Nachrichten aus Berlin und der Region

Aktuelles Echo
Hertha: Nach Fahnenklau! Herthas aktive Fanszene gibt Banner auf Hertha: Nach Fahnenklau! Herthas aktive Fanszene gibt Banner auf Vor 2 Minuten Live-Ticker: Ostsee-Drama: Buckelwal in der Wismar-Bucht Live-Ticker: Ostsee-Drama: Buckelwal in der Wismar-Bucht Vor 2 Minuten Entspannung in Stolpe auf Usedom: Ein ruhiges Ziel für Kurzreisen ab Berlin Entspannung in Stolpe auf Usedom: Ein ruhiges Ziel für Kurzreisen ab Berlin Vor 51 Minuten Störungen im ICE-Verkehr zwischen Berlin und München nach Oberleitungsdefekt Störungen im ICE-Verkehr zwischen Berlin und München nach Oberleitungsdefekt Vor 52 Minuten Großer Andrang auf Croissant-Döner in Berlin Großer Andrang auf Croissant-Döner in Berlin Vor 53 Minuten Aperitivo-Festival in Berlin: Italienische Spezialitäten für kurze Zeit Aperitivo-Festival in Berlin: Italienische Spezialitäten für kurze Zeit Vor 54 Minuten Lufthansa-Streik führt zu zahlreichen Flugausfällen am BER Lufthansa-Streik führt zu zahlreichen Flugausfällen am BER Vor 56 Minuten Live-Ticker: Angriff auf den Iran im Liveticker Live-Ticker: Angriff auf den Iran im Liveticker Vor 2 Stunden Effektive Übungen zur Straffung der Oberarme Effektive Übungen zur Straffung der Oberarme Vor 2 Stunden War das rasante Fahren der Fahrerin nur wegen eines brennenden Kuchens im Ofen? War das rasante Fahren der Fahrerin nur wegen eines brennenden Kuchens im Ofen? Vor 2 Stunden

Groundhopping: Fußballreisen als Leidenschaft und Kostenfaktor

Interview Groundhopper Jörg Pochert „Das Stadionerlebnis ist in Deutschland so gut wie in fast keinem anderen Land dieser Welt“ Jörg Pochert, wohnhaft in Berlin, lebt…

Groundhopping: Fußballreisen als Leidenschaft und Kostenfaktor
Fans, Publikum, Zuschauer, Stimmung 1. FC Union Berlin

Interview

Groundhopper Jörg Pochert

„Das Stadionerlebnis ist in Deutschland so gut wie in fast keinem anderen Land dieser Welt“

Jörg Pochert, wohnhaft in Berlin, lebt seine Passion für Fußball in einer einzigartigen Form: Als „Groundhopper“ verfolgt er das Ziel, zahlreiche Spielstätten in Deutschland, Europa und darüber hinaus zu besuchen. Im Interview erläutert er die Ursprünge seines Hobbys, seine Eindrücke von Stadien in Südamerika und die Besonderheiten der deutschen Fußballkultur.

rbb|24: Herr Pochert, wie viele Stadien haben Sie bislang besucht?

Jörg Pochert: Insgesamt habe ich über 2.200 Stadien besucht – exakt 2.217 – in 91 verschiedenen Ländern.

Zur Person

Jörg Pochert, geboren 1976 in Berlin-Friedrichshain, bereist seit den Neunzigerjahren als „Groundhopper“ die Welt. Auf Instagram [instagram.com/captain_klobasa] dokumentiert er seine Reisen, Erlebnisse und Stadionbesuche.

rbb|24: Dies ist beeindruckend – was für einen Aufwand müssen Sie für dieses Hobby betreiben?

Pochert: Mein Alltag ist im Grunde genommen nicht außergewöhnlich. Der Ball rollt an nahezu allen Wochenenden für mich. Nur an zwei bis drei Wochenenden im Jahr, während der Sommer- oder Winterpause, besuche ich keine Spiele. Ansonsten stehen mir 28 Urlaubstage zur Verfügung, und ich suche auch nach Feierabend gelegentlich nach einem Spiel. In den letzten Jahren habe ich jährlich etwa 150 bis 250 Spiele besucht.

rbb|24: Wie gestaltet sich Ihr Besuch bei den Spielen?

Pochert: Es ist mir wichtig, von den Ländern, den Menschen und den Städten zu lernen, nicht nur Fußballspiele zu besuchen. Es wäre unklug, lediglich zu behaupten, in einem Stadion gewesen zu sein, ohne die Umgebung zu erleben. Manche Menschen praktizieren das, für mich ist es jedoch von Bedeutung, mehr vom jeweiligen Land zu entdecken.

rbb|24: Ist Groundhopping ein einsames Hobby oder machen Sie es oft in Gesellschaft?

