Es ist naheliegend, die vorinstallierten E-Mail-Programme auf Windows-PCs und Mac-Rechnern zu verwenden. Dennoch gibt es gleichwertige oder sogar überlegene Alternativen. Zwei Clients stechen nicht nur bei einer Prüfung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hervor, sondern es gibt auch eine dritte Option, die als interessanter Kompromiss betrachtet werden kann.
Es gibt verschiedene Gründe, die vorinstallierten E-Mail-Programme zu meiden. Bei Microsoft Outlook bestehen beispielsweise Datenschutzbedenken, da der Client Daten und Nachrichten an die Server des Herstellers überträgt. Nutzer von Apple Mail könnten sich zudem mehr Funktionen wünschen. Das Angebot an Alternativen ist umfangreich, aber laut Tests des BSI und der belgischen Verbraucherschutzorganisation Testachats bieten sich insbesondere zwei Programme an. Zusätzlich gibt es eine schnelle Variante eines dieser beiden Clients.
Sicherheit als oberste Priorität
Bei der Auswahl von E-Mail-Programmen sollte die Sicherheit an erster Stelle stehen. E-Mails enthalten häufig sensible private und berufliche Informationen, die vor unbefugtem Zugriff geschützt werden müssen. Auch der Schutz von Zugangsdaten zu den verbundenen Konten ist von Bedeutung. In diesem Zusammenhang ist die Abwehr von Phishing-Angriffen besonders wichtig. Obwohl Phishing derzeit aufgrund der Signal-Kampagne im Fokus steht, geschieht es häufig über manipulierte E-Mails.
Ergebnisse aktueller Tests
Die elf Clients für Windows 11 und macOS Tahoe, die das BSI untersucht hat, erfüllen größtenteils die grundlegenden Sicherheitsanforderungen. Dazu gehören unter anderem integrierte Spam- und Junkfilter. Neun der getesteten Programme bieten zudem eine nutzbare Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. Das Bundesamt lobt außerdem, dass alle Programme über einfache Update-Mechanismen verfügen, die es ermöglichen, Sicherheitslücken zeitnah zu schließen. Leider prüfen nur Gmail und Proton Mail aktiv Anhänge auf Schadsoftware oder isolieren diese.
Testachats hat zwar ebenfalls die Sicherheit der Programme bewertet, jedoch lag der Schwerpunkt auf praktischen Aspekten. Dazu zählen Funktionalität und Vielseitigkeit der getesteten Kandidaten, wie Optionen zum Lesen, Schreiben, Senden und Organisieren von E-Mails sowie Filter-, Such- und Kalenderfunktionen. Die Benutzerfreundlichkeit und der Komfort wurden anhand der Verständlichkeit der Oberfläche, der Einrichtung von Konten und der Alltagstauglichkeit der Funktionen beurteilt.
Mozilla Thunderbird: Eine quelloffene und sichere Lösung
Zusammenfassend empfehlen beide Tests zwei Programme. Wenn es um eine quelloffene, kostenlose Lösung geht, ist das weit verbreitete Mozilla Thunderbird die erste Wahl. Das spendenfinanzierte, werbefreie Programm hat sich in den Tests von Testachats als besonders leistungsfähig erwiesen und bietet einen umfangreichen Funktionsumfang, der auch für anspruchsvollere Nutzer geeignet ist. Die Organisation hebt die starke Verwaltung mehrerer Konten sowie die guten Organisations- und Suchfunktionen hervor. Allerdings kann der Client auch etwas unübersichtlich und überladen wirken.
In der BSI-Prüfung hat sich Thunderbird als besonders ausgewogen erwiesen, da das Programm die meisten Sicherheitsanforderungen erfüllt. Dazu gehören unter anderem quelloffene Standards (S/MIME, OpenPGP) für eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung von Nachrichteninhalten, ein zuverlässiger Phishing-Schutz und die lokale Speicherung auf dem Computer. Ein Nachteil von Mozilla Thunderbird ist, dass er Anhänge nicht aktiv überprüft und potenziellen Schadcode isoliert. Er warnt lediglich vor möglichen Gefahren, wenn bestimmte Dateitypen oder Dateien mit verdächtigen Endungen im Anhang sind.
eM Client: Benutzerfreundlichkeit und Funktionsvielfalt
Eine benutzerfreundlichere Alternative ist der eM Client. Testachats lobt die Leistungsfähigkeit und den umfangreichen Funktionsumfang des tschechischen Programms, das auch Übersetzungen und Automatisierungen bietet. Besonders hervorzuheben ist die große Benutzerfreundlichkeit. Bereits beim Einrichten ermöglicht der Client den bequemen Import von Einstellungen aus anderen Programmen. Zudem bietet er eine moderne und übersichtliche Oberfläche sowie individuelle Anpassungsoptionen.
Die Vergleichstabelle des BSI zeigt, dass der eM Client in Bezug auf Sicherheit und Datenschutz ebenso gut abschneidet wie Mozilla Thunderbird. Daher könnte die tschechische Alternative insgesamt die Nase vorn haben. Allerdings kann das Programm nur mit maximal zwei Konten auf einem Endgerät kostenlos genutzt werden. Ansonsten kostet der Client für bis zu drei Endgeräte knapp 60 Euro oder 40 Euro als Jahresabo. Für rund 150 Euro erhält man „lebenslange Upgrades“. Die Apps für iOS und Android sind derzeit grundsätzlich kostenlos.
Betterbird: Eine verbesserte Thunderbird-Variante
Als möglicher Kompromiss bietet sich Betterbird an. Dabei handelt es sich um einen optimierten Thunderbird-Ableger, ein ebenfalls spendenfinanziertes Projekt des ehemaligen Mozilla-Hauptentwicklers Jörg Knobloch. Die Entwickler bezeichnen es als „Thunderbird auf Steroiden“. Betterbird soll in dreierlei Hinsicht überlegen sein: Es bietet exklusive neue Funktionen, spezielle Fehlerbehebungen und Korrekturen, die Thunderbird möglicherweise erst später erhält.
Die Ähnlichkeit zu Thunderbird ist groß, sodass sich Nutzer, die mit Thunderbird vertraut sind, schnell in Betterbird zurechtfinden. Der Ableger gilt jedoch nicht nur aufgrund häufigerer Aktualisierungen als stabiler, schneller und sicherer. Auch in der Benutzerfreundlichkeit bietet er Vorteile gegenüber dem Original.
Das Programm bietet unter anderem eine mehrzeilige E-Mail-Ansicht, vertikale Tabs/Layout-Varianten, eine detailliertere Darstellung von Konversationen und die Möglichkeit, Konten und Ordnern unterschiedliche Farben zuzuordnen. Darüber hinaus gibt es erweiterte Filter- und Suchfunktionen sowie Extras wie die Option, Anhänge oberhalb der Nachricht anzuzeigen. Betterbird hat derzeit keine Smartphone-Apps, und es sind auch keine geplant.
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