Seit der Enthüllung des Luce durch Ferrari sind die sozialen Medien von Kritik und Spott geprägt, da das erste elektrische Modell des Herstellers als „speziell“ wahrgenommen wird. Solche Reaktionen sind in der Automobilbranche nicht ungewöhnlich und führen nicht zwangsläufig zu einem Misserfolg. Fünf Beispiele verdeutlichen dies.
Die Wahrnehmung von Autodesign
Autodesign ist seit jeher eine Frage des Geschmacks. In der heutigen Zeit wird dieser Geschmack jedoch in Echtzeit in Kommentarspalten, Foren und sozialen Medien diskutiert, wo ein neues Modell innerhalb von Minuten vom Hoffnungsträger zur Lachnummer degradiert werden kann. Dies ist aktuell beim Ferrari Luce der Fall. Kaum war das erste elektrische Modell des Herstellers vorgestellt, hagelte es Kritik an dem revolutionären Design, das von Jony Ive, dem ehemaligen Apple-Designer, entworfen wurde. Viele Fans der Marke, die auf eine elektrische Neuauflage des F40 oder Testarossa gehofft hatten, fühlen sich enttäuscht.
Ferrari ist mit diesem Dilemma jedoch nicht allein. Vor zwei Jahren ging Jaguar einen ähnlichen Weg, vielleicht sogar noch konsequenter. Mit dem Type 00 demonstrierten die Briten den Bruch mit ihrer eigenen Vergangenheit und machten deutlich, dass ein Neustart wichtiger ist als nostalgische Rücksichtnahme. Im Gegensatz dazu versucht Ferrari, zwei Welten parallel zu bedienen: einerseits die klassischen Hochleistungsmodelle für die treue Stammkundschaft und andererseits den elektrischen Aufbruch für neue Käufer und eine neue Ära. Jaguar setzte auf einen radikalen Neuanfang, während Ferrari den Spagat wagt.
Emotionale Diskussionen über Strategiewechsel
Solche Strategiewechsel werden besonders emotional diskutiert, da es bei diesen Fahrzeugen nicht nur um Design geht. Es geht um Identität, Markentreue und die Frage, wem eine Marke gehört: den bisherigen Fans oder den zukünftigen Kunden. Der digitale Reflex ist jedoch als Marktforschung nur bedingt brauchbar. Nicht jedes verrissene Auto floppt, und nicht jedes polarisierende Design ist automatisch ein Fehler. Die entscheidende Frage ist, ob ein Auto beim ersten Blick provoziert und ob diese Provokation Kunden abschreckt oder neugierig macht.
Beispiele aus der Automobilgeschichte
Die Geschichte des Automobils bietet zahlreiche Beispiele mit unterschiedlichen Ausgängen. Einige Modelle sind aufgrund ihres Designs krachend gescheitert, während andere trotz aller Häme erfolgreich waren. Einige Fahrzeuge wurden erst Jahre später vom Gespött zum Kultobjekt.
Ferrari Luce
Ferrari und Vernunft scheinen nur schwer zusammenzupassen. Daher hatte der italienische Hersteller offenbar große Mühe mit der Gestaltung seines ersten Elektroautos. Auf den ersten Blick wirkt das eigenwillig gestaltete Glashaus auf großen Rädern eher wie ein Spielzeug als ein begehrenswertes Objekt für Autofans. Statt Maranello assoziieren viele eher Cupertino, was nicht verwunderlich ist, da der ehemalige Apple-Designchef das Styling verantwortet.
Die sozialen Medien waren bereits Minuten nach der Premiere voller Hass und Häme. Doch dies sagt wenig über den Markterfolg aus. Ferrari verkauft keine Volumenmodelle, sondern Exklusivität. Die Marke lebt nicht davon, dass Kommentarspalten applaudieren, sondern dass Kunden mit entsprechendem Kontostand auf Wartelisten stehen. Selbst wenn Puristen zetern, könnte das Modell wirtschaftlich erfolgreich sein. Als erster elektrischer Ferrari hat es ohnehin historische Relevanz, unabhängig von der Beliebtheit.
