Aktuellen Studien zufolge ist jeder dritte Haushalt in Deutschland, der zur Miete wohnt, von den Kosten für Kaltmiete und Heizungen überlastet. Der Deutsche Mieterbund bezeichnet diese Zahlen als „alarmierend“ und fordert umgehende Maßnahmen.
Etwa 3,2 Millionen der rund 20 Millionen Mieterhaushalte in Deutschland geben mehr als 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für Wohnkosten aus. Dies geht aus einer Untersuchung des Instituts Wohnen und Umwelt (IWU) hervor, die im Auftrag des Mieterbunds durchgeführt wurde.
Zusätzlich wenden 3,4 Millionen Haushalte zwischen 30 und 40 Prozent ihres Nettoeinkommens für Kaltmiete und Heizkosten auf. Insgesamt sind somit laut IWU und Mieterbund etwa 6,6 Millionen Mieterhaushalte überlastet.
„Alarmierende Zahlen“
Melanie Weber-Moritz, die Präsidentin des Deutschen Mieterbunds, äußerte sich besorgt über die Situation: „Die Bundesregierung muss jetzt Mieterinnen und Mieter vor weiteren Belastungen schützen.“ Die Studie stützt sich auf Daten des Mikrozensus 2022, die auf den neuesten Stand von 2024 fortgeschrieben wurden.
Demnach gehören 42 Prozent, also 8,3 Millionen der Mieterhaushalte, zum unteren Einkommensdrittel, mit einem durchschnittlichen Haushaltsnettoeinkommen von 1.417 Euro pro Monat. Diese Gruppe sei mit ihren Wohnkosten am „finanziellen Limit“. Besonders betroffen seien die untersten zehn Prozent der Einkommensverteilung, die eine durchschnittliche Wohnkostenbelastung von 60 Prozent aufweisen.
In Deutschland gibt es derzeit einen Mangel von etwa 1,4 Millionen Wohnungen. Ein neuer Gesetzentwurf soll den Wohnungsbau beschleunigen.
Überlastung in Deutschland im Vergleich zur EU
Das Statistische Bundesamt sieht hingegen einen geringeren Anteil der Bevölkerung, der von Wohnkosten überlastet ist. Im Jahr 2025 waren 11,2 Prozent der Menschen in Deutschland betroffen, was etwa jedem Neunten entspricht. Diese Zahlen basieren auf früheren europäischen Daten und berücksichtigen sowohl Miet- als auch Eigentümerhaushalte.
Ein Grund für die unterschiedlichen Statistiken ist die strengere Definition der Statistiker, die Haushalte erst dann als überbelastet einstufen, wenn sie mehr als 40 Prozent ihres Einkommens für Wohnen aufwenden. Nach den IWU-Daten wären dies 16 Prozent der Mieterhaushalte.
Nach Angaben von Destatis lag Deutschland im vergangenen Jahr über dem EU-Durchschnitt von 7,7 Prozent. Nur in Dänemark (23,4 Prozent) und Griechenland (26,4 Prozent) war die Überlastung durch Wohnkosten noch verbreiteter. Am wenigsten betroffen waren die Haushalte in Kroatien (3,2 Prozent) und Zypern (2,4 Prozent).
Steigende Mieten belasten neue Mieter
Der Anstieg der Mieten trägt zur erhöhten Wohnkostenbelastung vieler deutscher Haushalte bei, insbesondere für diejenigen, die kürzlich umgezogen sind. Der Mieterbund berichtet, dass die Mieten in neuen Verträgen seit 2020 im Durchschnitt um mehr als ein Fünftel gestiegen sind, was zu einer 33-prozentigen höheren Belastung für neue Mieterhaushalte führt.
Besonders in Großstädten ist die Situation kritisch: In Berlin liegen die Mieten für Haushalte, die nach 2020 eingezogen sind, im Durchschnitt 29 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt aller Mietverträge. In München sind es 26 Prozent und in Frankfurt 25 Prozent.
Viele Menschen mit einem bezahlbaren Mietvertrag scheuen einen Umzug, was den Mietmarkt zusätzlich belastet. Die Wohnkostenbelastung in Metropolen liegt bei über 30 Prozent und bei neuen Mietverträgen sogar über 35 Prozent, so der Mieterbund.
Forderungen des Mieterbundes
Der Mieterbund fordert, die steigende Mietpreisspirale zu stoppen. Weber-Moritz betont, dass die Bundesregierung die geplante strengere Ahndung von Mietwucher umsetzen und die Mietpreisbremse verschärfen sollte. Verstöße müssten mit hohen Bußgeldern geahndet werden, um Mieterinnen und Mieter vor illegalen Mietüberhöhungen zu schützen.
Die Mietpreisbremse, die in angespannten Wohnungsmärkten bis 2029 gilt, sollte entfristet und bundesweit angewendet werden. In Berlin waren zuletzt nur in fünf Prozent der von der Mietpreisstelle geprüften Fälle die Mieten „mietpreisrechtlich zulässig“, wie die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen mitteilte.
Darüber hinaus fordert der Mieterbund, dass der Bestand an Sozialwohnungen bis 2030 von zuletzt 1,1 Millionen auf mindestens zwei Millionen erhöht wird. Auch müsse es mehr öffentliche Wohnungen geben, um ein dauerhaft preisgebundenes und bezahlbares Segment im Mietwohnungsmarkt zu etablieren.
Quellen: tagesschau
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