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70 Prozent der Fitness-Studios erlauben keine Handys während der Kurse

Was geschieht, wenn das Handy während des Trainings im Fitness-Studio ins Blickfeld gerät? Während einer Kniebeuge stellte ich fest, dass ein Smartphone unauffällig an einer…

70 Prozent der Fitness-Studios erlauben keine Handys während der Kurse

Was geschieht, wenn das Handy während des Trainings im Fitness-Studio ins Blickfeld gerät? Während einer Kniebeuge stellte ich fest, dass ein Smartphone unauffällig an einer Säule lehnt und die Kamera auf eine junge Frau in meinem Sichtfeld gerichtet ist. Über die nächsten zehn Minuten hinweg war ich unsicher, ob ich Teil eines Videos oder eines Livestreams werde.

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Im Verlauf des Kurses wechselten wir in die Bauchlage, und die Frau im stilvollen Alo-Yoga-Outfit positionierte ihr Handy erneut anders. Einen „no phones“-Sticker, der am Eingang des Studios angebracht war, schien sie entweder ignoriert oder übersehen zu haben. Fragte ich mich, ob sie nur ein kurzes Foto aufnehmen wollte oder ob hier ein TikTok-Livestream im Gange war?

Das Problem der ungewollten Sichtbarkeit

Fest steht: Am Sonntagmorgen stieg ich nicht aus dem Bett, um mein Workout im Internet zu sehen. Das Fitness-Studio ist für mich ein Rückzugsort, an dem ich auf mein Smartphone verzichte, um meine Bildschirmzeit zu reduzieren. Zu oft habe ich Fitness-Videos gesehen, in denen unbemerkt gefilmte Personen online herabgesetzt wurden, was mich verunsichert.

Die Normalisierung des Filmens im öffentlichen Raum durch Influencer und die Verfügbarkeit von Handykameras hat in den letzten Jahren zugenommen. In einem Fitness-Studio in Friedrichshain spricht der Fitness-Influencer Johannes Luckas gezielt Menschen an und filmt im Hintergrund. Nach der Interaktion fragt er, ob er diese für seine Inhalte verwenden darf. Inzwischen gibt es humorvolle Videos von Trainierenden, die sich vor ihm verstecken möchten, was ich ebenfalls wünschte, allerdings wäre dies störend für den gesamten Kurs.

Handyverbote und deren Umsetzung

Ich kann mich auch nicht ganz von der Schuld freisprechen. In meiner eigenen Galerie finden sich diverse Spiegel-Selfies, dokumentiert, um meinen inneren Schweinehund zu überwinden und diese mit Freundinnen zu teilen. Gegen gelegentliche Fit-Checks habe ich nichts. Wer jedoch dauerhaft filmt, sollte seine Matte in der letzten Reihe platzieren, die Kamera nur auf sich selbst ausrichten und die anderen Kursteilnehmer informieren.

In Berlin gehen die Fitness-Studios unterschiedlich mit dieser Thematik um. Während Handys beim Gerätetraining oder Laufen häufig verwendet werden, da Musik gehört wird, sind in Boutique-Studios, die ausschließlich Kurse anbieten, oft Verbotsschilder zu finden. Dennoch werden Handys meist toleriert, da die Studios nicht auf die kostenlose Werbung durch Instagram verzichten wollen.

Eine meiner Trainerinnen gibt vor jedem Kurs eine ausführliche Ansage. Alle Handys, die nicht in den Schließfächern sind, werden eingesammelt. Sie zitiert gelegentlich eine Studie, die besagt, dass die bloße Sichtbarkeit eines Smartphones ausreicht, um uns abzulenken und die Konzentration zu verringern. Dies trifft auf mich eindeutig zu. Mein Blick fiel immer wieder auf die Kamera vor mir, und ich stellte mir die Frage, was in diesem Kontext erlaubt ist.

Rechtliche Aspekte der Aufnahme

Fitness-Studios haben das Recht, in ihren Hausordnungen zu regeln, ob Smartphones erlaubt sind oder nicht. In einigen wird sogar darum gebeten, die Geräte ganz auszuschalten oder in den Ruhe-Modus zu versetzen. Zudem gilt das Recht am eigenen Bild, was bedeutet, dass gefilmte Personen zustimmen müssen.

Nach dem Kurs sprach ich die Frau an, die das Video gemacht hatte. Sie war sich ihrer vermeintlichen Schuld nicht bewusst und zeigte mir ihr Zeitraffer-Video, auf dem nur sie zu sehen war. Als ich nach dem anderen Video fragte, war sie widerwillig, als sie zurückschaltete. Darauf waren fünf andere Kursteilnehmerinnen, einschließlich mir, schwitzend im Hintergrund zu erkennen. Ich bat sie, dieses zu löschen, sogar aus dem Papierkorb. Meine mögliche Karriere als Fitness-Influencerin werde ich selbst in die Hand nehmen, wenn überhaupt.

Bildquelle: Echo Media Group

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