Bei der Verleihung des Talisman-Preises der Deutschlandstiftung Integration kam es zu einem bemerkenswerten Protest. Zahlreiche Stipendiatinnen und Stipendiaten verließen demonstrativ den Saal während der Rede des Schirmherrn, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). Die Aktion richtete sich gegen seine Aussagen zur Migrationspolitik und zum "Stadtbild".
Hintergrund des Protests
Die Deutschlandstiftung Integration zeichnet jährlich Personen aus, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzen. In diesem Jahr war Bundeskanzler Friedrich Merz Schirmherr der Veranstaltung. Mehr als 60 ehemalige und aktive Stipendiaten sowie Akteure der Zivilgesellschaft und Mentorinnen nahmen an der Protestaktion teil. Sie betonten, dass sie nicht als "gute Migranten" instrumentalisiert werden wollen und kritisierten Merz‘ Äußerungen, darunter auch frühere Aussagen wie die über "kleine Paschas".
Beweggründe der Stipendiaten
Eine Stipendiatin, die anonym bleiben möchte, erklärte gegenüber rbb|24 die Motivation hinter dem Protest: "Wir sind der Meinung, dass ein Bundeskanzler solche Aussagen nicht tätigen sollte." Die Gruppe wollte ein klares Zeichen gegen die Migrationspolitik und die "Stadtbildaussage" von Merz setzen. Ihr Aufdruck "Wir sind das Stadtbild, keine Spaltung auf unseren Nacken" unterstrich ihre Forderung, dass die Menschenwürde nicht an Arbeitsleistung geknüpft sein dürfe. Die Aktion war lange geplant und wurde innerhalb der Stipendiaten-Gemeinschaft intensiv diskutiert, nachdem bekannt wurde, dass Merz die Schirmherrschaft übernehmen würde.
Die Protestaktion im Detail
Die Protestierenden hatten sich entschieden, beim ersten Wort von Merz aufzustehen und den Saal schweigend zu verlassen. Sie wollten, dass sich ihr Protest ausschließlich auf seine Rede bezieht. Ob Merz die Aktion bemerkte oder darauf reagierte, ist unklar, da die Demonstranten die Rede nicht weiter verfolgten. Die Stiftung selbst war im Vorfeld nicht über die geplante Aktion informiert.
Reaktionen und Resonanz
Die Rückmeldungen auf die Aktion waren überwiegend positiv, sowohl aus dem Saal als auch in den sozialen Medien. Zahlreiche aktivistische Kanäle teilten das Video des Protests, was zu einer Welle von bestärkenden und teilweise humorvollen Kommentaren führte. Die Stipendiaten zeigten sich überrascht über die virale Verbreitung, aber auch erfreut über die positive Resonanz. Hasskommentare gab es zwar auch, diese wurden jedoch als Teil der öffentlichen Debatte betrachtet.
Kernpunkte des Protests:
- Kritik an Friedrich Merz‘ Aussagen zur Migrationspolitik und zum "Stadtbild".
- Forderung, dass die Menschenwürde nicht an Arbeitsleistung geknüpft werden dürfe.
- Ablehnung der Instrumentalisierung von Migranten als "gute Migranten".
- Solidarität mit allen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland, deren Stimmen oft unsichtbar bleiben.