Grischa Prömel, wann haben Sie zuletzt Berlin besucht?
Das war im vergangenen September, als Hoffenheim gegen Union spielte. Das liegt schon eine Weile zurück.
Hatten Sie seitdem keine Gelegenheit, privat in der Hauptstadt zu sein? Normalerweise sind Sie oft mit Marvin Friedrich, Ihrem guten Freund und ehemaligen Union-Kollegen, in Prenzlauer Berg unterwegs.
Leider hat es sich nicht ergeben. Es gab kurz die Überlegung, um Silvester in Berlin zu sein, da Marvin dort gefeiert hat. Letztendlich entschied ich mich jedoch für Marokko, um den Afrika-Cup zu verfolgen.
Sie haben fünf Jahre bei Union gespielt und sind seit fast vier Jahren weg. Besteht dennoch eine emotionale Bindung zu Berlin?
Ja, definitiv. Die Stadt hat mir immer sehr gefallen, und ich habe viele Freundschaften im Verein und darüber hinaus geschlossen. Daher freue ich mich immer, wenn ich zurückkomme oder die Jungs hier unten sind.
Besonderes Wiedersehen mit Union
Am Samstag spielt Union gegen Hoffenheim (15:30 Uhr, Sky). Sind solche Begegnungen nach vier Jahren immer noch etwas Besonderes?
Auf jeden Fall. Eine Mannschaft verändert sich im Laufe der Jahre, aber bei Union sind noch einige vertraute Gesichter dabei, sowohl auf dem Platz als auch im Staff und in der medizinischen Abteilung.
Als Sie 2022 zu Hoffenheim wechselten, äußerten Sie, dass es Ihnen schwerfiel, Union zu verlassen, aber die „sportliche Perspektive“ in Sinsheim überzeugte Sie. Haben Sie den Wechsel jemals bereut, nachdem Union in den letzten zwei Jahren in der Europa League und Champions League spielte, während Hoffenheim nicht?
Bereuen ist vielleicht das falsche Wort. Im Jahr vor meinem Wechsel habe ich entscheidend dazu beigetragen, dass Union international spielt. Ich erinnere mich, dass ich sogar gegen Hoffenheim getroffen habe. Natürlich möchte ich immer in der Champions League spielen, aber der Fußball ist kein Wunschkonzert.
Es gab auch schwierige Phasen, insbesondere durch Verletzungen. Aber jetzt sind wir dort, wo ich mit Hoffenheim hinwollte. Ich hätte mir gewünscht, dass es schneller geht, aber die Zeit hier hat mich zu dem Spieler gemacht, der ich heute bin. Daher bereue ich nichts.
Hoffenheim auf dem richtigen Weg
Aktuell steht Hoffenheim auf dem dritten Platz und wird von Union-Trainer Steffen Baumgart als eine der „besten Mannschaften der Liga“ bezeichnet. Ist die Champions-League-Qualifikation bereits ein klares Ziel?
Ich bin ein Befürworter davon, von Spiel zu Spiel zu denken und nicht sofort große Ziele auszurufen. Ich weiß, wie hart es ist, Punkte zu sammeln, denn in der Bundesliga gibt es nichts geschenkt. Wir haben einen guten Lauf, aber es erfordert viel Arbeit. Besonders wenn man die letzte Saison betrachtet, ist die Entwicklung beeindruckend. Dennoch gehört mehr dazu, als nur einen guten Lauf zu haben.
Vor einem Jahr war Hoffenheim tief im Abstiegskampf. Wie erklären Sie diesen Wandel?
Es hat sich viel verändert, sowohl im Verein als auch in der Mannschaft. Wir hatten einen großen Umbruch mit 20 Abgängen und zehn Neuzugängen, was das Gesicht der Mannschaft stark beeinflusst. Ein Umbruch ist nicht immer einfach, und dass es so gut funktioniert hat, war nicht vorhersehbar.
Wir haben talentierte Spieler hinzugewonnen und einen Trainer mit einer klaren Spielidee, der gut zur Mannschaft passt. Alle sind hungrig, und wir scheinen in jedem Spiel die Mannschaft zu sein, die mehr Kilometer zurücklegt und intensiver spielt. Das spricht für den Charakter der Mannschaft.
Umgang mit Nebengeräuschen im Verein
Im Verein gibt es auch in dieser Saison viele Nebengeräusche, von Abberufungen und Rücktritten in der Führungsetage bis hin zu Fanprotesten gegen den Spielerberater Roger Wittmann. Schweißt das die Mannschaft noch mehr zusammen?
Wir versuchen, solche Themen von der Mannschaft fernzuhalten. Die Führungsspieler sind hier gefordert. Im Fußball kann das sowohl positiv als auch negativ sein. Wenn man jedoch eine gute Phase hat und Spiele gewinnt, kann man vieles kaschieren. Es ist das Ziel der Mannschaft, dass über das Sportliche gesprochen wird und nicht über andere Themen.