Pochert: Ich bin definitiv Teil einer Gemeinschaft. In Deutschland gibt es mittlerweile mehrere Tausend Groundhopper. Ich reise jedoch auch alleine, je nach Situation. Ich plane meine Reisen in der Regel so, dass ich sie allein unternehmen kann, habe aber auch einen kleinen Freundeskreis, mit dem ich die meisten Touren bespreche.

rbb|24: Wie beginnt man mit dem Groundhopping?

Pochert: Der klassische Einstieg erfolgt in der Regel über einen Verein, dem man irgendwann beigetreten ist – für mich war das die BSG Stahl Brandenburg, wo ich erstmals im Alter von sieben Jahren ein Spiel besuchte. Zunächst nahm ich nur an Heimspielen teil, anfangs begleitet von meinem Vater oder Opa. Irgendwann ging es auch zu Auswärtsspielen. Mit der Zeit wächst der Wunsch, immer mehr Stadien in verschiedenen Ligen und Ländern zu erleben, was zu einer Sammelleidenschaft führen kann. Besucht man beispielsweise 15 von 18 Stadien einer Liga, möchte man die verbleibenden drei ebenfalls sehen. Und so entwickelt sich die Leidenschaft weiter.

rbb|24: Gibt es Möglichkeiten, sich mit anderen Groundhoppern zu vergleichen?

Pochert: Es existieren diverse Websites und Apps, die einen Vergleich ermöglichen. Ich bin jedoch der Meinung, dass es für die ernsthaften Praktizierenden nicht im Vordergrund steht, sich zu vergleichen. Ich bin mir beispielsweise bewusst, dass ich hinsichtlich der besuchten Länder nicht unter den Top 100 der Groundhopper in Deutschland bin. Das ist mir jedoch egal. Ich mache das für mich und möchte alle Länder und Stadien sehen, die mich interessieren.

»

Ein Großteil der Summe, die neben den Lebenshaltungskosten noch übrigbleibt, geht aber bei mir schon für Fußball drauf. Ich schätze, dass es im Jahr zwischen 8.000 und 10.000 Euro sind.

Groundhopper Jörg Pochert

rbb|24: Die Kosten für dieses Hobby sind sicherlich nicht unerheblich. Könnten Sie grob abschätzen, wie viel Geld Sie jährlich für das Groundhopping ausgeben?

Pochert: Das kann ich so aus dem Stand nicht sagen. Ein erheblicher Teil des Geldes, das nach Abzug der Lebenshaltungskosten übrig bleibt, fließt in meinen Fußballbedarf. Ich schätze die jährlichen Ausgaben auf etwa 8.000 bis 10.000 Euro. Und ich mache das seit etwa 30 Jahren mehr oder weniger ernsthaft – da kann man sich leicht ausrechnen, wie viel Geld insgesamt über die Jahre zusammengekommen ist. Ich möchte das ehrlich gesagt nicht wissen, gestehe aber, dass ich keinen einzigen Euro bereue, den ich dafür ausgegeben habe. Jede einzelne Reise würde ich sofort wieder antreten.

rbb|24: Welches Stadion möchten Sie als Nächstes besuchen?

Pochert: Da gibt es viele, ich kann das nicht konkret benennen. Mein Ziel ist es, bald 100 Länderpunkte zu erreichen, also in hundert Ländern mindestens ein Spiel gesehen zu haben. In Argentinien steht zum Beispiel das Stadion von River Plate [Estadio Monumental Antonio Vespucio Liberti; Anm. d. Red.] noch auf meiner Liste – und das Stadion Erster Mai in Pjöngjang, Nordkorea, möchte ich auch unbedingt besuchen. Es hat Platz für 115.000 Zuschauer und gehört zu den größten Stadionanlagen weltweit, in denen Fußball ausgetragen wird. Ich hege auch eine Vorliebe für abgelegene Regionen, weshalb ich auch viele Länder und Inseln wie Sardinien oder Korsika besuchen möchte. Ich bin überzeugt, dass ich noch einige gute Jahre vor mir habe.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Lukas Witte. Der vorliegende Text ist eine redigierte und gekürzte Version.

Sendung: rbb|24, 24.12.2025, 11:45 Uhr

Bildquelle: Steffen Prößdorf via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Artikel teilen:

Empfehlungen für dich.