Rani Khedira stellte seine Hände in die Hüften, während seine Mitspieler zum Mittelkreis zurückkehrten. Lange Zeit sah es so aus, als ob der Tag für ihn erfolgreich verlaufen würde. Doch am Ende herrschte in der Alten Försterei eine spürbare Leere.
Der 1. FC Union verließ am Samstag das Spiel gegen den Tabellenletzten Heidenheim mit leeren Händen, und niemand konnte genau erklären, wie es dazu kam. Nachdem die Berliner dank eines Treffers von Khedira lange in Führung lagen, kassierten sie in den letzten fünf Minuten zwei Tore gegen das Team von der Ostalb und verloren mit 1:2.
„Das fühlt sich natürlich katastrophal an“, äußerte Kapitän Christopher Trimmel in den Katakomben nach dem Spiel. „Wir hatten vieles im Griff, vieles hat funktioniert. Dann kassiert man zwei Tore in der Schlussphase.“
Probleme im Sturm
Kritiker könnten anmerken, dass dies geschieht, wenn das Toreschießen den defensiven Spielern überlassen wird. Wie in den vergangenen Wochen hatten die gelernten Stürmer des 1. FC Union erneut Schwierigkeiten. Stattdessen war es Khedira, der vor dieser Saison nur neun Tore in über 250 Bundesliga-Einsätzen erzielt hatte, der für das Tor und den entsprechenden Jubel in der Alten Försterei sorgte.
Es sah lange nach einem souveränen Arbeitssieg aus. Der Fußball, den die Köpenicker derzeit spielen, mag schwer anzuschauen sein, war jedoch bislang effektiv. Sie stehen weiterhin auf dem zehnten Tabellenplatz.
Für viele war der Fußball an diesem Nachmittag nicht das Hauptaugenmerk. Wie in den letzten Wochen ging es erneut um die verschärften Maßnahmen zur Stadionsicherheit, die in der kommenden Woche auf der Innenministerkonferenz in Bremen beschlossen werden sollen.
Proteste der Fans
Zusätzlich zum erwarteten Schweigeprotest zu Beginn des Spiels wandten sich beide Fanlager direkt an Berlins Innensenatorin Iris Spranger und Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl. Auch von Vereinsseite gab es einen klaren Appell an die Politik: „Bitte lasst uns unsere Freiheit in den Stadien“, sagte Stadionsprecher Christian Arbeit vor dem Anpfiff ins Mikrofon.
Auf dem Platz setzte Trainer Steffen Baumgart nur zwei Änderungen zur Startelf um, Derrick Köhn und Woo-yeong Jeong kamen ins Spiel. Wie bereits in Hamburg musste Union die Favoritenrolle vorsichtig annehmen. Heidenheim, obwohl Tabellenletzter, hatte mit neun Siegen und zwei Remis eine deutlich bessere Bilanz in den bisherigen Duellen.
Späte Wendung im Spiel
Die erste große Chance hatten tatsächlich die Gäste. Nach einem langen Ball in den Strafraum legte Marvin Pieringer für Mathias Honsak ab, der mit einem wuchtigen Schuss die Latte traf. Union meldete sich jedoch schnell zurück mit einer Chance für Köhn.
Dies waren die einzigen Höhepunkte einer zähen ersten Halbzeit, bis Khedira in der 42. Minute nach vorne marschierte. Zunächst setzte sich Stürmer Ilyas Ansah im Strafraum durch und legte den Ball unter Druck zur Seite ab. Khedira tauchte dann aus dem Hintergrund auf und beförderte ihn ins untere Eck.
Es sah lange so aus, als ob dies ausreichen würde und Khedira zum Helden werden würde. Doch in den letzten Minuten kassierten die Berliner zwei entscheidende Treffer. „Wir waren unsauber. Wir haben nicht mehr das gespielt, was uns in der ersten Halbzeit stark gemacht hat“, sagte Khedira.
Zunächst glich Stefan Schimmer nach einer Flanke von der rechten Seite aus kurzer Distanz aus. Mit der letzten Aktion des Spiels köpfte Jan Schöppner bei einer Ecke zum 2:1 ein und brachte die Alte Försterei – wie zu Beginn des Spiels, jedoch aus ganz anderen Gründen – zum Schweigen.