Wolfsburg und das große Schweigen
„Eigentlich interessiert es ja auch keinen, was in Wolfsburg passiert.“ Dieser Satz von Mario Basler ist mehr als nur ein Ausrutscher oder ein provokanter Kommentar. Er beschreibt präzise einen Zustand, der kaum noch zu beschönigen ist.
Der VfL Wolfsburg spielt kontinuierlich in der Bundesliga, doch der Verein bleibt medial, emotional und atmosphärisch weitgehend unbemerkt. Siege verlieren an Bedeutung, während Niederlagen kaum jemanden aufregen. Trainerwechsel und Spielertransfers geschehen, doch das Geschehen bleibt blass. Alles funktioniert, aber es fehlt an Leben.
Geld, Kader, Möglichkeiten – und trotzdem egal
Wolfsburg ist finanziell nicht benachteiligt. Im Gegenteil, der Verein hat einen starken Konzern im Rücken, bietet erstklassige Trainingsbedingungen und verfügt regelmäßig über Spieler, die bei anderen Bundesligisten sofort als Führungspersönlichkeiten gelten würden.
Dennoch stellt sich jede Woche die gleiche Frage: Warum berührt dieser Klub niemanden?
- Es fehlt an Mythos und Geschichte, die über die Tabellenplätze hinausgehen.
- Selbst im Abstiegskampf bleibt die Dramatik aus.
- Während anderswo ganze Städte mitfiebern, bleibt Wolfsburg still.
Wenn selbst der Abstieg kein Drama ist
Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass selbst ein möglicher Abstieg vermutlich keine große Welle schlagen würde. Es gäbe keine Bilder von jubelnden oder weinenden Fans, keine bundesweite Diskussion und keinen Aufschrei.
Basler bringt es brutal ehrlich auf den Punkt: Was soll denn passieren?
Es gibt keinen emotionalen Aufschrei, keinen kollektiven Widerstand und kein „Jetzt erst recht“. Im Zweifel wird der Spielbetrieb angepasst, und das Geschehen läuft weiter. Fußball wird zum Verwaltungsakt.
Trainer, Spieler, Konzepte – alles austauschbar
Wolfsburg steht sinnbildlich für ein strukturelles Problem in der Bundesliga. Es gibt Vereine, bei denen alles reibungslos funktioniert, aber nichts von Bedeutung hat. Trainer werden verpflichtet, erhalten Verträge und werden in Frage gestellt, bevor sie sich richtig etabliert haben.
Spieler zeigen ordentliche Leistungen, verlieren knapp oder gewinnen glücklich – und geraten schnell wieder in Vergessenheit. Es fehlt an Identifikation, an einer klaren Erzählung und an einem eindeutigen „Dafür stehen wir“. Ein Beispiel für die Schwierigkeiten, die auch andere Clubs betreffen, ist der MSV, der in einem spannenden Spiel gegen Hansa einen 2-Tore-Vorsprung vergab.
Ist das noch Bundesliga oder nur Betriebssport?
Die Bundesliga lebt von Emotionen, Rivalitäten und der Spannung zwischen Angst, Hoffnung, Größenwahn und Absturz. Wolfsburg entzieht sich all dem. Der Klub erscheint wie ein neutraler Akteur in einer emotionalen Liga.
Genau das macht Baslers Aussage so brisant. Sie richtet sich nicht nur gegen Wolfsburg, sondern wirft eine grundlegende Frage auf: Wie viele solcher Klubs kann der deutsche Fußball noch verkraften? Ein weiteres Beispiel für emotionale Aufregung in der Liga ist der Feueralarm, der ein komplettes Bundesliga-Stadion räumte.
Und während die Diskussionen über die Leistung der Mannschaften weitergehen, bleibt auch der FC Bayern nicht verschont von kritischen Stimmen.