Die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Bereichen wie autonomem Fahren, Bildbearbeitung und medizinischen Analysen wirft zentrale Fragen auf. Experten warnen vor den Risiken eines unreflektierten Einsatzes dieser Technologien.
Die Illusion der Menschlichkeit
Maximilian Kiener, vom Institut für Ethik in der Technologie an der Technischen Universität Hamburg, betont:
„Die KI kann rechnen, aber entscheiden muss der Mensch.“
In einer Welt, in der KI scheinbar die Antworten auf viele Herausforderungen bietet, sei es bei Karriereentscheidungen oder in therapeutischen Kontexten, ist das Vertrauen in diese Systeme oft unkritisch. Kiener warnt, dass die Menschlichkeit, die diesen Technologien zugeschrieben wird, eine gefährliche Illusion darstellt.
„Was gar nicht geht, sind Wertsetzungen. Welchen Karriereweg soll ich verfolgen? Anwalt werden, Ärztin werden? Da gibt es nicht die eine Antwort. Das ist auch keine Rechenaufgabe,“
erklärt er weiter.
Soziale Fragestellungen und Innovation
Bei Themen wie Einsamkeit oder Bildung handelt es sich häufig um soziale Fragestellungen, die nicht einfach durch technische Lösungen gelöst werden können. Kiener sieht in vielen neuen KI-Anwendungen keine echte Innovation:
„Dinge, die nur neu sind, sind keine Innovation. Ich tue mich beispielsweise sehr schwer, Deepfake-Bilder von Kindern, die vielleicht auch sexualisiert dargestellt werden, als Innovation zu erkennen.“
Ethik sei nicht hinderlich für die Entwicklung von KI, sondern mache sie erst wirklich nützlich für den Menschen. Optimal sei eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.
Der sokratische Chatbot
Matthias Uhl, Professor für Wirtschafts- und Sozialethik an der Universität Hohenheim, hat einen sokratischen Chatbot entwickelt, der sich von herkömmlichen KI-Systemen unterscheidet.
„Die sokratische KI stellt Fragen und hilft mir, meine eigene Lösung auf die Probleme zu finden, anstatt mir direkte Antworten zu geben.“
In mehreren Experimenten hat ein Team der Universität Hohenheim und der Universität Bamberg festgestellt, dass dieser angepasste Chatbot den Nutzern helfen kann, moralisch ausgewogenere Entscheidungen zu treffen. Dennoch zeigt sich eine Herausforderung:
„Die rückfragende KI wird weniger gerne gewählt. Wenn man den Leuten die Wahl lässt, dann wollen sie lieber direkten Ratschlag bekommen,“
sagt Uhl. Zukünftig soll ein ansprechendes Design die Nutzung attraktiver gestalten.
Skepsis im medizinischen Bereich
Während private Nutzer oft schnell Vertrauen in Künstliche Intelligenz fassen, sind Fachleute, insbesondere im medizinischen Bereich, häufig skeptisch. KI-Systeme können Röntgenbilder schnell und zuverlässig auswerten, doch viele Mediziner tun sich schwer mit der Technik. Eine Studie zeigt, dass Experten, die viel wissen, KI-Analysen oft unterschätzen, auch wenn diese genauer sind. Uhl meint, dass eine neue KI helfen könnte:
„Wenn das System seine Unsicherheit offenlegt, dann kann es auch dazu führen, dass der Empfänger dem Rat stärker vertraut, wenn es beispielsweise sagt, ich bin mir bei dieser Klassifikation zu 90 Prozent sicher.“
Bereits im kommenden Jahr sollen Fachleute aus der Medizin das neue KI-System testen können.
Quellen: tagesschau