Das erwartete Pokalwunder zwischen dem 1. FC Union Berlin und dem FC Bayern München blieb am Mittwochabend aus. Der Rekordsieger setzte sich knapp mit 3:2 gegen die Köpenicker durch, obgleich die Partie hart umkämpft war. Für Union erzielte Leopold Querfeld beide Tore per Strafstoß.
Analyse der ersten Halbzeit
Die Münchner starteten druckvoll und suchten früh den Weg zum gegnerischen Strafraum. Union Berlin hatte kaum Zeit, sich zu formieren. Schon in der 12. Minute resultierte aus einer Ecke für den FC Bayern ein Eigentor durch Ilyas Ansah, der den Ball unglücklich ins Tor lenkte. Die Bayern forcierten weiterhin ihre Offensive und zeigten sich insbesondere bei Standardsituationen überlegen, einer Stärke, die eigentlich den Berlinern zugeschrieben wird. Rund zehn Minuten später führte eine erneute Ecke von Joshua Kimmich zu einem Kopfballtreffer von Harry Kane, der die Führung auf 2:0 ausbaute (24. Minute).
Obwohl Union versuchte, den Rekordmeister frühzeitig zu stören, gelang es der Mannschaft von Steffen Baumgart anfänglich nicht, effektiven Zugriff auf das Spiel zu erlangen. Eine wichtige Wendung brachte jedoch der Video-Schiedsrichter ins Spiel. Dieser erkannte ein Handspiel von Jonathan Tah im Strafraum der Köpenicker, was zu einem Elfmeter für Union führte. Leopold Querfeld verwandelte diesen souverän.
Kaum schien die Partie offener zu werden, fiel der nächste Treffer, erneut aus einer Standardsituation und wieder als Eigentor. Nach einem Freistoß von Michael Olise versuchte Diogo Leite zu klären, beförderte den Ball jedoch unglücklich über Frederik Rönnow ins eigene Tor. Somit ging es mit einem Spielstand von 3:1 zugunsten der Bayern in die Halbzeitpause.
Entwicklung in der zweiten Spielhälfte
Die zweite Halbzeit begann ähnlich wie die erste, geprägt von Standardsituationen. Nach einem Foul von Harry Kane an Diogo Leite im Strafraum erhielt Union einen weiteren Elfmeter. Leopold Querfeld trat erneut an und verwandelte sicher (56. Minute), wodurch der Spielstand auf 2:3 verkürzt wurde.
Die Begegnung entwickelte sich nun zu einem spannenden Schlagabtausch. Union erhöhte den Druck und erspielte sich mehrere hochkarätige Chancen. Bei Versuchen von Leite, Ansah und Querfeld fehlten nur wenige Zentimeter zum Ausgleich. Der entscheidende Treffer, der eine Verlängerung erzwungen hätte, blieb den Berlinern jedoch verwehrt. Der FC Bayern konnte den knappen Vorsprung über die Zeit retten und zog somit ins Viertelfinale des DFB-Pokals ein.
Leopold Querfeld als herausragender Akteur
Der 21-jährige Leopold Querfeld zeigte sich als bemerkenswerter Elfmeterschütze. Seine abgebrühte Art, beide Strafstöße gegen einen Top-Gegner wie den FC Bayern in einem Pokal-Achtelfinale zu verwandeln, unterstreicht seine Nervenstärke und brachte ihm die Auszeichnung als „Spieler des Spiels“ ein.
Bemerkenswerte Statistik der Begegnung
Besonders auffällig war die Überlegenheit der Köpenicker in statistischen Kategorien, die normalerweise auf dem Papier nicht zu einer Niederlage führen würden. Union Berlin verzeichnete 18 Torschüsse, während die Münchner lediglich sechs Torschüsse abgaben. Die „Expected Goals“ (xG) unterstreichen dieses Bild: Union erreichte einen Wert von 2,69 xG, während die Bayern bei 0,74 xG lagen. Diese Zahlen verdeutlichen die außergewöhnliche Leistung der Berliner gegen den favorisierten Gegner.
Trotz dieser beeindruckenden Statistiken wartet Union Berlin auch nach 14 Spielen weiterhin auf einen Sieg gegen die Münchner. Der Ballbesitz und die gewonnenen Zweikämpfe lagen mit jeweils 60 Prozent auf Seiten der Bayern, gegenüber 40 Prozent für Union. Bei den Flanken zeigte Union jedoch eine deutliche Dominanz mit 22 Flanken, verglichen mit lediglich sechs Flanken der Bayern.
Aussagen der Beteiligten zum Spielverlauf
Leopold Querfeld (Union Berlin) konstatierte: „Wir wollten die Bayern bis zur letzten Sekunde fordern. Das ist uns auch sehr gut gelungen. […] Es hat extrem Spaß gemacht, heute mit meiner Mannschaft auf dem Platz zu stehen.“
Joshua Kimmich (Bayern München) äußerte sich: „Generell war heute wenig möglich im spielerischen Bereich. Es war viel Kampf. Das ist meckern auf hohem Niveau, aber auf so einem Niveau auf so einem Rasen zu spielen, ist verrückt.“
Steffen Baumgart (Trainer Union Berlin) bewertete: „Es war insgesamt ein sehr gutes Fußballspiel. Ein Fußballspiel, das begeistert. […] Ich habe selten so viele Chancen gegen die Bayern gesehen als Trainer.“
Vincent Kompany (Trainer Bayern München) merkte an: „Union Berlin auswärts: Da weißt du vorher, das ist ein harter Kampf. Und dann haben wir heute auf dem Platz geredet, das war dann wichtiger.“
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