am Neujartag?

Harhaus-Wähner: In der Vergangenheit haben wir oft festgestellt, dass im Laufe des 1. Januar, manchmal auch am 2. Januar, zusätzliche Patienten eintreffen. Dies sind zum einen die, die ihren Rausch ausschlafen und später feststellen, dass mit ihrer Hand etwas nicht stimmt. Tragischerweise sind es häufig auch Kinder, die mit Blindgängern spielen und erneut versuchen, diese zu zünden, was eine weitere Welle schwerer Verletzungen zur Folge hat.

Wie reagieren die Patienten und deren Angehörige auf derartige Verletzungen?

Harhaus-Wähner: Die Betroffenen sowie ihre Angehörigen sind meist sehr schockiert. Oftmals kommt die Einsicht erst am folgenden Morgen, wenn die Wirkung des Alkohols nachlässt. Für uns hingegen ist es Routine, wir arbeiten analytisch. Bei der ersten Sichtung der Verletzungen ermitteln wir schnell die benötigten Schritte im Operationssaal. Doch der Schock betrifft in der Regel die Angehörigen.

Was sind die häufigsten Ursachen für diese Verletzungen bei Jugendlichen?

Harhaus-Wähner: Die häufigsten Opfer sind Jugendliche zwischen elf und 18 Jahren. Hierbei beobachten wir ein hohes Risiko durch unvorsichtigen Umgang mit Böllern. Ein elfjähriger Junge hatte den Böller in der Hand und ließ ihn nicht los, was zu schweren Verletzungen führte.

Gibt es Informationen über die Situation der Eltern?

Harhaus-Wähner: Dazu kann ich Ihnen aktuell keine Auskunft geben. Der hohe Patientenaufkommen in der Silvesternacht lässt uns nicht die Möglichkeit, in Details zu gehen. Unser Fokus liegt auf der medizinischen Versorgung der Verletzungen.

Könnten Sie ein Beispiel für eine Verletzung nennen?

Harhaus-Wähner (zeigt Röntgenbild): Das Bild zeigt einen 14-jährigen Jungen, der als Rechtshänder den Böller in seiner rechten Hand hatte. Der Daumen, der Zeigefinger und der Mittelfinger sind vollständig verloren gegangen. In den Weichteilen sind nur noch kleine knöcherne Überreste vorhanden, die nicht mehr zu retten sind. Hier bleibt uns nur die Amputation. In einem anderen Fall konnten die Augen eines verletzten Patienten durch die Kollegen der Augenheilkunde gerettet werden, jedoch bleibt die Situation äußerst kritisch.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview wurde bearbeitet und angepasst.

Bildquelle: Birgit Böllinger auf Pexels

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