Ford Edsel
Der Ford Edsel ist zum Synonym für das Scheitern geworden. Ford investierte Ende der 1950er Jahre massiv in eine neue Marke zwischen Mercury und Ford, begleitet von einem riesigen Marketing-Hype. Doch als das Auto 1957 auf den Markt kam, war die Reaktion frostig. Besonders die Front mit dem markanten vertikalen Kühlergrill wurde gnadenlos verspottet, nicht zuletzt wegen der optischen Nähe zu einem weiblichen Genital in den damals noch prüden USA.
Das Design war jedoch nur ein Teil des Problems. Der Markt kippte in Richtung Rezession, die Positionierung war unklar, und die Qualität ließ zu wünschen übrig. Trotz dieser Schwierigkeiten wurde das Erscheinungsbild zum sichtbaren Symbol des Debakels. Der Verkauf blieb dramatisch hinter den Erwartungen zurück, und das Projekt wurde bald eingestellt. Heute ist der Edsel kein Designheld, sondern ein Sammlerstück mit historischem Kuriositätenwert.
Fiat Multipla
Der 1999 vorgestellte Fiat Multipla sah aus, als hätte jemand zwei Autos übereinandergestapelt. Die zusätzliche Lichtleiste unter der Windschutzscheibe machte ihn zum Liebling jeder Hässlichkeitsliste. Dennoch wäre es unfair, ihn als Flop abzutun. Fiat hatte kein Schönheitsobjekt geschaffen, sondern ein Raumwunder. Sechs vollwertige Sitze auf kompakter Grundfläche, drei davon in der ersten Reihe, und enorme Alltagstauglichkeit überzeugten viele Familien mehr als jede Designkritik.
Obwohl der Multipla nie ein Massenseller wurde, verkaufte er sich solide und erfüllte seinen Zweck. Erst das spätere Facelift machte ihn optisch konventioneller und interessanterweise auch langweiliger. Heute genießt der frühe Multipla beinahe einen Kultstatus, nicht trotz seines Gesichts, sondern gerade wegen dessen.
Ford Scorpio
Der erste Ford Scorpio war ein solides, respektables Auto. Der Nachfolger von 1994 hingegen wirkte wie ein gestalterischer Unfall. Die Front mit ihren glubschigen Scheinwerfern und der unklaren Formensprache irritierte selbst loyale Ford-Kunden. Das walfischrunde Heck machte die Sache nicht besser.
In einer Klasse, in der Käufer auf Status und konservative Eleganz achten, wirkte der Scorpio wie ein Exot ohne klare Botschaft. Das Design beschleunigte den Absturz sichtbar. Kein Wunder, dass Ford den Namen bald aufgab und es mit dem Mondeo erneut versuchte.
Pontiac Aztek
Kaum ein Auto wurde so einhellig verspottet wie der Pontiac Aztek (2001-2005). Zu kantig, zu zerklüftet und chaotisch – es schien, als hätte ein Designteam ohne Kommunikation gearbeitet. Das Urteil war brutal, und die Verkaufszahlen spiegelten dies wider.
Pontiac hatte auf ein junges, aktives Publikum gehofft, doch der Aztek wurde zum Paradebeispiel misslungener Produktgestaltung. Erst Jahre später begann eine späte Rehabilitierung, nicht durch Designkritiker, sondern durch die Popkultur, insbesondere durch die TV-Serie „Breaking Bad“. Heute hat der Aztek einen ironischen Kultstatus, doch das ist die Art von Ruhm, mit dem kein Hersteller seine Bilanz retten kann.
Wenn Sie mehr über die Herausforderungen und Probleme von Automobilherstellern erfahren möchten, werfen Sie einen Blick auf die betroffenen Mercedes-Modelle.
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Quellen: n-tv
Bildquelle: Glomex