Dirk Zingler, Präsident des 1. FC Union Berlin, setzt sich entschieden für eine Reform im Frauenfußball ein und spricht dabei klare Worte. In einem Interview mit einer großen Tageszeitung kritisiert er die mangelnde Diversität und Gleichstellung im Profifußball. Frauen würden häufig unter professionellen Bedingungen leiden, unzureichend entlohnt und von Vereinen sowie Verbänden nicht ernst genommen. Zingler hat damit recht!
Obwohl diese Themen nicht neu sind und viele, insbesondere Frauen im Fußball, seit Jahren darauf hinweisen, ist es von Bedeutung, dass eine einflussreiche Persönlichkeit wie Zingler sich für diese Anliegen stark macht. Er zeigt in seinem eigenen Verein, wie wichtig es ist, sowohl Frauen als auch Männer im Sport gleichwertig zu fördern.
Besonders bemerkenswert ist, dass Zingler vor etwa einem Jahr im Tagesspiegel zugab, auch bei sich selbst „gedankliche Türen“ öffnen zu müssen. Er war nicht von Anfang an ein leidenschaftlicher Verfechter des Frauenfußballs, hat jedoch seine Sichtweise geändert und demonstriert damit, dass ein Umdenken nicht nur möglich, sondern auch dringend erforderlich ist.
Das Henne-Ei-Problem im Frauenfußball
In seinem Interview thematisiert Zingler das sogenannte Henne-Ei-Problem, das den Fortschritt im deutschen Frauenfußball bis heute hemmt. Die zentrale Frage lautet: Was kommt zuerst – der Erfolg des Frauenfußballs oder die notwendigen Investitionen? Oftmals rechtfertigen Vereine ihre zurückhaltenden finanziellen Mittel damit, dass der Frauenfußball erst genügend Einnahmen generieren müsse, um sich zu rentieren.
„Welcher männliche Fußballklub hat sich denn am Anfang selbst gerechnet?“, fragt Zingler provokant.
Er weist darauf hin, dass dies ein grundlegender Fehler ist. „Vielerorts wird nichts von dem gemacht, was wir bei der Herstellung der Attraktivität des Männerfußballs gelernt haben. Deshalb sage ich, wir halten ihn klein“, erklärt Zingler.
Der Weg zum Erfolg
Die männlichen Fußballmannschaften haben ebenfalls nicht von Beginn an vor vollbesetzten Stadien gespielt. Erst die gesteigerte Attraktivität der Spiele führte zu einer erhöhten Nachfrage. Bei Union Berlin wird die Ansicht nicht geteilt, dass der Frauenprofifußball sich erst selbst finanzieren müsse. Zingler betont: „Welcher männliche Fußballklub hat sich denn am Anfang selbst gerechnet?“
Diese Frage ist entscheidend. Der Erfolg großer Vereine wie des FC Bayern war kein Selbstläufer. Die Marke wurde durch gezielte Investitionen aufgebaut, nicht durch Abwarten. Legendäre Spieler wie Franz Beckenbauer und Gerd Müller sowie der Bau von Stadien kamen zuerst, die finanziellen Erträge folgten später. Wer darauf wartet, dass sich alles „von alleine“ rechnet, wird ewig warten.
Beispiele aus dem internationalen Fußball
Die Beweise für diese These sind im Frauenfußball bereits evident. Der FC Barcelona investiert seit etwa einem Jahrzehnt gezielt in seine Frauenmannschaft und stellte 2022 beim Champions-League-Halbfinale gegen den VfL Wolfsburg im Camp Nou mit über 91.000 Zuschauern einen Weltrekord auf. Der sportliche Erfolg übertrug sich sogar auf die Nationalmannschaft.
In England wurde die Women’s Super League 2010 ins Leben gerufen – nicht, weil sie sich bereits rechnete, sondern weil der Verband bewusst gegen die Logik des schnellen Returns entschied. Über Jahre hinweg subventionierten Clubs wie Chelsea, Arsenal und Manchester City ihre Frauenteams aus den Einnahmen der Männer. Heute gilt die WSL als die stärkste Frauenliga Europas.
Dirk Zingler hat die Frage nach dem Henne-Ei-Problem klar beantwortet: Zuerst sind Investitionen notwendig, dann folgen die finanziellen Erträge. Nachdem er seine eigenen gedanklichen Barrieren überwunden hat, öffnet er nun die Türen für den deutschen Profifußball. Hoffentlich werden sie sich weit öffnen.
Quellen: Tagesspiegel
Bildquelle: Shutterstock