Wie konnte ein schwäbischer Fußballverein in der Hauptstadt eine solch bemerkenswerte Fangemeinde aufbauen? Matthias Singer, ein langjähriger Wahl-Berliner und Gründer des einzigen Fanklubs des 1. FC Heidenheim in der Hauptstadt, OST Alb Berlin, erläutert die besondere Entwicklung. Seit seiner Gründung im Jahr 2009, als der 1. FC Heidenheim erstmals in die Dritte Liga aufstieg, hat Singer seinen Herzensverein auf dessen Weg bis in die Bundesliga begleitet. Auch am kommenden Samstag wird er im Gästeblock des Stadions in Berlin erwartet, wenn Heidenheim um 15:30 Uhr (Sky) auf den 1. FC Union trifft.
Heidenheims Entwicklung: Vom Jugendspieler zum Bundesliga-Verein
Singer, gebürtiger Heidenheimer, schloss sich dem Verein bereits im Alter von fünf Jahren als Jugendspieler an. Nach zwölf Jahren im Klub entwickelte er sich zum leidenschaftlichen Anhänger – eine ungewöhnliche Konstellation, da der Verein zu jener Zeit noch in der Landesliga spielte und selbst in der Region weniger bekannt war. Nach seinem Umzug nach Berlin, wo er weiterhin in unteren Ligen spielte, konnte er die Ergebnisse seines Heimatvereins nur noch über die Zeitung verfolgen. Zu dieser Zeit kannten seine Berliner Mannschaftskameraden den 1. FC Heidenheim kaum, selbst wenn Singer stolz das Trikot trug.
Wahrnehmungswandel: Heidenheim etabliert sich in Berlin
Die Situation hat sich grundlegend verändert. Der 1. FC Heidenheim ist inzwischen Erstligist und gilt als Beispiel für einen Regionalklub, der durch stabiles Wachstum und strategische Investitionen die etablierten Kräfte im deutschen Profifußball herausfordert. In seiner Heimatregion, der schwäbischen Ostalb, genießt der Verein zunehmende Popularität und ist überregional zu einem Aushängeschild der Stadt avanciert. „Auch in Berlin wissen jetzt die meisten Fußballfans zumindest ungefähr, wo Heidenheim auf der Landkarte liegt. Das hat der Stadt gutgetan“, konstatiert Singer.
Matthias Singer, als Mitglied und Gründer von OST Alb Berlin, dem einzigen Fanklub des 1. FC Heidenheim in der Hauptstadt, hebt hervor: „Manche nennen uns einen Plastikklub, doch das trifft es nicht.“ Obwohl der Verein einen raschen Aufstieg von der Regional- in die Bundesliga erlebt hat, ist sein Fanklub mit 15 Mitgliedern, die vorwiegend aus Heidenheim stammen, stabil geblieben. Singer hat es dennoch geschafft, einige Berliner Freunde für den Klub zu begeistern. Seit 16 Jahren begleiten sie hauptsächlich Auswärtsspiele in Nord- und Ostdeutschland, die von Berlin aus gut erreichbar sind.
Die erste Begegnung auf Berliner Boden
Ein Heimspiel in Berlin ließ lange auf sich warten. Erst mit dem Zweitliga-Aufstieg im Jahr 2014 spielte Heidenheim in derselben Liga wie ein Berliner Verein. Das Spiel gegen Union im Februar 2015 markierte somit das erste Mal, dass Singer seinen Verein in seiner Wahlheimat sah. „Das war natürlich sehr, sehr besonders“, erinnert er sich. Trotz der Bezeichnung als „Plastikklub“, die Singer zurückweist, hat Heidenheim auch Sympathien gewonnen: „Das ist kein Verein mit einem Riesensponsor, wo viel Geld reingepumpt wird. Und das erkennen die meisten auch.“
Sportliche Herausforderungen und Fankultur
Auf die Frage, ob kleinere Vereine die Attraktivität der Bundesliga schmälern könnten, äußert Singer Verständnis für das Argument, dass ein Traditionsverein mit einem 50.000 Zuschauer fassenden Stadion bevorzugt werden könnte. Er betont jedoch, dass Heidenheim seinen Platz in der Ersten Liga verdient habe. Die Fankultur des Vereins sei wider Erwarten stark: „Es ist wirklich bemerkenswert, wie viele Fans auswärts mitfahren. Wenn man in die Statistiken für die ganze Liga schaut, ist Heidenheim da nicht ganz unten. In München waren sogar 8000 dabei.“
Für das kommende Spiel am Samstag wird die Fanpräsenz bescheidener ausfallen: Nur 1300 Auswärtsfans werden in der Alten Försterei erwartet, was eine Verkleinerung des Gästeblocks zur Folge hat. Auch sportlich durchläuft der Klub, der aktuell mit fünf Punkten und nur einem Sieg das Tabellenschlusslicht bildet, eine schwierige Phase seit dem Bundesliga-Aufstieg 2023.
Unions Vorsicht und Singers Optimismus
Der 1. FC Union Berlin, der in 16 Spielen neun Niederlagen gegen Heidenheim verzeichnete, begegnet der Begegnung mit Respekt. Trainer Steffen Baumgart warnte am Donnerstag vor einem schwierigen, kompakt agierenden Gegner, der seinen Außenseiterstatus geschickt zu nutzen weiß. „Die größte Stärke dieses Vereins ist, dass keiner aufgibt“, betonte der Union-Coach auf der Pressekonferenz.
Matthias Singer teilt diesen Optimismus. Er bezeichnet die Bundesliga als einen Traum und hebt die Bodenständigkeit des Vereins hervor. Nach zwei erfolgreichen Erstligajahren bestehe nun der klare Anspruch, die Klasse zu halten. Trotz der aktuellen Situation äußert er keine Sorgen bezüglich eines möglichen Abstiegs. „Das ist kein Zweckoptimismus: Ich kenne diese Mannschaft und ihre Mentalität, und ich gehe schon davon aus, dass sie es wieder packen können.“
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