Nach Ihrer langen Verletzungspause sind Sie wieder Führungsspieler. Ihr Comeback in der Startelf feierten Sie ausgerechnet im Stadion an der Alten Försterei gegen Union.
Für mich war das der emotionalste Moment der Saison. Ich hatte in der Woche zuvor ein paar Minuten gegen Leverkusen gespielt, was ebenfalls sehr bewegend war. Aber der Empfang in der Alten Försterei war unbeschreiblich. Die Mitarbeiter und Fans haben meinen Namen gerufen, und ich hatte Gänsehaut. Dieser Tag bleibt für immer in meinem Herzen.
Rückkehr nach dem Kreuzbandriss
Während Ihrer Reha haben Sie Ratschläge von Ex-Profis wie Sami Khedira eingeholt. War die Rückkehr auch ein Lernprozess? Spielt man anders, nachdem man eine solche Verletzung erlitten hat?
Ja, definitiv. So eine Verletzung verändert einen. Es gibt verschiedene Phasen. Auch jetzt, Monate später, benötige ich spezielle Pflege und ein gutes Warm-up. Das hatte ich vorher auch, aber jetzt ist es noch wichtiger, um gut vorbereitet in jede Einheit zu gehen und mit gezieltem Beinkrafttraining die Muskulatur zu stärken.
Das Ziel ist, auf dem Platz zu stehen, ohne mit den Gedanken woanders zu sein. Ich möchte nicht mit angezogener Handbremse spielen, sondern genauso intensiv wie zuvor.
Karriere und Zukunftspläne
Zurück zum Spiel am Samstag: Union und Hoffenheim gelten als grundlegend unterschiedliche Vereine. Sie sind jedoch bei beiden zum Führungsspieler und Publikumsliebling geworden. Haben die beiden Klubs mehr Gemeinsamkeiten, als man denkt?
Nein, sie sind tatsächlich sehr unterschiedlich. Die Strukturen sind verschieden, was auch an der Historie liegt. Union hat in den letzten Jahren viel erreicht, und das zeigt, dass man nicht unbedingt die neuesten Technologien benötigt, um erfolgreich zu sein. Dennoch haben wir hier in Hoffenheim Bedingungen, die uns fast dazu verpflichten, erfolgreich zu sein.
Wäre das ein Grund, in Hoffenheim zu bleiben? Ihr Vertrag läuft im kommenden Sommer aus, und Sie wurden bereits mit verschiedenen Klubs, darunter FC Sevilla und RB Leipzig, in Verbindung gebracht.
Ich fühle mich in dieser Saison sehr wohl. Es gibt viele Aspekte, die mir Freude bereiten. Dennoch ist das eine Entscheidung, die man nur einmal treffen kann, und ich habe mich noch nicht final entschieden.
Mit 31 Jahren könnte der nächste Vertrag der letzte große Ihrer Karriere sein. Denken Sie bereits an das Karriereende?
Nein, auf keinen Fall. Aber man wird anders wahrgenommen, wenn man 34 ist. Wir können nicht alle Christopher Trimmel sein und bis 40 auf höchstem Niveau spielen. Ich wollte immer im Ausland spielen. Wenn es irgendwann in die USA oder an einen Strand gehen könnte, hätte ich damit auch nichts dagegen. Ob das jedoch noch möglich ist, bleibt abzuwarten.
Hoffnungen auf die Nationalmannschaft
Stichwort USA: Sie wurden bisher nur einmal für die Nationalmannschaft nominiert und blieben ohne Einsatz. Mit Bundestrainer Julian Nagelsmann haben Sie jedoch eine lange gemeinsame Geschichte. Haben Sie die leise Hoffnung, im Sommer zur WM mitfahren zu dürfen?
Momentan genieße ich es einfach, auf dem Platz zu stehen und in einer erfolgreichen Phase zu spielen. Ich weiß, dass ich mich nur über den Verein empfehlen kann. Ich kann nur jedes Wochenende mein Bestes geben und hoffen, dass es wahrgenommen wird. Wenn ich am Ende der Saison das große Glück habe, zur WM mitzufahren, wäre ich der glücklichste Grischa, den es gibt.
Zusätzlich setzt Union Berlin 2025 auf vielversprechende Talente, was die Zukunft des Vereins betrifft. Auch die Perspektiven im Frauenfußball sind spannend, wie Stürmerin Sophie Weidauer über Wertschätzung im Frauenfußball berichtet. Zudem hat Union kürzlich einen Testspielerfolg unter Baumgart gegen Erzgebirge Aue gefeiert, was die Mannschaft weiter stärkt, wie in diesem Artikel nachzulesen ist.
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