Nach der deutlichen Niederlage in Leverkusen äußerte sich Trainer Mauro Lustrinelli, als hätte er auch in seiner italienischen Muttersprache antworten können. Die Redewendung „Roma non fu fatta in un giorno“ könnte in diesem Kontext gut passen. So wie Rom nicht an einem Tag erbaut wurde, wird auch Union Berlin nicht über Nacht zu einer neuen Fußballmannschaft. Nach sieben Jahren Bundesliga sind die Fans in Köpenick mit solchen chancenlosen Niederlagen bestens vertraut. Die Art und Weise der Niederlage erinnerte jedoch stark an frühere, weniger erfolgreiche Zeiten.
Union Berlin mit deutlicher Niederlage in Leverkusen
Die Mannschaft von Union Berlin musste sich am Samstag mit 0:4 geschlagen geben. Diese Klatsche wirft Fragen auf, insbesondere in Bezug auf die Spielweise und die taktischen Anpassungen unter Lustrinelli. Vor zwei Jahren versuchte bereits Bo Svensson, dem Team ein höheres Pressing zu verordnen. Nach einem vielversprechenden Start mit fünf ungeschlagenen Pflichtspielen musste der Däne jedoch kurz nach Weihnachten seinen Posten räumen.
Rückblick auf vergangene Probleme
Die Probleme, die Svensson erlebte, scheinen sich nun auch bei Lustrinelli zu zeigen. Nach einem vielversprechenden Herbst, in dem das Spielglück noch auf der Seite der Unioner war, verlor die Mannschaft zunehmend den Faden. Svensson hatte seine Fünferkette tiefer verteidigen lassen, was zu einer fehlenden Balance führte. Ähnlich erging es nun auch Lustrinellis Team, das am Samstag in Leverkusen eine desolate Vorstellung ablieferte.
Defensive Schwächen und fehlende Kompaktheit
Bereits in der ersten Minute musste der verletzungsbedingt zurückgekehrte Frederik Rönnow hinter sich greifen. Während der Entstehung des ersten Tores war kein Spieler von Union in der Lage, einen Zweikampf zu führen. Auch nach dem frühen Rückstand zeigte Leverkusen eine beeindruckende Kombination, die die defensive Anfälligkeit der Unioner offenlegte.
„Sie waren immer einen Schritt schneller als wir, und das hat über 90 Minuten den Unterschied gemacht“, erklärte Trainer Lustrinelli nach dem Spiel.
Die Statistiken untermauern diese Aussage: Die Zweikampfquote war zwar ausgeglichen, doch die entscheidenden Duelle fanden oft gar nicht erst statt. Besonders beim zweiten und dritten Tor wurden die defensiven Probleme von Union offensichtlich, als Leverkusener Spieler unbedrängt im Strafraum agieren konnten.
Khedira fordert mehr Kompaktheit
Die schwache Verteidigung des Strafraums war nicht allein auf die Schnelligkeit der Leverkusener zurückzuführen. Offensichtlich hat das Team Schwierigkeiten, sich an die neue Viererkette und die damit verbundene Raumaufteilung zu gewöhnen. Zudem brachte Union die eigenen Verteidiger immer wieder in Bedrängnis, da die erste Pressinglinie zu einfach überspielt wurde und das Mittelfeld nicht konsequent nachrückte.
„Es war eine gewisse Lehrstunde, die Leverkusen uns heute erteilt hat“, konstatierte Routinier Rani Khedira nach der Partie.
Khedira erkannte die Notwendigkeit, kompakter zu stehen, um sowohl die Lücken zwischen Abwehr und Angriff zu schließen als auch die Räume im Strafraum zu verengen, in denen Leverkusen sich am Samstag so wohlfühlte.
Probleme im Spielaufbau
Eine Mannschaft, die Kompaktheit mit mutigem Angriffspressing verbinden möchte, benötigt vor allem Kraft. Obwohl die Spieler fit sind, führt das ständige Hinterherlaufen zu einem hohen Energieverbrauch. Daher ist es entscheidend, das Ballbesitzspiel bis zum nächsten Heimspiel gegen Schalke zu verbessern. In der ersten Halbzeit schlugen die Unioner zu viele lange Bälle auf die Doppelspitze Emmanuel Latte Lath und Marin Ljubicic, die mit diesen Zuspielen wenig anfangen konnten.
Da Mittelstürmer Andrej Ilic weiterhin fehlt, ist eine alternative Lösung erforderlich. Union hat ohne den Serben und nach dem Abgang von Ilyas Ansah keinen großen Angreifer, der die langen Bälle festmachen kann, was dazu führt, dass diese direkt in Form einer neuen Angriffswelle des Gegners zurückkommen.
Der Weg nach vorne
Trotz der Schwierigkeiten fordert Lustrinelli von seinen Spielern, auf direktem Weg in Richtung Tor zu spielen. Khedira bezeichnete dies als „gnadenloses Umschaltspiel“. Um die Probleme im Spielaufbau zu lösen, könnte Lustrinelli in Erwägung ziehen, Khedira aus der Startelf zu nehmen. Der Neuzugang Michael Aebischer, der in Italien als „L’equilibratore“ bekannt ist, könnte eine entscheidende Rolle spielen, um die Balance im Team zu verbessern.
„Dieses spannende Projekt ist ein Prozess und wir werden diesen Weg weitergehen“, versprach Lustrinelli entschlossen.
Die Hoffnung bleibt, dass der Trainer den Mut hat, an seinen Ideen festzuhalten. Die Erfahrungen von Bo Svensson sollten dabei als Warnung dienen, was passiert, wenn man von den eigenen Prinzipien abweicht.
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Quellen: rbb24, Die Zeit, NDR
Bildquelle: Echo Media Group / Union Berlin
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