Schleswig-Holstein strebt digitale Unabhängigkeit an: Umstellung auf Open-Source-Systeme
Die zentrale Frage der digitalen Souveränität steht im Raum, während Schleswig-Holstein einen mutigen Schritt wagt: Die gesamte Landesverwaltung, die aus 60.000 Rechnern besteht, wird von Microsoft und anderen proprietären Softwarelösungen auf Open-Source-Systeme umgestellt. Staatskanzleichef Dirk Schrödter betont die Notwendigkeit, dass der Staat die Kontrolle über seine Daten behalten muss, um unabhängiger von großen Tech-Konzernen zu werden.
Der Konflikt um digitale Souveränität
Schrödter erklärt, dass die bisherigen Lösungen, die in der Landesverwaltung verwendet wurden, wie Microsoft Office und Windows, nicht mehr tragbar sind. „Wir setzten, wie wahrscheinlich fast jede Verwaltung der Welt, bisher Microsoft-Lösungen ein“, so Schrödter. Diese Abhängigkeit von proprietären Softwarelösungen stellt ein Risiko für die digitale Souveränität des Landes dar.
Positionen zur digitalen Transformation
Die Umstellung auf Open-Source-Lösungen wird als entscheidender Schritt angesehen, um die Kontrolle über die eigenen Daten zu gewährleisten. Schrödter hebt hervor: „Wir müssen die Betriebsprozesse unserer IT-Systeme beeinflussen können. Als Land müssen wir Herr über unsere Datenhaltung sein.“ Dies sei besonders wichtig im Hinblick auf den US Cloud Act, der es der US-Regierung ermöglicht, auf Daten von US-Techfirmen zuzugreifen, unabhängig davon, wo diese gespeichert sind.
Fakten zur Umsetzung des Projekts
Der Prozess der Umstellung ist bereits in vollem Gange. Die Landesverwaltung hat begonnen, Microsoft Office durch LibreOffice zu ersetzen und Windows durch Linux. Im vergangenen Jahr wurde eine Migration von Microsoft Exchange und Outlook auf Open-Xchange und Thunderbird durchgeführt, bei der 44.000 Postfächer mit 110 Millionen Kalendereinträgen und E-Mails erfolgreich umgezogen wurden. Schrödter beschreibt das Projekt als eines der größten IT-Vorhaben einer Verwaltung weltweit.
Herausforderungen und Lösungen
- Die Umstellung erforderte umfangreiche Vorbereitungen, sowohl technisch als auch organisatorisch.
- Für die Einführung von Open-Xchange wurden 18 Schulungsvideos erstellt, um die Mitarbeiter zu schulen.
- Die IT-Dienstleister mussten schnell lernen und arbeiteten oft unter hohem Druck, um Lösungen zu finden.
Die Vorteile von Open Source
Schrödter betont, dass Open-Source-Lösungen nicht nur Transparenz bieten, sondern auch eine Unabhängigkeit von monopolistischen Preissetzungen ermöglichen. „Wir können in einem Wettbewerbsverfahren das Unternehmen auswählen, mit dem wir die Weiterentwicklung und den Support machen“, erklärt er. Dies schafft eine vielfältige Anbieterlandschaft und fördert den Wettbewerb.
Zusammenarbeit mit professionellen Anbietern
Die Umstellung auf Open Source bedeutet nicht, dass die Lösungen von Amateuren entwickelt werden. Schrödter stellt klar: „Wir arbeiten ausschließlich mit hochprofessionellen Unternehmen zusammen und setzen millionenfach erprobte Open-Source-Lösungen ein.“ Dies gewährleiste sowohl die Qualität als auch die Sicherheit der Systeme.
Der Weg in die digitale Zukunft
Die digitale Transformation in Schleswig-Holstein ist ein wegweisendes Beispiel für andere Bundesländer. Die Entscheidung, auf Open-Source-Systeme umzusteigen, könnte als Modell für eine unabhängige und souveräne digitale Infrastruktur dienen. Schrödter schließt mit den Worten: „Echte digitale Souveränität ist daher nur mit dem Einsatz von Open Source erreichbar.“ Diese Vision könnte nicht nur Schleswig-Holstein, sondern auch andere Regionen in Deutschland inspirieren, ähnliche Schritte zu unternehmen.
Quellen: n-tv