Oliver Ruhnert, langjähriger Geschäftsführer Sport, hat Union Berlin verlassen. Sein Weggang wirft die Frage auf, wie viel von seiner und der Ära von Urs Fischer, dem ehemaligen Cheftrainer, noch im Verein steckt. Trotz personeller Veränderungen scheinen die von ihnen etablierten Prinzipien und Spielsysteme weiterhin prägend zu sein.
Schlüsselprinzipien bleiben erhalten
- Das von Urs Fischer etablierte Spielsystem, insbesondere die Dreierkette und die Fokussierung auf defensive Stabilität sowie Standardsituationen, hat trotz Trainerwechseln Bestand.
- Oliver Ruhnerts Fähigkeit, Spieler mit Mehrwert zu verpflichten und zu entwickeln, prägt weiterhin die Transferpolitik und das Geschäftsmodell des Vereins.
Das System als Vereins-DNA
Die Ära von Urs Fischer und Oliver Ruhnert bei Union Berlin war geprägt von einem unverwechselbaren Spielstil. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga definierte sich die Mannschaft vor allem über eine starke Abwehrarbeit, schnörkelloses Umschaltspiel und Gefahr bei Standardsituationen. Ruhnert unterstützte Fischer dabei mit gezielten Transfers, die perfekt in ein klares System mit Dreierkette und Stoßstürmer passten. Dieses System hat sich als widerstandsfähig erwiesen, selbst als nachfolgende Trainer wie Nenad Bjelica und Steffen Baumgart versuchten, auf eine Viererkette umzustellen, was nur mit überschaubarem Erfolg geschah. Die Dreierkette scheint für Union eine Art "Superhelden-Umhang" zu sein, ohne den die Mannschaft an Effektivität verliert.
Transfers mit Mehrwert
Die aktuelle Dreierkette mit Spielern wie Diogo Leite, Danilo Doekhi und Leopold Querfeld, ergänzt durch Torhüter Frederik Rönnow und Sechser Rani Khedira, verkörpert weiterhin Ruhnerts Handschrift. Diese Spieler, die auch für europäische Top-Klubs interessant sein könnten, sind ein Beleg dafür, dass sein Erbe fortlebt. Zwar waren nicht alle namhaften Verpflichtungen, wie die von Leonardo Bonucci oder Robin Gosens, ein voller Erfolg, doch Ruhnert war besonders stark darin, Spieler zu finden, die einen erheblichen Mehrwert für den Verein schufen. Verkäufe von Spielern wie Sebastian Andersson, Robert Andrich, Marvin Friedrich, Max Kruse, Julien Ryerson, Taiwo Awoniyi und Benedict Hollerbach brachten dem Klub beträchtliche Gewinne ein.
Das Geschäftsmodell lebt weiter
Auch im aktuellen Kader finden sich Spieler wie Iliyas Ansah, Tom Rothe und Leopold Querfeld, die von kleineren Vereinen kamen und Potenzial für zukünftige hohe Ablösesummen haben. Dieses Geschäftsmodell, das Union mit vielen Vereinen auf Augenhöhe teilt, ist ein weiterer Ausdruck dafür, dass die Prinzipien, für die Oliver Ruhnert stand, in Berlin-Köpenick fortgeführt werden. Auch nach seinem Weggang hallt Ruhnerts Einfluss im Verein nach.