Eishockey-Trainer Jeff Tomlinson, einst eine prägende Figur bei den Eisbären Berlin, hat eine bemerkenswerte persönliche und berufliche Reise hinter sich. Nach zwei Sehnervinfarkten im Jahr 2020 und 2021 verlor er fast sein gesamtes Sehvermögen. Trotz dieser drastischen Einschränkung setzte er seine Trainerkarriere fort, indem er seine Situation vor den Spielern geheim hielt und sich auf seine Assistenztrainer und seine innere Stärke verließ.
Die Herausforderung des fast Erblindens
- Tomlinson hat nur noch ein Sehvermögen von 10-15 Prozent, das stark von Lichtverhältnissen und Müdigkeit abhängt.
- Er musste seinen Kopf ständig bewegen, um ein größeres Sichtfeld zu erhalten.
- Das Erkennen von Spielern und sogar einfachen Gesten wie Handshakes wurde zu einer täglichen Herausforderung.
- Es gab Momente der Verwechslung und sogar Stürze, die seine Situation verdeutlichten.
Strategien und Geheimhaltung
Tomlinson schildert im Interview, wie er mit seiner eingeschränkten Sicht umging. Die Spiele konnte er nur grob verfolgen, wobei seine Co-Trainer ihm wichtige Informationen über Funk durchgaben. Nach den Partien nutzte er einen großen Bildschirm mit digitaler Lupe, um das Geschehen im Detail nachzuvollziehen. Er entschied sich bewusst dafür, das Ausmaß seiner Erblindung vor seinen Spielern geheim zu halten. Sein Hauptanliegen war es, als Trainer nach seiner Leistung beurteilt zu werden und nicht als "blinder Coach", um Mitleid zu vermeiden und den Fokus auf den sportlichen Erfolg zu legen. Nur seine Familie und sein engster Trainerstab wussten von der vollen Tragweite seiner Sehbehinderung.
Ein neues Verständnis von Coaching
Trotz der Widrigkeiten führte Tomlinson seine Teams zu Erfolgen, darunter das Erreichen des Halbfinales mit den Rapperswil-Jona Lakers und der Aufstieg mit dem EHC Kloten. Er glaubt, dass seine Einschränkung ihn dazu zwang, sich stärker auf die menschliche Komponente des Coachings zu konzentrieren, anstatt sich ausschließlich auf Taktik zu versteifen. "Es ging eher um die Leidenschaft fürs Spiel", erklärt er. Seine Geschichte hat sogar das Interesse der Filmindustrie geweckt, und er scherzt über mögliche Darsteller wie Kevin Costner oder Owen Wilson.
Rückblick und Botschaft
Tomlinson blickt auch auf seine Zeit bei den Eisbären Berlin zurück, wo er zwölf prägende Jahre verbrachte. Er erinnert sich an die erfolgreiche Jugendarbeit und die Entwicklung des Vereins. Seine persönliche Reise, die auch ein früheres Nierenleiden einschloss, hat ihm eine klare Botschaft vermittelt: "Jeder hat schlechte Phasen und Rückschläge, das betrifft uns alle. Aber das wird vorbeigehen. Es geht darum, stark zu bleiben. Und dann kommen wieder die schönen Zeiten."