Die BR Volleys, Serienmeister der Volleyball-Bundesliga, erleben einen unerwartet schwachen Saisonstart. Nach mehreren Niederlagen, darunter eine deutliche 0:3-Klatsche gegen den ärgsten Rivalen SVG Lüneburg, ist die Tabellenspitze bereits in weite Ferne gerückt. Ehemalige Spieler und heutige TV-Experten wie Georg Klein äußern sich besorgt und sehen "Luft nach oben".
Schlüssel-Erkenntnisse
- Die BR Volleys kämpfen mit einer ungewohnt schwachen Aufschlag-Annahme und Abstimmungsproblemen im Angriff.
- Der Leistungsdruck nach zahlreichen Titeln könnte eine Rolle spielen, obwohl neue Spieler für frischen Wind sorgen sollten.
- Der Abgang von Zuspieler Johannes Tille ist spürbar, doch Fedor Ivanov wird als fähiger Ersatz eingeschätzt.
- Die Lüneburger spielen aktuell mit mehr Freude und Effizienz, was ihre Tabellenführung erklärt.
Analyse des schwachen Saisonstarts
Die anfänglichen Niederlagen gegen Friedrichshafen und Düren wurden noch als "frühe Saisonphase" abgetan. Doch die jüngste Heimniederlage gegen Lüneburg, den aktuellen Spitzenreiter, wiegt schwer. Mit nunmehr 13 Punkten Rückstand auf die Tabellenspitze, trotz zweier Nachholspiele, ist die Ausgangslage prekär. Dies steht im krassen Gegensatz zur Dominanz der "Volleys" im Liga-Pokal, wo sie noch im Oktober eine "unglaubliche Frühform" zeigten und den Cup zum vierten Mal in Folge gewannen.
Wo liegt das Problem?
Georg Klein identifiziert "an allen Ecken und Enden Luft nach oben". Insbesondere die Aufschlag-Annahme, ein Element, das die Liga jahrelang beherrscht hat, zeigt in dieser Saisonphase Schwächen. "Egal, wer zum Aufschlag ging, du wusstest: Da ist ein guter Aufschlag oder ein Ass mit dabei. Die Aufschlagqualität ist in dieser Saisonphase noch schlecht, gemessen am Potenzial der Jungs", so Klein. Auch die Abstimmung zwischen Zuspiel und Angriff lasse zu wünschen übrig, mit vielen Bällen, die timing- und qualitätsmäßig nicht stimmen.
Mentale Aspekte und Leistungsdruck
Nach zwölf Titeln in Folge stellt sich die Frage, ob die Mannschaft "einfach mal satt" ist. Klein hält dies für "naheliegend", relativiert aber, dass nicht alle Spieler auf eine derart lange Titelsammlung zurückblicken können. "Mindestens die müssten heiß wie Frittenfett sein", betont er. Stattdessen vermutet er, dass der "ungewohnte, extreme Leistungsdruck" für die Neuzugänge eine größere Rolle spielt. Alle erwarten von den BR Volleys die erneute Dominanz, was eine psychische Belastung darstellen kann.
Der Abgang von Tille und die Stärke Lüneburgs
Der Weggang von Zuspieler Johannes Tille hinterlässt zwar "große Fußstapfen", doch Klein zweifelt nicht daran, dass Fedor Ivanov das Leistungspotenzial hat, ihn zu ersetzen. Die Lüneburger hingegen spielen laut Klein "mit mehr Freude" und einer "lockeren Energie", was angesichts ihrer komfortablen Tabellensituation verständlich sei. Sie arbeiten effizienter im Angriff und machen weniger Fehler.
Der Weg zur Besserung
Klein ist überzeugt, dass das Personal der BR Volleys "überqualifiziert" ist und die Probleme nicht bei den einzelnen Spielern liegen. Entscheidend für die Wende sei, dass "die Spieler und der Staff zur Einheit werden" und sich "mental aus dieser Phase herausarbeiten". Sie dürften das "Drumherum nicht an sich heranlassen". Der Fahrplan sei, erst am Ende der Hauptrunde zu schauen, wo man steht, um dann gestärkt in die Playoffs zu starten.